17. NOVEMBER 2017

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Kristin ist unverzichtbar


Zwischendurch

Klar, könnte ich sie mir kommen lassen, meine Sonntagslektüre. Direkt an die Haustür von einem freundlichen Boten. Aber bei be…, also bei bedecktem Wetter würde ich dann möglichweise das Haus gar nicht verlassen. So aber gehe ich zum Bahnhof, meist mit Gattin, dort in einen gut sortierten Kiosk, und kaufe die Lektüre für den Sonntagnachmittag: »Bild am Sonntag« und »Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung«. Die »BamS«, weil ich wissen will, welche Sau ab Montag durch das Dorf namens Deutschland getrieben wird – bis zum Sonntag darauf jedenfalls. Die »FAS«, weil sie journalistisch gesehen eine Wonne ist, inhaltlich wie optisch. Apropos inhaltlich: Am 24. September erschien in dem Frankfurter Blatt für die ganze Nation ein Sonderteil unter dem Titel »Die Unverzichtbaren«. Darunter eine Altenpflegerin, ein Flughafen-Mechatroniker und eine Showband, ein Arzt, eine Ampel-Ingenieurin und ein Weichenmechaniker. Besonders gefreut aber habe ich mich über eine Logistikerin. Nein, keine Dame aus dem mittleren oder gehobenen Management, kein hohes Tier. Stattdessen eine Lageristin: Kristin Brandt, 24, Abitur.

Kristin Brandt arbeitet im Logistikzentrum von Zalando in Mönchengladbach. »Nach der Schule«, schreibt die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, »sei sie hier so reingerutscht«. Und:»Mir hat’s gefallen.« Seit Oktober 2015, so die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, ist Kristin Brandt fest angestellt, seit Februar darüber hinaus Mentorin. Sie lernt andere Mitarbeiter an, übt deren Tätigkeit aber ebenso aus.
Kristin Brandt gehört dem Team »Pick« an, kommissioniert also von Kunden bestellte Ware. Die »Frankfurter« kalauert, trifft dabei aber den Nagel auf den Kopf: »Ohne Picker keine Packer, keine Pakete von Zalando bei den Deutschen.«
»Ohne Kristin Brandt«, so die FAS weiter, »auch keine Bequemlichkeit für Menschen, die es nicht mehr gewohnt sind, sich wegen Turnschuhen die Fußgängerzone am Samstag anzutun. Die Arbeiter bei Zalando oder Amazon sorgen dafür, dass wir immer alles zu jeder Zeit und vor allem schnell haben können.«

»Das System des Mini-Computers, den Kristin Brandt bei sich trägt, sagt der jungen Frau, was sie holen muss, und es erfasst, in welcher Schublade die Waren liegen.« Und dann schreibt die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung einen Satz, der so nicht in jedem Fall richtig ist, der mir aber ganz besonders gut gefällt: »Trotzdem braucht es zum System einen Menschen, der noch immer schneller ist als ein Roboter.« Tun auf merkwürdige Weise gut, diese Worte. Finden Sie nicht?


Michael Weilacher
m.weilacher@verlag-henrich.de

Ausgabe:
lj 05/2017
Unternehmen:
Bilder:
Henrich Publikationen

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