20. APRIL 2018

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70 Jahre Sick: Schlaue Helfer im Warenfluss


Technik

Fachpressetag - Unter dem Claim »Sensor Intelligence« konzentriert sich die Sick AG auf die Entwicklung von Lösungen über die reine Sensortechnik hinaus. Im Rahmen des diesjährigen Fachpressetages gab das Unternehmen Auskunft über den aktuellen Stand der Aktivitäten.

Als Erwin Sick kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges den Grundstein für die heutige Sick AG legte, gab es noch keine Hinweise auf einen Aufschwung, geschweige denn ein Wirtschaftswunder. Dieser Umstand hinderte den späteren Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse jedoch nicht daran, beharrlich sein Ziel zu verfolgen, nämlich die Entwicklung und Herstellung optisch-elektronischer Geräte für friedliche Zwecke. Was als Ingenieurbüro begann, ist heute ein Weltkonzern mit rund 7.000Mitarbeitern und führend im Bereich der Sensortechnologie für industrielle Anwendungen.

70 Jahre Innovation

Frühe Meilensteine in der Firmenhistorie waren beispielsweise der erste serienreife Unfallschutz-Lichtvorhang sowie ein Druckmarken-Steuerungsgerät, vorgestellt im Jahr 1952. 1967 folgte eine Lösung zur Identifikation von Strichcodes auf Beipackzetteln, Faltschachteln, Dosen und Tuben.

Entwicklungen jüngeren Datums sind der ColorRanger E, eine Hochgeschwindigkeits-3D-Kamera für den industriellen Einsatz sowie ein Portfolio neuer Sicherheitslösungen, etwa der Laserscanner microScan3 und der Lichtvorhang deTec4 Prime. Ein Highlight im Jubiläumsjahr war die offizielle Eröffnung des neuen Distributionszentrums in unmittelbarer Nähe zum Stammsitz Waldkirch bei Freiburg Ende Februar 2016.

In den Neubau hat das familiengeführte Unternehmen etwa 25 Millionen Euro investiert, die »bisher größte und entsprechend wichtige Einzelinvestition der Sick AG«, so der Vorstandsvorsitzende Robert Bauer anlässlich der Feierlichkeiten. Von Buchholz aus sollen mehr als 40.000 Kunden in Europa sowie die Sick-Tochtergesellschaften weltweit beliefert werden.

Kollege Roboter

Aktuelle Neuerungen auf Produktebene standen Anfang September auf dem Fachpressetag 2016 im Fokus. Im Bereich der Sicherheitssysteme präsentierte sich Sick insbesondere als Partner für MRK-Lösungen (= Mensch-Maschine-Kollaboration). Wie Berthold Ketterer, Divison Manager Marketing & Sales betonte, gelte es, auf dem Weg zur vollständigen, parallelen Kollaboration auch Anwendungen im Sinne von Koexistenz oder Kooperation zu realisieren. Hierbei seien umfassendes Robotik-Verständnis sowie Fachwissen bei der Risikobewertung gleichermaßen gefragt.

Um die Vorgaben der Maschinenrichtlinie zu erfüllen, sei für jede Maschine eine ausführliche Bewertung möglicher Gefährdungen nach EN ISO 12100 durchzuführen. Der Gefährdungsfaktor sei abhängig von der Art der Roboter, der Ausprägung des Automatisierungsprozesses sowie der Anlagenkomplexität. Neben dem Umfeld müssten darüber hinaus die Bewegungsabläufe des Roboters sowie das Ende des Roboterarms und das Werkstück in der Risikobeurteilung betrachtet und dokumentiert werden.

Werden Roboter dank integrierter »Safety Intelligence« in Zukunft möglicherweise intelligenter als der Mensch? Nach Einschätzung von Ketterer könnte sich das Restrisiko durchaus zum Hauptrisikofaktor entwickeln – insbesondere dann, wenn Roboter in der Lage sind, eigenständig zu lernen und sich selbst programmieren. Fest stehe jedoch schon heute, dass der Sicherheitsbeauftragte im Unternehmen zukünftig ein Softwareingenieur sein werde.

Kabel für Energie & Daten

Im Segment »Motion Control Sensors« hat Sick spezielle Motor-Feedback-Systeme entwickelt, die unter anderem im Maschinenbau, der Automobil- und Zuliefererindustrie, der Transport- und Intralogistik sowie in den Häfen zum Einsatz kommen. Die Kommunikation zwischen Servorantrieb und Motor erfolgt über »Hiperface DSL«. Diese digitale High-Speed-Schnittstelle soll eine robuste, störsichere Datenübertragung zwischen Regler und Motor über zwei im Motorkabel integrierte Adern ermöglichen. Die Datenkommunikation wird hierbei auf die Versorgungspannung des Motor-Feedback-Systems aufmoduliert. Unternehmensangaben zufolge profitieren Anwender von deutlich gesenkten Gesamtbetriebskosten (TCO Total Cost of Ownership). Die Verkabelung sei schnell und einfach, die kompakte Bauweise spare Platz, Fehlerquellen würden verringert und Kabelschlepp minimiert.

Durchsetzen wird sich nach Ansicht von Motion Control-Experte Rolf Wagner der Sensor-Hub (S-HUB). Nach Erlangen der Marktreife soll diese Lösung Sensordaten im Motor im Hinblick auf Feuchtigkeit, Schock und Vibration aggregieren können. Bei »Identification & Measuring« bietet Sick eine große Auswahl an 2D-und 3D-Vision-Sensoren an, die die Realität zuverlässig erfassen und der Positionierung, Inspektion und Qualitätskontrolle dienen.

Anwendungen finden sich beispielsweise beim Container-Handling, bei der Navigation von Flurförderzeugen sowie fahrerlosen Transportsystemen. Der TriSpector1000 mit integrierter Bildanalyse etwa soll nach Aussage von Marketing- und Sales-Manager Dr. Lars Friedrich eine intuitive 3D-Inspektion ermöglichen und hierbei eine bislang unerreichte Geschwindigkeit entwickeln. Sogenannte Long-Range-Distanzsensoren wie etwa der Dx100 wurden konzipiert, um schnellere und präzisere Positionierungen über große Entfernungen zu ermöglichen in den Häfen und beim Schienenverkehr, aber auch in der Intralogistik. Neu in diesem Jahr ist zudem eine Lösung für die Positionsbestimmung und Winkelerkennung von RFID-Transpondern.

Dank integrierter Signal- und Datenverarbeitung fungiert dieses stationäre Schreib-/Lesegerät als autonome Lesestelle, die ohne externe Steuerung auskommt. Mögliche Einsatzgebiete für RFU630 sind die Endmontage und Fahrzeugauslieferung in der Automobilindustrie sowie Waren-ein- und -ausgangstore und Gabelstaplerapplikationen.

Flexibles Lösungskonzept

 Mit dem System »AppSpace» will Sick nach Aussage von Friedrich Raum für die Ideen der Kunden schaffen. Hierbei handelt es sich um eine offene Plattform für programmierbare Sensoren. Systemintegratoren und Erstausrüster (OEM) haben die Möglichkeit, ihre spezifische Applikationssoftware direkt auf den speicherprogrammierbaren Sick-Sensoren zu entwickeln. Dabei sollen sich auch Daten für Cloud-Services im Kontext von Industrie 4.0 erzeugen lassen. Die Software steckt im Sensor und kann Informationen direkt weitergeben. Das System unterstützt Anwender vor allem in den Bereichen Qualitätskontrolle, Rückverfolgbarkeit und vorausschauende Wartung.

Daten & Fakten

Sick ist einer der weltweit führenden Hersteller von intelligenten Sensoren und Sensorlösungen für die Fabrik-, Logistik- und Prozessautomation.
Das Unternehmen wurde 1946 gegründet und ist mit über 50 Tochtergesellschaften und Beteiligungen sowie zahlreichen Vertretungen weltweit präsent.

www.sick.com

Ausgabe:
lj 06/2016
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