21. APRIL 2018

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Hightech im Sand


Transportlogistik

Rally-Logistik: Vor und während der Rallye Dakar ist eine bis ins Detail geplante Logistik erforderlich, um die Teams mit Aussichtauf Erfolg auf die Piste zu schicken. Volkswagen zeigt, wies geht.

>Über 9.000 extreme Rallye-Kilometer durch trockene Wüsten, durch höchste Anden-Gebirge oder über hartes Geröll – die Rallye Dakar 2009, die erstmals durch Argentinien und Chile führt, gilt nicht nur für die vier werksseitig eingesetzten Race Touareg 2 und ihre Besatzungen als die größte Herausforderung im Motorsport. Neben den sportlichen Prüfungen muss das gesamte Volkswagen-Team auch eine komplexe logistische Herausforderung meistern. Etwa 50 Tonnen Ersatzteile, Werkzeuge und Ausrüstung sowie Ingenieure und Techniker müssen täglich vor dem Eintreffen der Race Touareg im Zielort ankommen, um eine effektive und zuverlässige Betreuung zu ermöglichen. Dabei hat die Service-Crew während der Rallye, die sie fast jeden Abend an einen anderen Ort führt, auch selbst einen Marathon zu bewältigen.
»Die Planung für die kommende Rallye Dakar hat unmittelbar nach der vergangenen begonnen. Nach der ›Dakar‹ ist eben vor der ›Dakar‹, so Paco Crous, im Volkswagen-Team für die Logistik verantwortlich. »Die Service-Autos müssen vorbereitet werden, Zeitpläne erstellt sowie Unterbringung und Reise-Routen geplant werden. Eine große Herausforderung bei der neuen ›Dakar‹ ist unter anderem, dass die Trucks schon im November verschifft, aber erst Ende Dezember vor Ort von uns übernommen werden.«
Nach zuvor 29 Ausgaben durch Afrika – zumeist mit Start in Europa – beginnt und endet die Rallye Dakar 2009 erstmals in ihrer Historie in Buenos Aires und führt über eine Schleife, die zweimal die Anden überquert, durch Argentinien und Chile. Für die Logistiker bedeutet das eine neue Aufgabe. Bevor die vier Race Touareg 2 am 3. Januar über die Startrampe rollen, muss die komplette Flotte samt Equipment nach Südamerika verschifft werden.

Der Tross gilt als Teilnehmer

Die MAN-Service-Trucks und die weiteren Begleitfahrzeuge, in der Mehrzahl speziell aufgebaute Volkswagen Touareg, gelten als echte Rallye-Teilnehmer und durchlaufen deshalb vor der Verschiffung im französischen Le Havre eine eigene technische Abnahme mit anschließendem Parc Fermé. Erst am 30. Dezember stehen die Fahrzeuge dem Team wieder zur Verfügung, wenn zusätzlich Zoll und Einreise erfolgreich absolviert sind. Damit verlagert sich auch ein wichtiger Teil des logistischen Aufwandes – verglichen mit den Vorjahren – nach vorn: Die Beladung der Service-Trucks, die neben Ersatzteilen auch Ausrüstung und Werkzeuge transportieren, muss zu diesem Zeitpunkt voll und ganz abgeschlossen sein. »Es ist nicht erlaubt, während der Rallye Ersatzteile nachzuliefern, deshalb muss alles perfekt geplant und verladen sein, bevor die Trucks in Le Havre an Bord des Schiffs gehen«, erklärt Lutz Meyer, Koordinator für Trucks und Equipment.

Mobiler Werkstatt-Service

Vier MAN-Trucks des Typs TGA 6x6 als Service-Trucks, drei MAN-Equipment-Trucks 6x6 sowie ein mobiler Ersatzteildienst für die Service-Fahrzeuge (4x4) sind für Volkswagen bei der Rallye Dakar 2009 im Einsatz. Sie dienen während des zweiwöchigen Marathons als mobile Werkstatt für die allabendliche Routine-Überprüfung der vier Race Touareg. Neben üblichen Verschleißteilen wie Reifen, Bremsscheiben und -belägen liegen alle wichtigen Ersatzteile griffbereit, denn jede ›Dakar‹ bietet unvorhergesehene Situationen, für die sich das Volkswagen-Team gerüstet hat. Zusätzlich führen die Trucks neben der persönlichen Ausrüstung der Mechaniker jeweils eine Auswahl spezieller Werkzeuge mit – eine bestens sortierte Werkstatt, die wüstentauglich ist. Die Equipment-Trucks dienen zusätzlich als Ersatzteillager, bei denen die Service-Trucks selbst nachfassen können. Darüber hinaus führen sie alles Nötige für das Biwak mit: von diversen Zelten über eine kompakte Küche bis hin zu zwei Duschen für die Teammitglieder. Jeden Abend wird im Etappenziel das Volkswagen-Biwak mit wenigstens 40 mal 55 Meter Größe abgesteckt und aufgebaut. Dann bilden die vier Service- und die Equipment-Trucks auf 2.200 Quadratmetern eine Wagenburg, die nur auf eines ausgerichtet ist: nämlich darauf, die optimale Wartung der vier Race Touareg 2 zu ermöglichen.

Energie für vier Einfamilienhäuser

Neben den Service-Plätzen, die mit Wagenhebern, Unterstellböcken, Unterlegplanen und stabilen Tischen vorbereitet werden, baut die Mannschaft mobile Büros in Zelten für die Ingenieure einerseits und einen Bereich für die Verpflegung der Crew andererseits auf. Die Stromversorgung übernehmen insgesamt fünf Aggregate, vier davon in den Service-Trucks. Zusammen liefern sie 88 Kilowatt Energie – genug, um die Anschlussleistung für vier Einfamilien-häuser zu gewährleisten. Ein Teil davon wird direkt in Licht umgewandelt. Ein Beleuchtungsballon mit 2,2 Meter Durchmesser in der Mitte des Biwaks sowie optional vier kleinere Ballons auf den Service-Trucks sorgen für ausreichend Sicht der Mechaniker bei ihren nächtlichen Routine-Arbeiten an den Rallye-Autos.
Nach der Teilnahme am zweiten Lauf zur Dakar-Serie in Portugal im September fiel der Startschuss zur endgültigen Beladung der Service- und Equipment-Trucks. Jeder der Lkws durchlief zuvor bei MAN eine ausführliche Inspektion und wurde von Michelin für die mehr als 10.000 Kilometer lange Service-Route neu bereift.

Sorgfältige Überprüfung

Anschließend wurden die Sicherheits-Sys-teme oder die vom Veranstalter A.S.O. vorgeschriebenen Tripmaster für die Navigation gecheckt. Jeder der Teile-Transporter durchlief eine sorgfältige Inventur. Werkzeuge und Ersatzteile sowie neue Komponenten wurden aufgestockt. Die bis zu 22 Tonnen schweren Equipment-Trucks erhielten vor der Abreise zur Verschiffung in Le Havre die medizinische Ausrüstung des Teamarztes sowie letzte Vorräte für die Teamverpflegung durch den Koch.<

www.volkswagen-motorsport.com

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