19. JANUAR 2018

zurück

kommentieren drucken  

Kontrollierte Kettenreaktion


Systeme Seit zehn Jahren treibt Igus erfolgreich die Entwicklung leistungsfähiger Energieführungssysteme für den Kranbau voran. Erfahrung und das notwendige Maß an Innovationsfreude gepaart mit konsequenter Bedarfsorientierung gehören dazu. von Sabine Vogel

Energieführungssysteme bei Krananwendungen müssen laufen, gerade beim Hafenumschlag – und das möglichst nonstop, selbst unter widrigsten Klimabedingungen oder in rauer Umgebung. Dabei gilt die Devise: schneller, schwerer, weiter. Grund sind stetig wachsende Umschlagszahlen auf den Terminals, die anhaltende Forderung nach höheren Fahrgeschwindigkeiten und immer längere Verfahrwege. Parallel steigen die Anforderungen an die Betriebssicherheit von Kranen. Liegt ein Schiff länger als erforderlich im Hafen, weil die Krananlage wegen technischer Störungen ausfällt, kann das schnell zu einer ausgesprochen teuren Angelegenheit werden. Energiekettensysteme sind hier die sprichwörtliche Nabelschnur. Sie sorgen für die Zuführung von Energie, Daten und Impulsen, sind dabei ständig in Bewegung und dürfen keine Schwachstellen aufweisen. Mit der Entwicklung der Rollen-Energiekette hat Igus aus Köln vor rund zehn Jahren ein eigenes Marktsegment erschlossen. Seither stellen Energieführungssysteme von Igus ihre Stärken rund um den Globus unter Beweis, von Yokohama bis Oakland, von Panama bis St. Petersburg.

Beeindruckende Zwischenbilanz
Zu Recht stolz ist man auf die Zwischenbilanz: Im Juni 2008 wurde der 375ste Ship-to-Shore-Kran (STS) mit einer Igus- Energiekette ausgerüstet. Im Bereich RTGs (Rubber Tyred Gantry Cranes) und RMGs (Rail Mountain Gantry Cranes) zählt man gar 2.500 Containerkrane weltweit. Dahinter steckt profundes Know-how rund um verschleißtechnisch optimierte Komponenten und Systeme aus Tribokunststoff – ein Fachwissen, das 1.650 Mitarbeiter in der gesamten Unternehmensgruppe (davon allein 900 in Deutschland) sicherstellen.
Seit seiner Gründung im Jahr 1962 hat Igus ein Netzwerk mit Niederlassungen in 26 Ländern und Partnern in 31 weiteren Staaten aufgebaut. »Im Geschäftsjahr 2007 belief sich der Gruppenumsatz konsolidiert auf rund 275 Millionen Euro. Das entspricht einem Plus von 16,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr«, berichtet Harald Nehring, Prokurist Energiekettensysteme bei Igus. Allein im Bereich Krananwendungen habe sich der Umsatz in den letzten drei Jahren verdoppelt. Forciert werde diese Entwicklung auch durch den Umstand, dass nicht allein Kranbauer, sondern zunehmend auch Betreiber den Einsatz von Energieführungssystemen made by Igus fordern. »Diese Position muss man sich erarbeiten, da bekommt man nichts geschenkt«, weiß Nehring.

Besonders ruhiger Lauf
Als Systempartner liefert Igus fast ausschließlich fertig konfektionierte Energiekettensysteme, sogenannte Ready Chains, die direkt und komplett auf die Baustelle geliefert werden. Das spart Montagezeiten und schließt Montagefehler nahezu aus. Für einen noch schnelleren, vibrationsfreien und leisen Lauf, hohe Füllgewichte und lange Verfahrwerge hat Igus nun ein neues Produkt auf den Markt gebracht, die Profilrollen-Energiekette P4 für Verfahrwege bis 1.000 m und Füllgewichte bis 30 kg/m. Speziell entwickelt wurde diese Lösung für In- und Outdoor-Krananlagen sowie für Fördersysteme. Ober- und Untertrum der Kette rollen versetzt aufeinander. Auf diese Weise werden die Kunststoff-Profilrollen nicht überrollt, sondern rollen auf einer durchgängig breiten Fläche. Das steigert die Lebensdauer. Zudem ist die Teilung der Kettenglieder mit und ohne Rolle nun gleich, so dass die Energiekette im Radius einen besonders ruhigen Lauf erzielt. Die Rollen selbst sind fest in die Seitenteile der Kette integriert.
Im Vorfeld hat Igus die Betriebssicherheit von P4 mit Fahrgeschwindigkeiten von bis zu 7 m/s auf einer 125 Meter langen Außenanlage in Köln getestet, die sich optional auf 300 Meter ausbauen lässt. »Mit P4 steht jetzt ein Produkt mit ausreichend Reserven auch für die schnellsten und größten zurzeit denkbaren Krane zur Verfügung. Wir haben bereits den Auftrag, das neue System auf einem Containerkran im größten deutschen Binnenhafen zu installieren. Zudem ist auch ein Test im Kundenauftrag auf einer 245 Meter langen Strecke in einem chinesischen Terminal in der Diskussion«, freut sich Harald Nehring.
Während P4 sich anschickt, einen weiteren entscheidenden Beitrag für den schnellen und effizienten Umschlag von Stück- und Massengütern zu leisten, bewähren sich Igus-Energieketten seit Jahren auf Be- und Entladeterminals rund um den Globus. Allein im niederländischen Rotterdam, am größten und dynamischsten Umschlagsplatz in Europa, finden sich in einem Umkreis von nur fünf Quadratkilometern mehrere anspruchsvolle Krananwendungen, die mit Rollenenergieketten- Systemen von Igus ausgestattet sind. Starker Wind und Regen sind hier keine Seltenheit, so wie auch Sand und Schmutz. Hinzu kommt der hohe Salzgehalt der Luft.

Bewährtes Leistungspaket
Auf dem Areal des European Container Terminal (ECT) hat Igus acht STS-Krane sowie mehrere RMGs des Herstellers ZPMC aus Shanghai mit Rollenenergieketten- Systemen ausgerüstet. Seit Dezember 2006 werden hier robuste, korrosionsfreie E4/4-Kunststoff-Energieketten der Serie 4040 in Führungsrinnensystemen eingesetzt. Befüllt sind sie mit einem auf Außenanwendungen abgestimmten Chainflex-Leistungspaket, das nach Unternehmensangaben bereits auf mehreren tausend Kranen störungsfrei arbeitet.
Noch weitaus robuster als auf dem ECT geht es im benachbarten EMO-Hafen von Rotterdam zu, einem weitläufigen Schüttgut-Umschlagplatz für Kohle und Eisenerze. Hier hat Igus einen von vier gigantischen Schiffsentladern, die eine Ladekapazität von 80 Tonnen mit nur einer Schaufelfüllung erzielen, mit einem Energieführungssystem ausgerüstet. Die Montage der vorkonfektionierten Energieketten erfolgte in über 40 Metern Höhe. Seit der Umrüstung im November 2004 haben die Energieketten bereits 85.000 km Verfahrweg zurückgelegt. Der Verfahrweg des Wagens bzw. der Katze beläuft sich auf 106 m bei einer Geschwindigkeit von 240 m/min. Die Versorgung übernehmen Energieketten vom Typ E4/4 Heavy Duty, eine Serie, die angesichts der hohen Füllgewichte speziell für EMO entwickelt wurde. Im Gegensatz zur regulären E4/4 wurden die tragenden Flächen bei den Bolzen-Bohrung-Verbindungen bei der E4/4 Heavy Duty um 120 Prozent erhöht. Gleichzeitig hat man die Durchmesser der Bolzen von 40 auf 45 mm vergrößert und die Länge von vier auf acht Millimeter verdoppelt. Um die Verschiebekräfte der Energieketten überwachen zu können, wurde im EMO-Hafen zudem das Monitoring-System PPDS installiert.

Ausgleich zwischen Kette und Katze
Auch einer der ersten STS-Krane, der früh mit einem Energiekettensystem ausgerüstet worden ist, befindet sich im Hafen von Rotterdam, und zwar auf dem von der Kramer Group betriebenen Zollgebiet des Rotterdamer Container Terminal (RCT). Drei Container-Krane von Noell, die seit 2001 bzw. 2004 mit Energieführungen von Igus arbeiten, laden hier Waren vom Seehafen auf Binnenschiffe um. Zum Einsatz kommt eine Lösung, die aus Energieketten der Reihe 5050R, Chainflex-Leitungen und einem Edelstahlrinnensystem besteht. Kennzeichnend ist auch der schwimmend gelagerte Mitnehmer. Die Spezialkonstruktion sorgt für den Toleranzausgleich zwischen dem Energiekettensystem und der Katze.

Wachstum dank Containerboom
Keine Frage: Igus ist ein Gewinner der Globalisierung. Harald Nehring räumt ein, dass das Unternehmen mit dem weltweiten Containerboom gewachsen ist, der quasi parallel einen Aufschwung im Kranbau ausgelöst hat. Klassische Hauptabnehmerländer, so Nehring, seien Italien, die Niederlande, Finnland, Japan und Singapur. Hierbei behauptet der asiatische Markt anhaltend seine Position als Spitzenreiter. Eher speziell allerdings sind dort mitunter die Herausforderungen – Beispiel: ein Projekt am Südhafen des Pudong-Gebiets von Shanghai, dem Sitz des chinesischen Schiffbauers Waigaoqiao Shipbuilding (SWS). Auf dem Areal verrichten drei Shipyard-Krane ihre Arbeit, die in ihren Dimensionen 30-stöckigen Hochhäusern entsprechen. Die Energie- und Datenzuführung zu den riesigen Hubwerken (zwei von ihnen haben Hubleistungen von 600 bzw. 800 Tonnen) wird über Energieketten von Igus realisiert. Hierbei handelt es sich um reibungsarme Rollen-Energieketten in Führungsrinnen aus Stahl. Konzipiert wurden die Ketten für hohe Kabellasten und lange Verfahrwege, auch bei hohen Geschwindigkeiten. Dank ihres verschleißfesten TPE-Außenmantels trotzen die biegefesten Chainflex-Spezialleitungen auch den extremen Bedingungen auf einer Schiffswerft. Mit Füllgewichten von 30 kg/m über 180 m Verfahrweg laufen die Energiekettensysteme seit ihrer Installation im Jahr 2001 störungsfrei. Selbst ein Taifun im Jahr 2006 führte nicht zum Betriebsstillstand. SWS-Entwicklungsleiter Zhang Quan: »Das Energieführungssystem läuft problemlos und erforderte nur minimale Wartung.«

Für alle Aufgaben gut gerüstet
Dass die mechanischen Anforderungen an Krane und Energieführungssysteme angesichts tropischer Wirbelstürme, wie sie in Ost- und Südostasien sowie im nordwestlichen Teil des Pazifiks auftreten, deutlich zugenommen haben, verwundert nicht. Die Herausforderungen wachsen aber auch mit der weiter fortschreitenden Globalisierung. Die internationalen Warenströme nehmen zu, Lasten steigen und die Verfahrwege werden länger. Liegeplätze müssen mit Blick auf das nächste Schiff schnell geräumt werden. Leistungsfähige Energieführungssysteme haben einen entscheidenden Anteil daran, dass dies gelingt. Mit rund 80.000 Artikeln ab Lager und mehr als 1.500 Neuentwicklungen pro Jahr ist Igus für aktuelle und kommende Aufgaben gut gerüstet.
www.igus.de

Ausgabe:
lj 04/2008
Unternehmen:
Bilder:

kommentieren drucken  


ANZEIGE

 

 
» Finden Sie weitere Fachartikel in unserem Artikelarchiv

  Jetzt Newsletter
abonnieren!


Aktuelle Ausgaben

Weltmarkt Flurförderzeuge

logistik journal: Weltmarkt Flurförderzeuge 2016

Video der Woche

 

ANZEIGE