21. APRIL 2018

zurück

kommentieren drucken  

Alles wie immer - nur viel besser


Titelstory

Lagertechnik: Klare Ansage vom Kunden: Der Lagerbetrieb muss ganz normal weiterlaufen, aber parallel dazu sollen die Prozesse optimiert werden. Ein Problem? Nicht für die Spezialisten von SSI Schäfer, wie ein Projekt bei Schrader Industriefahrzeuge eindrucksvoll belegt.

>Als sich das Haus Schrader Industriefahrzeuge zur Neugestaltung des Lagers in der Essener Hauptniederlassung entschied, waren die Ziele klar definiert: schnellere Zugriffs- und verbesserte Reaktionszeiten, optimierte Raumnutzung und mehr Flexibilität. »Wir wollten die Lagerhaltung unserer vier Niederlassungen weitgehend an einem Standort konzentrieren«, erklärt Thomas Hurdelhey, Lagerleiter des Linde-Gabestapler-Vertragshändlers Schrader. »Dazu«, so Hurdelhey, »mussten die Kapazitäten des vorhandenen Altlagers in Essen bei gleicher Gebäudestruktur um rund 25 Prozent erhöht und die Lagerstruktur grundlegend erneuert werden.« Den Zuschlag für Projektplanung, Layoutgestaltung, Detailkonzeption und Ausstattung erhielt nach intensivem Anbietervergleich die Fritz Schäfer GmbH in Neunkirchen. Das Unternehmen, betont Lagerleiter Hurdelhey, bot »ein überzeugendes Produkt- und Leistungsangebot mit allen erforderlichen Komponenten für die Ausstattung des Lagers und der angrenzenden Büro-räume aus einer Hand«.

Weites Aufgabenfeld

Für den Staplerbauer Linde betreut Schrader ein Servicegebiet, das sich über Emmerich nahe der niederländischen Grenze bis nach Hamm im Wes- ten sowie von Bocholt im Norden bis nach Duisburg und Essen im Süden erstreckt. Innerhalb von 24 Stunden müssen Kundenwünsche erfüllt und 55 Lagerorte für Außendienstmonteure sowie 14 Werkstätten mit allem versorgt sein, was zur Wartung und Instandsetzung von rund 1.000 Gabelstaplern erforderlich ist. Darüber hinaus ist die Logistik-abteilung in der Essener Hauptniederlassung von Schrader für die Ersatzteilbeschaffung von 212 Lieferanten zuständig, für Wareneingang, Disposition, Fuhrpark- und Werkzeugverwaltung sowie für Ersatzteilbereitstellung und Versand. »Bei wachsender Produktpalette und gestiegenen Anforderungen an einen modernen Servicedienstleister waren Struktur und Lagerausstattung in Essen nach gut 35 Jahren nicht mehr zeitgemäß«, erläutert Thomas Hurdelhey, »Kommissionierprozesse und Reaktionszeiten waren zu lang.«
Im Frühjahr 2006 fiel die Entscheidung, die Lagerhaltung zu bündeln und das Lager in Essen bei laufendem Betrieb vollkommen neu zu gestalten. Dazu führte SSI Schäfer zunächst eine detaillierte Datenaufnahme und -analyse der Teilepositionen durch. Die Ist-Analyse ermittelte 10.500 zu lagernde Positionen, die sich in 8.800 Kleinteile für Schubladen, 1.400 mittelgroße oder paketierte Teile für Lagerwannen oder Fachböden sowie in 300 Groß- und Spezialteile wie Scheiben, Sitze, Gabelzinken und Hydraulikschläuche unterteilen. Nach Festlegung der künftigen Ersatzteilstruktur und Teilefamilien konnte SSI Schäfer mit der Fachverplanung beginnen. Um eine effiziente, wegeoptimierte Kommissionierung und die optimale Nutzung der möglichen Regalflächen zu erreichen, setzten die Intralogistik-Spezialisten von Schäfer auf das SSI-Kompaktlagerprinzip und eine Lagerung nach Locatoren. Dabei wird jedem Einzelteil aus dem vorhandenen Teilestamm ein fester Lagerort zugewiesen. Auch die Lagerplätze werden gekennzeichnet. Die Kennzeichnungssystematik wird auf den gegebenenfalls vorhandenen Nummernschlüssel abgestimmt und an das eingesetzte Warenwirtschaftssystem angebunden.
Bei Schrader ist das Lager in fünf Gänge unterteilt, die von einem durchgängigen Quergang getrennt sind. Daraus ergeben sich 17 Regalzeilen und eine sieben Meter lange Gitterwand für die Lagerung. Darüber hinaus sind ein 12 Meter langes Regal sowie ein Packtisch für Bereitstellung und Vorkommissionierung installiert. Zwei Gefahrstoffschränke zur Lagerung von Spraydosen und Reinigungsflüssigkeiten runden die Ausstattung ab. Mit der Locatorentechnik werden die verfügbaren Plätze in alphanumerischer Kennzeichnung nach Gängen, Regalfeldern, Schubladen und Einsatzkästen geordnet. So bedeutet die Lagerplatzkennung 01-A-08-K-3 bei Schrader, dass der zu kommissionierende Artikel in Gang 1, Regalfeld A, Schublade 08 zu finden ist. Da die Schublade mehrere Artikel enthält, ist sie unterteilt in Regalfelder (K) mit Einsatzkästen (3). Dort ist der Artikel dann zu entnehmen. Mit diesem Prinzip bietet die Locatorentechnik erhebliche Vorteile: kurze Laufwege, bis zu 50 Prozent verringerte Kommmissionierzeit und bis zu einem Drittel reduzierte Kommissionierkosten.

Deutliche Verbesserung

»Trotz erhöhten Bestands haben wir unsere Pickzeiten mit der Locatorentechnik, den strukturierten Prozessen und der neuen Lagerausstattung von 90 auf rund 160 Picks pro Tag gesteigert«, freut sich Lagerleiter Thomas Hurdelhey und fügt hinzu: »Die Versandbereitung konnte um den Faktor 10 gesteigert werden.« Die Systematik des von SSI Schäfer eingerichteten und übergebenen Lagers kann vom Anwender ohne zusätzliche Planungskosten auch auf hinzukommende Teilefamilien übertragen werden. Auch neue Lagerorte lassen sich eigenständig vergeben. Das sorgt für die nötige Flexibilität auch bei der Bewältigung künftiger Aufgaben.
»Eine gute Organisation ist das Grundgerüst für effiziente Abläufe im Lager«, erklärt der zuständige SSI-Schäfer-Verkaufsleiter Dirk Möllering, »mit der Locatorentechnik stellen wir dem Betreiber ein System zur Verfügung, das er flexibel weiterentwickeln und geänderten Geschäftsprozessen anpassen kann.«
Insgesamt liegt die Regallänge im neuen, knapp 2,50 Meter hohen Kompaktlager bei Schrader bei 250 Meter. Mit 320 Schubladen, 11.750 Einsatzkästen, 108 Lagerwannen, 580 Fachböden und mehr als 160 Spezialfachböden für Artikel bis 200 Kilogramm Gewicht ist das Lager jetzt auf eine Kapazität von 13.100 Artikeln ausgelegt. Das separate, allen Vorschriften entsprechende Gefahrgutlager ist mit Auffangwannen ausgestattet.

Optimale Abläufe

Eine Vorkommissionierzone mit Regalanlage für Bereitstellungsboxen, in der Auslieferungen von Montagekomponenten für Vor-Ort-Monteure vorkommissioniert, zwischengelagert und bereitgestellt werden können, sorgt für optimale Versandfertigung, effiziente Lager- und Kommissionierprozesse und schnellen Zugriff auf das Lagergut.
Mit seinem gegenwärtigen Ist-Bestand von 10.500 Positionen (davon 12 Prozent Schnelldreher, 30 Prozent mittelschnell drehende Artikel und 58 Prozent Langsamdreher) wird das Schrader-Lager in Essen inzwischen 3,4 Mal pro Jahr umgeschlagen.

Optionale Reserve

»Durch Einbindung eines Verschieberegals haben wir bei der Planung eine optionale Ausbaureserve der Lagerkapazitäten von weiteren 48 Regalmetern vorgesehen«, berichtet der zuständige SSI-Verkaufsleiter Dirk Möllering. Wenn Aufkommen und Artikelspektrum bei Schrader weiter wachsen, können die Kapazitäten des Zentrallagers in Essen damit auf fast 17.000 Artikellagerplätze erhöht werden.
Ein Verschieberegal hatten Wettbewerber von SSI von vornherein bei Schrader installieren wollen – »eine recht kostenintensive Lösung«, meint Lagerleiter Hurdelhey. »Die Alternative von SSI Schäfer, ein für den gegenwärtigen Bestand ausreichendes Kompaktlager mit Locatorentechnik zu installieren und das Verschieberegal als Erweiterungsoption einzuplanen, war für uns nicht nur kostengünstiger, sondern auch optimal auf unsere Anforderungen zugeschnitten.«
Innerhalb von vier Monaten nach der Auftragserteilung waren Umgestaltung und Neuausstattung des Kompaktlagers von Schrader abgeschlossen – bei laufendem Betrieb. »Mit der Locatorentechnik und der neuen Ausstattung von SSI Schäfer haben sich Wirtschaftlichkeit und Effizienz unseres Lagers deutlich erhöht«, resümiert Thomas Hurdelhey, »und das nach überschaubaren Investitionen und Wachstumsreserven für etwa fünf Jahre – damit sind unsere Ziele mehr als erfüllt.«
Heute zeigt sich das Kompaktlager von Schrader hell, sauber und übersichtlich – Attribute, die auch auf die an das Lager grenzenden Büroräume zutreffen. Die neue Ausstattung mit Komponenten aus dem SSI-Schäfer-Büromöbel-Programm – hierzu zählen das Tischsystem »Planova« sowie Elemente aus dem Schranksystem »Tetris« und dem Wandsystem »Pilos« – sorgt für Büroarbeitsplätze, die allen Anforderungen an zeitgemäßes, ergonomisches Arbeiten gerecht werden.<

www.ssi-schaefer.de

Ausgabe:
lj 06/2008
Unternehmen:
Bilder:

kommentieren drucken  


ANZEIGE

 

 
» Finden Sie weitere Fachartikel in unserem Artikelarchiv

  Jetzt Newsletter
abonnieren!


Aktuelle Ausgaben

Weltmarkt Flurförderzeuge

logistik journal: Weltmarkt Flurförderzeuge 2016

Video der Woche

 

ANZEIGE