22. JANUAR 2018

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Die Einfachheit der Komplexität


Unternehmen

Supply Chain Management - Immer komplexere Lösungen für Produktion und Logistik erschweren deren genaue Kalkulation. Um den daraus resultierenden Projekt- und Unternehmensrisiken zu begegnen, versucht die Beumer Group, mit einem ganzheitlichen Konzept die Transparenz in der Angebotsphase zu maximieren. Denn nur durch frühzeitige Konfiguration der Supply Chain kann dem Kunden die beste Lösung für sein individuelles Projekt angeboten werden.
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Wir fertigen unsere Anlagen nach dem Engineer-to-Order-Prinzip«, erklärt Johannes Stemmer aus dem Bereich Corporate Strategy bei Beumer. »Unsere Kunden bekommen Anlagen, die exakt auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind – wie ein Maßanzug.« Und genau wie sich Beinlängen, Taillen- oder Brustumfänge bei Menschen unterscheiden, sind auch die einzelnen Systemlösungen kundenspezifisch. »Das spüren wir in Zeiten des E-Commerce gerade bei den Versandhändlern sehr deutlich«, sagt Johannes Stemmer. Wollen diese langfristig konkurrenzfähig sein, müssen sie sich zum Beispiel mit individuellen Zustellzeiten oder auch Same-Day Delivery auseinandersetzen: Der Kunde bestellt und erhält noch am selben Tag die Ware. Charakteristisch ist zudem die »Atomisierung« der Sendungen: Der Kunde bestellt häufiger, teils mehrmals am Tag, aber in immer kleineren Mengen. Mit diesen Trends wird die Materialflusstechnik komplexer. Intralogistische Systeme wie die Hochleistungssortieranlagen der Beumer Group müssen somit immer flexiblere Aufgaben erledigen können und sich an veränderte Gegebenheiten anpassen lassen. »Als Systemintegrator planen wir diese Anlagen, bauen sie und nehmen sie in Betrieb. Auf diese Weise können unsere Kunden ihre Waren schnell, sicher und fehlerfrei liefern«, unterstreicht Johannes Stemmer. »Sie erhalten einen Wettbewerbsvorsprung und können sich auf zukünftiges Wachstum entsprechend vorbereiten. Doch diese Individualisierung hat ihren Preis.«

Verschiedene Module & Funktionen

Beumer stattet die Anlagen zum Beispiel mit verschiedenen Modulen und Funktionen aus, mit Handaufgabeplätzen etwa, mit semi-automatischen Einschleuseeinheiten, Kamerasystemen oder mit Tools, die Fehler beim Sortierprozess korrigieren und damit die Genauigkeit erhöhen. Dazu kommen Antriebe, die sich in ihrer Leistung und Energieeffizienz unterscheiden. Eine Vielzahl an Produktvarianten entsteht. »Weil wir zum Beispiel die Kamerasysteme oder Sensoren nicht selbst fertigen, setzen wir hier auf ausgewählte Zulieferer«, erläutert Stemmer. Doch je komplexer eine Anlage wird und je mehr Partner im Boot sitzen, desto höher ist meist auch der Koordinations- und Entwicklungsaufwand. Anlagenbauer sind daher Einflüssen ausgesetzt, die sie nicht immer selbst in der Hand haben und die sich auch immer schwerer vorhersagen lassen. Damit steigen die Risiken bei der Kalkulation des Leistungsumfangs und bei der Ausarbeitung der Terminpläne. Eine weitere Schwierigkeit liegt in den langen Projektlaufzeiten: Betreiber haben Änderungswünsche, Wechselkurse und Rohstoffpreise können schwanken. Diese Komplexitätstreiber erschweren eine genaue Kalkulation zum Zeitpunkt der Angebotslegung.

»Kunden erwarten eine klare Aussage. Deswegen können nur jene Anbieter langfristig erfolgreich sein, die auch unter schwierigen Bedingungen den Bedarf an Bauteilen und die Produktion zuverlässig planen können«, ist Johannes Stemmer sich sicher. Um mehr Transparenz im Angebotsprozess zu schaffen, setzt Beumer auf ein effizientes Supply Chain Management (SCM). Dieser Managementansatz ist prozessorientiert und umfasst dabei alle Flüsse von Rohstoffen, Bauteilen, Halbfabrikaten und Endprodukten sowie Informationen entlang der Wertschöpfungs- und Lieferkette. Das Ziel ist eine Ressourcenoptimierung für alle daran beteiligten Unternehmen. Damit das SCM wirkungsvoll die projektspezifische Planung der Lieferketten und die Koordination der beteiligten Akteure unterstützt, ist es genau auf die Anforderungen des Anbieters abzustimmen. Aber das ist gar nicht so einfach.

Für die einen ist der Managementansatz eine zentrale und übergeordnete Planungs- und Steuerungsfunktion, um interne und externe Versorgungsketten zu koordinieren und zu verantworten. Für die anderen ist es der Grundgedanke einer ganzheitlichen Sichtweise, der jedoch oft nur vereinzelt in Einkauf, Vertrieb oder Projektmanagement Anwendung findet. Der Grund dafür liegt in der unterschiedlichen Wahrnehmung der einzelnen Abteilungen von Aufgaben und Zielen, die SCM zugeschrieben werden. Doch es ist wichtig, in der Endphase des Angebots ein klares Konzept mit den Lieferanten und Unterlieferanten abzustimmen. »Ein Angebot kann bei einem umfangreichen System bis zu 800 Seiten stark sein. Umso wichtiger ist ein durchgängiges SCM«, betont Stemmer.
Bei der Einführung eines SCM sind nicht nur Komplexitätstreiber wie Änderungswünsche oder schwankende Preise der Rohstoffe zu berücksichtigen, sondern auch die Faktoren, die den Angebotsprozess begünstigen können. »Der Kunde ist oft bereit, mehr zu investieren, wenn er dem Know-how des Anbieters vertraut und sich durch die individuelle Lösung seines Problems verstanden fühlt«, weiß Stemmer. Zu diesen Erfolgsfaktoren zählt bei Beumer zum Beispiel der umfangreiche Customer Support. Rund 1.000 Mitarbeiter arbeiten weltweit für dieses Geschäftsfeld. Sie kümmern sich vom ersten Projektgespräch bis zur laufenden Anlage um ihre Kunden. Der Customer Support kann verschiedene Dienstleistungen umfassen. Mit dem Residential Service sind Beumer-Mitarbeiter zum Beispiel dauerhaft vor Ort und übernehmen bewusst Verantwortung für einen reibungslosen Betrieb.


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lj 03/2017
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