22. JANUAR 2018

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Alle Bewegungen fest im Blick


Praxis Mit einer neuen Tracking & Tracing-Lösung kann ein marokkanischer Automobilzulieferer den Lieferzustand seiner Rohmaterialien nicht nur sehen, sondern beeinflussen. Eingesetzt wird die Software bei der Spedition Benntrans.

Karl-Heinz Kloeser ist kein einfacher Kunde. Der Inhaber der Spedition Benntrans aus Empfingen hat »immer Sonderwünsche, die außerhalb jeder Standardlösung liegen«, so der Unternehmer über sich. Beispiele dafür finden sich unter anderem in dem großen Fuhrpark seiner schwäbischen Firma. Tanks mit mehr als 1.000 Liter Fassungsvermögen und Sattelzugmaschinen mit Aufsattelhöhen von 950 Millimetern sind bei den rund 100 ziehenden Einheiten nicht außergewöhnlich. Auch die Suche nach passender Speditions-Software war für den im Ladungsverkehr aktiven Logistikdienstleister eine besondere Herausforderung. »Die meisten Standardpakete sind für unsere Prozesse nicht geeignet und viel zu sehr auf Stückgut ausgerichtet«, so Kloeser, für den eine individuelle Programmierung aus Kosten- und Zeitgründen nicht in Frage kam. Nachdem sich ein anderer Kooperationspartner im Lauf der Zeit als zu unflexibel erwiesen hatte, wechselte Benntrans 2004 zur Speditions-Lösung »M3« des Dresdner Anbieters Dr. Malek Software. »Die dortigen Programmierer sind offen auf unsere Vorstellungen eingegangen«, erinnert sich Kloeser, der sein Unternehmen vor 40 Jahren gegründet hat. Zu den Anforderungen an Dr. Malek gehörten zum Beispiel weitreichende, detaillierte Auswertungen über die Auslastung und die Kosten des Fuhrparks, die über den Standard in M3 hinausgehen.

Hohes Zahleninteresse

»Wir müssen genau nachvollziehen, wie viele Aufträge pro Fahrzeug und Monat gelaufen sind«, sagt Peter Hartmann, der bei Benntrans den Bereich Controlling verantwortet. Das Interesse an Zahlen hängt bei Benntrans mit den Anforderungen der Kunden zusammen, die größtenteils aus der Automobilindustrie stammen. »Die exakten Werte aus M3 sind die Voraussetzung für die oft harten Preisverhandlungen mit den Zulieferern«, so Kloeser. Letztlich fordert der Automotive-Sektor in jedem Jahr deutliche Produktivitätssteigerungen von seinen Lieferanten. Neben genau dokumentierten Kosten will der Spediteur seine Kunden aber vor allem mit Service überzeugen. Benntrans hat sich dabei auf Lohnveredelungsverkehre zwischen Europa und Nordafrika spezialisiert. Halbfertigprodukte, Module und Rohmaterialien werden aus Ländern wie Irland, Polen oder der Slowakei importiert und zur Weiterverarbeitung nach Tunesien, Marokko oder neuerdings auch nach Ägypten gebracht – alles per eigenen Lkw.

Interaktive Lösung

Auf dem Rückweg übernimmt Benntrans den Transport der Fertigwaren nach Europa. Seit 2007 bietet das Unternehmen für das marokkanische Montagewerk des Kabelbaum-Fabrikanten Sumitomo eine interaktive Tracking & Tracing-Lösung. Sie trägt den Namen »M-Tracing read/write« und nutzt die in M3 erfassten Sendungsdaten der rund 30 Lieferanten. Dr. Malek hat diese spezielle Applikation für den Spediteur auf Basis seines M-Tracing-Standards entwickelt und damit die Prozesse bei Benntrans und Sumitomo wesentlich vereinfacht. Sobald in M3 Sendungsdaten für Waren nach Marokko vorliegen, sind sie für Sumitomo auf Basis eines Zugriffs-Berechtigungskonzeptes nicht nur abrufbereit, sondern auch veränderbar. Die Produktionsplanung in Nordafrika kann so via Internet die bereitstehenden Kontingente verwalten und verschiedene Prioritäten oder den Status vergeben.

Klare Dokumentation

Die aktualisierten Daten werden nahezu in Echtzeit an M3 zurückübertragen und bilden bei Benntrans die Grundlage der Disposition. »Sendungen mit Priorität 1 werden zuerst verladen und der ebenfalls mögliche Status ›Sonderfahrt‹ löst zum Beispiel eine Beförderung per Luftfracht aus«, berichtet Michael Clemenz, bei Benntrans verantwortlich für die IT-Abteilung. Auch jede weitere Statusänderung wird für Sumitomo durch M-Tracing dokumentiert. So können die Produktionsplaner am Standort Tanger sofort sehen, ob die priorisierten Sendungen disponiert, verladen oder bereits ausgeliefert werden. Eine weitere von Dr. Malek programmierte Schnittstelle zum Telematiksystem Qualcomm sorgt dabei für die genauen Positionsdaten der betreffenden Lkw. »Mit diesem weitgehend automatisierten System haben wir ein aufwändiges Abstimmungsverfahren mit Excel-Tabellen, Listen und Faxen abgelöst«, stellt Benntrans-Inhaber Kloeser fest und ergänzt: »Für uns und unseren Kunden bedeutet das eine wesentliche Erleichterung.« Auch die Benntrans-Niederlassung in Tunis profitiert bereits von M-Tracing. Vor allem bei Verzollungen ist es eine große Hilfe, denn zu jeder Sendung kann der komplette Vorgang mit allen Rechnungen im Internet abgerufen werden. Verständlich also, dass Karl-Heinz Kloeser Zug um Zug auch seine übrigen Kunden für das System begeistern möchte.
www.dr-malek.de

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