19. JANUAR 2018

zurück

kommentieren drucken  

Familien-Planung


Modell 5.500 Mitarbeiter, Niederlassungen in aller Welt, über eine Milliarde Umsatz ? ein Familienunternehmen stellt man sich anders vor. Für Hörmann aber, bereits in der vierten Generation von Familienmitgliedern geleitet, hat sich die überschaubare Firmenstruktur als Erfolgsmodell erwiesen. von Michael Weilacher

Martin J. Hörmann, zusammen mit seinem Vater Thomas J. und Bruder Christoph persönlich haftender Gesellschafter der Hörmann KG, sieht in der Aufstellung seines Hauses als von der Familie geführtes Unternehmen nach wie vor eine Reihe von Vorteilen: »Positiv ist unter anderem, dass wir wichtige Entscheidungen langfristig angehen können, weil wir uns nicht so sehr an kurzfristen Erfolgen messen lassen müssen. So hat man Zeit, eine Strategie zu entwickeln und am Ende frei zu entscheiden.« Wenn die Fakten auf dem Tisch liegen, folgen die Entscheidungen im Hause Hörmann allerdings eher zügig, denn: »Unsere Hierarchien sind flach, die Wege kurz.«
Auch Martins Bruder Christoph Hörmann sieht viel unternehmerischen Spielraum in einem Familienunternehmen: »In diesem Rahmen kann man auch mal eine Entscheidung treffen, von der man weiß, dass sie sich nicht in den nächsten drei, sondern vielleicht erst in zehn Jahren auszahlen wird. In solchen Fällen sind wir niemandem Rechenschaft schuldig. Keiner kann dann sagen, du hast in diesem Jahr, oder wie bei einigen, in diesem Quartal zu wenig Rendite gebracht. Du bist der falsche Mann.«
Keine Frage: Vor Heuschrecken muss man sich bei Hörmann nicht fürchten. Keiner kann hingehen und ? wie bei anderen Unternehmen ? mal eben die Aktienmehrheit zusammenkaufen. Es herrscht also Sicherheit in der Vorzeigefirma für Tore, Türen, Zar-gen und Antriebe. Und das nicht nur am Stammsitz des Unternehmens in Steinhagen bei Bielefeld. Über die Jahre ist die Internationalisierung von Hörmann immer weiter vorangeschritten. Heute ist das Unternehmen aus der westfälischen Provinz in der ganzen Welt vertreten. Dabei fing einmal alles so klein an.
Wir befinden uns in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In seinem Bielefelder Schlosserbetrieb stellt August Hörmann auch Stahltore her. Sohn Hermann (1912 ? 1994) übernimmt die Idee, gründet nach dem Krieg den väterlichen Betrieb in Steinhagen aber praktisch neu. Den entscheidenden Wachstumsimpuls gibt Hermann Hörmann seiner Firma in den 50er-Jahren durch die Produktion eines neuartigen Garagen-Schwingtors, nach seinem amerikanischen Erfinder Berry-Tor genannt. In den 60er-Jahren entwickelt Hörmann raumsparende, sich senkrecht öffnende Sektionaltore für Garagen sowie für Industrie- und Gewerbebauten. Die Firma beginnt, über die Grenzen des Stammhauses in Steinhagen hinauszuwachsen.
Ab Mitte der 60er-Jahre entstehen in Deutschland und Belgien zehn Produktionsbetriebe. Heute gehören zur Hörmann-Gruppe die Schörghuber GmbH in Ampfing, die Seuster KG in Lüdenscheid, die Berner Torantriebe in Rottenburg, die Dyna Seal BV im niederländischen Alkmaar sowie Tubauto SAS und Garador, führende Hersteller von Garagenschwingtoren in Frankreich und Großbritannien. Seit dem Jahr 2000 produziert Hörmann auch in China. Die Beijing Door Production fertigt Industrietorsysteme und Türen. Im Jahr 2002 nahm Hörmann in den USA die Produktion von Garagentoren und Antrieben für den amerikanischen Markt auf. Seither sind die Westfalen dabei, ihren noch geringen Marktanteil in den USA auszubauen ? auch auf dem Weg der Akquisition. So hat Hörmann erst im September vergangenen Jahres mit Flexon einen der führenden US-Hersteller von Schnelllauftoren übernommen. Ein Jahr zuvor hatten die Westfalen bereits den Garagentorhersteller Gadco gekauft.
Ein engmaschiges Netz aus mehr als 50 Niederlassungen und zahlreichen Vertragshändlern garantiert dem Hörmann-Kunden kurze Wege ? in über 30 Ländern. Doch so sehr die Auslandsmärkte auch für Hörmann von wachsender Bedeutung sind, so sehr liegt den Verantwortlichen des Unternehmens auch der Heimatmarkt Deutschland am Herzen. Christoph Hörmann: »Deutschland ist nach wie vor unser wichtigster Markt. Hier werden auch sämtliche Entscheidungen getroffen, sowohl strategisch-wirtschaftlicher Natur als auch produktbezogener Art. Aber nicht nur das. Wir werden auch weiter in Deutschland investieren, also Werke ausbauen und den Vertrieb stärken.« Doch bei aller Bedeutung des Heimatmarktes: Das Ausland wird immer wichtiger. Christoph Hörmann: »Im Zuge der Globalisierung ist das selbstverständlich.« In Europa, auch im Osten des Kontinents, ist Hörmann gut aufgestellt. In Russland unterhält das Haus aus Steinhagen eigene Niederlassungen. In Polen wurde im Mai 2006 eine Fertigung in Betrieb genommen. Auch hier stehen die Zeichen auf Erfolg. Um die steigende Nachfrage nach Stahl-Rohrrahmentüren und Ladebrücken befriedigen zu können, wird die Produktions- und Lagerkapazität des Werks im polnischen Legnica um großzügige 4.000 Quadratmeter erweitert.
Auch wenn die Geschäftstätigkeit in Polen einen weiteren Erfolg von Hörmann markiert: In Steinhagen denkt man weit über die Grenzen Europas hinaus. Auch das weitere Wachstum von Hörmann in Amerika und China ist nur Teil der strategischen Überlegungen. Als neue, interessante Märkte betrachtet das Management unter anderem Länder wie Vietnam und Indien. Christoph Hörmann: »Wir werden in Ruhe prüfen, welche Möglichkeiten unser Haus dort hat.« Und Möglichkeiten zu prüfen ist mit Blick auf die jüngsten Entwicklungen im Heimatmarkt Deutschland wichtiger denn je. Durch den Wegfall der Eigenheimzulage und die Erhöhung der Mehrwertsteuer ist die Zahl der Bauanträge beziehungsweise -genehmigungen im privaten Wohnungsbau um fast 50 Prozent zurückgegangen ? auch für das erfolgreiche Unternehmen aus Steinhagen ein Schlag ins Kontor. Christoph Hörmann: »Nur weil sich unsere Industrietore, die in Produktion, Handel und Logistik eingesetzt werden, so gut entwickelt ha¬ben, war das Jahr 2007 für uns unterm Strich noch zufriedenstellend.«
Gute Geschäfte macht Hörmann seit Anbeginn seiner Geschäftstätigkeit in erster Linie durch gute Produkte. Vor diesem Hintergrund wird die Entwicklung stetig vorangetrieben. Mit überzeugenden, bisweilen sogar überragenden Ergebnissen. So konnte Stephan Hörmann, Geschäftsleiter der Hörmann KG Dissen, in der Kategorie »Teile und Systeme aus Stahl für das Bauen« im Jahr 2006 den Stahl-Innovationspreis entgegennehmen. Die Hörmann KG Dissen fertigt verschiedene, hoch moderne und extrem strapazierfähige Rolltore für Anwendungen im industriellen Bereich. Den Innovationspreis für das Unternehmen gab’s für ein in Zusammenarbeit mit der Firma Dreistern und einem Stahlproduzenten entwickeltes Verfahren, bei dem walzhartes Stahlfeinblech erstmals zu doppelwandigen Rolltorprofilen verarbeitet wird. Die fertigen Tore weisen eine höhere Stabilität, ein geringeres Gewicht und eine bessere Wärmeisolierung auf als herkömmliche Produkte.
Industrietore und Haustüren, Verladetechnik, Wartung und Service ? fast immer dreht sich in Steinhagen alles ums Geschäft. Aber eben nur fast. Auch im kulturellen und sozialen Bereich ist Hörmann aktiv. Weil das diesbezügliche Engagement der Inhaberfamilie am Herzen liegt, laufen auch die einzelnen Projekte unter dieser Überschrift. Unter www.amherzen.de sind die gemeinnützigen Aktivitäten des Unternehmens aufgelistet.
So unterstützt Hörmann eine Lehrwerkstatt in Myanmar (Birma), fördert eine Gruppe junger Golfer für die Special Olympics oder hilft bei einem Projekt in einer Klinik für epilepsiekranke Kinder. Dem Thema Kultur widmet Hörmann sich zum Beispiel mit Lesungen von Künstlerinnen wie Senta Berger (liest aus Werken von Robert Walser), durch die Unterstützung eines Kurzfilmfestivals oder mit der Aus¬stellung fotografischer Arbeiten.
Nicht zu vergessen natürlich auch der Fußball. Mit publikumsträchtiger Bandenpräsenz hat Hörmann hier seinen großen Werbeauftritt. Neuerdings sogar auch im Reich der Mitte. So geschehen, als Arminia Bielefeld unlängst ein Spiel mit seinem Partnerverein in der chinesischen Provinzstadt Wuhan austrug. Martin J. Hörmann: »Die waren gar nicht darauf eingestellt, dass da jemand eine Bande aufstellen wollte. Aber wir haben’s gemacht.« Am Ende wurde das Ganze live im chinesischen Fernsehen übertragen.
www.hoermann.de

kommentieren drucken  


ANZEIGE

 

 
» Finden Sie weitere Fachartikel in unserem Artikelarchiv

  Jetzt Newsletter
abonnieren!


Aktuelle Ausgaben

Weltmarkt Flurförderzeuge

logistik journal: Weltmarkt Flurförderzeuge 2016

Video der Woche

 

ANZEIGE