17. JANUAR 2018

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„Unser Weg in die Welt ist ein voller Erfolg“


Special Intralogistik

Interview - Kaum ein anderes Unternehmen hat in den zurückliegenden Jahren ein derart rasantes Wachstum hingelegt wie der Maschinen- und Anlagenbauer Beumer aus Beckum. Zu Hause in Westfalen ist die Beumer Group heute ein global erfolgreiches Unternehmen der Intralogistik. Zum 80-jährigen Firmenbestehen sprach logistik journal mit Unternehmens-Chef Dr. Christoph Beumer.
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Weltweit beschäftigt die Beumer Group heute schon 4.000 Mitarbeiter. Und stündlich, so jedenfalls der Eindruck, werden es mehr. Kann sich da nicht so etwas wie eine Überhitzung einstellen?

Das sage ich ja schon seit einiger Zeit: Diesbezüglich muss man aufpassen. Wir sind ein Familienunternehmen und können das Wachstum nur aus eigener Tasche bezahlen.

Aber das ginge doch auch anders, Herr Dr. Beumer.

Ja, theoretisch schon. Aber warum sollte ich an die Börse, warum sollte ich zu Banken, um mir Geld zu leihen, wenn man mit ein bisschen Bescheidenheit und Weitsicht das Geschäft auch eigenständig und damit vor allen Dingen unabhängig und frei in seinen eigenen Entscheidungen entwickeln kann?

Gut, verständlich. Dennoch könnte die Beumer Group bei ihrer Größe doch auch als Aktiengesellschaft auftreten.

Familienunternehmen gibt es in beinahe jeder Größe. Denken Sie nur an Namen wie Henkel, Oetker oder Hörmann. Wobei ich nicht sage, dass Familienunternehmen per se besser oder schlechter sind als börsennotierte Unternehmen. Ich sage nur, dass sie anders sind. Sie ticken anders, und die Menschen arbeiten anders. Sind Familienunternehmen erfolgreicher? Ich sage mal, die Jahre 2008 bis 2012 haben gezeigt, dass Familienunternehmen auch in Krisenzeiten erfolgreich sein können. Wir haben nicht einen einzigen Mitarbeiter entlassen und nur an einem einzigen Tag kurzgearbeitet.

Dieses Verhalten unterscheidet Beumer von dem, was viele andere Unternehmen an den Tag gelegt haben. Hat das auch mit dem Firmen-Claim von Beumer – »Made different« – zu tun?

Ja, eindeutig. Unser Claim soll deutlich machen, dass wir uns von anderen auf mehreren Ebenen unterscheiden. Beispiel: Wir gehen nicht als Preisführer in den Markt, sondern als Qualitätsführer. Ich sitze in vielen Verhandlungen mit Kunden, die am Ende sagen, der Billigste bekommt den Auftrag. In solchen Fällen ziehen wir uns in der Regel zurück. Wir haben zwar Produktionsstätten in China und in Indien, verzichten aber in keinem Fall auf die hochwertigen Beumer-Qualitätsstandards. Schon gar nicht, um beim Anschaffungspreis der Billigste zu sein. Damit ich nicht falsch verstanden werde: Im täglichen Leben gibt es sicher viele Bereiche, für die das Billigste reicht. Das ist völlig in Ordnung. Im Investitionsgüterbereich liegen die Dinge aber anders. Wenn ich eine kritische Produktion habe, wenn ich im Nachtsprung Pakete sortieren muss, wenn ich einen Zementofen habe, der 24 Stunden lang dreht, dann kann es sehr teuer werden, wenn ein Gewerk oder ein System ausfällt. Und was speziell Beumer betrifft: Auf jeder Maschine steht mein Name. Dann möchte ich auch, dass sie tadellos funktioniert.

Qualitätsführerschaft, erst recht Innovationsführerschaft, ist teuer. Wir hoch ist der Etat, den Beumer für Forschung und Entwicklung zur Verfügung stellt?

Ziemlich hoch, wobei wir inzwischen auch smarte Finanzexperten und gute Marketingleute haben. Der Ingenieur reiner Prägung, wie ich es ja auch bin, tut gut daran, sich fähige Leute an die Seite zu holen, die die nicht technischen Bereiche abdecken. Ist eben hilfreich, wenn ein Vertragsentwurf von einem Juristen geprüft wird.

Um Prüfung geht es ja auch immer beim Punkt Qualität.

Absolut, und auch hier sind wir bei einem Punkt, der uns von vielen unserer Wettbewerber unterscheidet. Die Frage ist doch: Welches Commitment gibt man gegenüber dem Kunden ab? Beumer, so viel ist sicher, will den langfristigen Erfolg und nicht den kurzfristigen Gewinn. Unsere ganze Unternehmensausrichtung ist langfristiger Natur.

Soll Beumer denn dauerhaft ein Familienunternehmen bleiben?

Zumindest ist das gewollt. Voraussetzung für die Realisierung ist, dass wir erstens genügend qualifizierte und zweites genügend willige Familienmitglieder finden. Ist das nicht der Fall, sind wir im Interesse der Mitarbeiter und des Unternehmens verpflichtet, andere Lösungen zu suchen.

Apropos Mitarbeiter: Die Beschäftigten haben bei Beumer, und zwar quer durch alle Bereiche, einen ganz besonders hohen Stellenwert.

… den höchsten. Auch das ist Teil der Beumer-Unternehmenskultur. Wir wollen Mitarbeiter, die motiviert bei der Arbeit sind, die nicht über ein, zwei, drei Jahre zu Höchstleistungen gepusht werden, sondern die ihre Arbeit über zehn, fünfzehn, zwanzig Jahre in einem abgesicherten aber innovativen und dynamischen Umfeld machen können.

Einmal Beumer, immer Beumer?

Wir haben eine sehr geringe Fluktuation im Unternehmen. Hängt aber auch von der Region ab. In China ist die Fluktuation deutlich höher als etwa im Stammhaus oder in Dänemark. So haben wir in den letzten zehn, sehr dynamischen Jahren in der gesamten Beumer Group nur einen einzigen von gruppenweit 40, 45 Topmanagern durch Eigenkündigung verloren. Die meisten anderen sind nach wie vor bei uns. Und auch, wenn nicht für jeden an jedem Tag die Sonne scheinen kann, so ist es unterm Strich offensichtlich so, dass die Arbeit bei uns mehr Spaß macht als anderswo.


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lj 01/2016
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