20. JANUAR 2018

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Kostensparende Komplettlösung


Definitionen - Der Begriff Kontraktlogistik ist seit einiger Zeit in aller Munde. Doch was genau verbirgt sich dahinter? Und wie sieht der konkrete Nutzen aus? Drei Fallbeispiele sorgen für Klarheit.

Definitionen des Begriffs Kontraktlogistik gibt es viele. Die des Kemptener Dienstleisters Dachser lautet: »Kontraktlogistik findet dann statt, wenn ein Kunde nicht nur unsere Transportnetze nutzt, sondern zusätzlich Lagern, Kommissionieren und Verpacken, wenn er Displays bauen läßt oder weitere individuelle Dienstleistungen bestellt. Kontraktlogistik erfordert außerdem, daß sich die Partner mindestens ein Jahr lang vertraglich aneinander binden und jährlich mindestens eine Million Euro miteinander umsetzen.« Mit dieser Definition gewinnt der abstrakte Begriff Farbe. Gleichwohl läßt sich das ganze Spektrum der Möglichkeiten, das in der Kontraktlogistik liegt, höchstens erahnen. Denn in der Praxis produziert die Kontraktlogistik immer neue Varianten, wie zum Beispiel im

Umfassende Aufgaben
Für die vier Werke von Huhtamaki in Deutschland steuert Dachser die Beschaffungslogistik von Lieferanten aus ganz Europa. Die Luft- und Seefrachtdivision übernimmt zusätzlich den interkontinentalen Import. Im Werk Ronsberg bei Memmingen bündelt Dachser alle ankommenden Warenströme in einem Lieferantenzentrum. Von dort aus erhält das Werk alle benötigten Stoffe, genau heruntergebrochen auf die jeweilige Produktionscharge. Die produzierten Güter verlassen das Werk über das Lieferantenzentrum, das dann als Distributionszentrum fungiert. Nach dem Bedarf, den Kostenstrukturen der unterschiedlichen Produkte oder dem Zeitfenster, das für den Transport bis zum Kunden zur Verfügung steht, organisiert Dachser die Distribution zu Lande, zu Wasser oder in der Luft. Ein Beispiel für angewandte Kontraktlogistik sind auch die logistischen Abläufe bei Bayernland. Die Genossenschaft mit Sitz in Nürnberg vermarktet Milchprodukte. Dachser holt für das Unternehmen Fertigprodukte vornehmlich aus süddeutschen Produktionsstätten, aber auch Butter aus Norddeutschland, und konsolidiert sie an den Standorten Memmingen und Neuss. 90 Prozent der Ware werden palettenweise gesteuert, beim Rest müssen die Kartons auf einer Palette einzeln gescannt werden, weil es sich um Gewichtsware handelt. Dachser-Mitarbeiter ziehen Proben zur Qualitätssicherung und verschicken sie an Prüflabors. Sie stellen aus sortenreinen Paletten kundenbezogene Sendungen zusammen und bauen sie direkt in Displays ein. Außerdem konfektionieren sie Werbeartikel. Schließlich wird der Käse über das Dachser-eigene Lebensmittelnetzwerk bundesweit ausgeliefert. Auch bei Otis, dem weltgrößten Unternehmen für Aufzüge, Fahrtreppen und Fahrsteige, spielt Kontraktlogistik eine wesentliche Rolle. 60.000 Mitarbeiter entwickeln, fertigen, installieren und warten die Anlagen von Otis. Allein 22.000 Service-Monteure stehen rund um den Globus zur Verfügung. Dachser organisiert die weltweite Beschaffung von -Zulieferteilen, Komponenten und Ersatzteilen und sorgt zusätzlich für die bedarfsgerechte Anlieferung bis an die Produk-tionslinien. Dort übernimmt Dachser Fertigwaren. Als Logistikdienstleister lagert Dachser neben den Zulieferkomponenten auch Halbfertigwaren ein, übernimmt die kurzfristige Zwischenlagerung kompletter Fahrtreppen oder Komponenten und stellt kontraktspezifisch die Kundenkommissionen aus den Lagerbeständen zusammen. Otis überläßt Dachser die weltweite Verteilung von Zubehör- und Ersatzteilen und von Montageteilen der Zulieferer - auf dem Land-, See- oder Luftweg. Europaweit beliefert Dachser die Otis-Monteure zu genau festgelegten Zeiten, organisiert Spezialtransporte und übernimmt die kompletten administrativen Aufgaben einer Versandabteilung von Otis. Komplett wird das Ganze, weil Dachser mit eigenem Personal auf dem Werksgelände des Kunden arbeitet und einen Großteil der Inhouse-Logistik-aktivitäten von Otis übernommen hat. Dazu gehört beispielsweise das Rampenhandling, Ware transportsicher zu verpacken und entsprechend auszuzeichnen und rund um die Uhr - auch an Wochenenden und Feiertagen - für Otis in Bereitschaft zu sein.

Entscheidende Kostenvorteile
Durch Kontraktlogistik entstehen entscheidenden Kostenvorteile. So transportiert Dachser die Huhtamaki-Verpackungen im eigenen europäischen Stückgut- und Ladungsnetzwerk. Der Bayernland-Käse wird in Memmingen mit der Kühlware anderer Hersteller zusammengefaßt und direkt zum jeweiligen Empfänger gebracht. Selbst bei den Spezialtransporten für Otis gibt es Synergien im Speditionsnetz des Logistikdienstleisters. Deshalb ist die Auslastung der Transporte höher, und darum sind die Gesamtprozeßkosten niedriger, als wenn die Unternehmen diese Aufgaben selbst erledigen würden. Zudem bietet eine Kontraktlogistik, die in das eigene Transportnetz eines Logistikdienstleisters integriert ist, erhöhte Sicherheit. Der Zugriff ist direkt. Garantiekapazitäten sind auch vorhanden, wenn am Markt Transportraum knapp ist.



Dienst am KundenDirekter Link nach Osteuropa
Dachser entwickelt sich in Österreich zu einer der gefragtesten Adressen, wenn es um Osteuropaverkehre geht. Weil die Alpenrepublik im Zuge des politischen Wandels zur Mitte der erweiterten Europäischen Union geworden ist, verweist Dachser auf sein flächendeckendes Netz eigener Niederlassungen. »Unsere Proficenter realisieren mit ihren Osteuropa-Kompetenzen jeden Kundenwunsch«, betont Günther Klimitsch (Foto), Geschäftsführer von Dachser in Österreich. Auch in Osteuropa selbst ist Dachser auf Kundennähe bedacht. Das Netz der eigenen Niederlassungen wird weiter ausgebaut. So stehen Lindbergh & Dachser mit einem flächendeckenden Niederlassungsnetz in der Slowakischen Republik bereit.

Ausgabe:
lj 01/2005
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