18. JANUAR 2018

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Clever kommissionieren


<strong>Praxis</strong> Für die rasche Belieferung ihrer Webshop-Kunden folgt Ernsting’s Family in ihrem Coesfelder Distributionszentrum einem klugen Intralogistik-Konzept. Realisiert wurde das innovative Logistik-Projekt von Lunzer + Partner.

Nahezu lautlos bewegen sich die handgeführten Kommissionierwagen durch die schmalen Regalgänge des Direktkundenlagers. Rund 8.000 verschiedene Textilien, Spielwaren und Accessoires lagern hier in Mengen, die sich der Verbraucher kaum vorstellen kann – tausende Kartons in endlosen Gängen. Die Kommissionierung der Artikel erfolgt beleglos. Dabei weiß jeder Mitarbeiter genau, was er zu tun hat. Reibungslos, weil wege- und auftragsoptimiert, werden pro Kommissionierer bis zu 16 Bestellungen parallel abgearbeitet. Die jeweiligen Pickpositionen, Artikelbezeichnungen und Mengen lesen die Lagerarbeiter von den Displays ihrer Tablet-PCs ab. Nach dem Greifvorgang bestätigen sie den entnommenen Artikel per Barcode-Scan und legen ihn in einem angezeigten Fach ihres Rollwagens ab.

Via Datenfunk, also ohne Verzögerung, werden die Auftragsdaten in Logstar, der Standardsoftware von Lunzer + Partner, fortgeschrieben. Aus dem Warehouse Management System (WMS) wird am Ende einer Kommissionierung pro Auftrag automatisch ein kombinierter Versand-/Rechnungs- und Rücklieferbeleg ausgegeben. So erreicht man, dass die bestellte Ware zeitnah nach Auftragseingang an den Kunden versendet werden kann.

»Attraktive Mode und Accessoires für die ganze Familie zu einem günstigen Preis« – so lautet der Anspruch, den die Ernsting’s Family GmbH & Co. KG an sich selbst stellt. Mit 7.000 Mitarbeitern und mehr als 1.350 Filialen zählt das im Jahr 1968 gegründete, in Coesfeld-Lette ansässige Unternehmen zu den führenden deutschen Textilketten. Das Sortiment der Ernsting’s Family beschränkt sich nicht nur auf Mode und Accessoires. Auch Spielwaren, Bett- und Tischwäsche sowie Küchen- und Badartikel werden angeboten. Um Qualitätsstandards und Marktposition aufrechterhalten zu können, nutzt das Unternehmen neue Technologien. Im Online-Shop etwa kann das aktuell beworbene Filial-Sortiment auch über das Internet bezogen werden.

Rasch wachsender Erfolg

Für die Webshop-Distribution wurde ein separates Lager mit einer Fläche von 3.500 m2 eingerichtet. Der rasch wachsende Erfolg – heute werden mehr als 500.000 Pakete im Jahr verschickt – zeigte, dass mit der herkömmlichen Einzelkommissionierung die steigenden Anforderungen nicht mehr bewältigt werden konnten.

»Im Versandhandel weicht die Bestellstruktur erheblich von der des Filialgeschäfts ab. Hier haben wir eine Vielzahl von Bestellungen mit niedrigen Stückzahlen. Eine Einzelkommissionierung ist also kaum praktikabel«, erklärt Frank Wieschhörster, Abteilungsleiter Webshop-Kommissionierung. Es stellte sich also die Frage, wie sich der Kommissioniervorgang verbessern lassen konnte, ohne dabei die Servicequalität zu gefährden.

Zielführendes Konzept

In Zusammenarbeit mit dem Logistikberater LS Consult aus Nordhorn wurde ein Konzept entwickelt, das die zeitgerechte Abarbeitung des stetig wachsenden Artikel- und Auftragsvolumens gewährleisten konnte. Für die Realisierung wurde das Softwarehaus Lunzer + Partner (auf der Logimat in Halle 5, Stand 231) hinzugezogen. Mit den auf Software und Dienstleistungen für die Intralogistik spezialisierten Experten aus Alzenau/Unterfranken hatte Ernsting’s Family bereits in seinem Vertriebscenter in Klieken zusammengearbeitet: Das dortige Hochregallager wird mit dem Lagerverwaltungssystem Logstar geführt.

Die guten Erfahrungen führten dazu, dass Ernsting’s Family sich auch mit der Webshop-Aufgabe an Lunzer + Partner wandte. Für das Distributionslager empfahlen die Experten das Modul »Beleglose Kommissionierung« des Systems Logstar, das die parallele Kommissionierung mehrerer Aufträge ermöglicht. »Logstar erfüllte alle Voraussetzungen, die wir an das System stellten, und wartete darüber hinaus mit pfiffigen Detailvorschlägen zur Straffung der logistischen Prozesse auf«, begründet Frank Wieschhörster die Entscheidung zugunsten des Systems von Lunzer + Partner. Wichtig auch: Die Anbindung von Logstar an das Warenwirtschaftssystem von Ernsting’s Family ging einwandfrei über die Bühne.

Verfahrbare Rollwagen

Zu den Details des Projekts: Für die Kommissionierung in den schmalen Regalgängen mit 15.000 Kartonplätzen sind leicht verfahrbare Rollwagen im Einsatz, die für die Parallelkommissionierung mit bis zu 16 verschieb- und kombinierbaren Fächern für die einzelnen Aufträge ausgestattet wurden. Zur mobilen Datenkommunikation zwischen Kommissionierer und WMS sind die Rollwagen mit Aufnahmevorrichtungen für spezielle Tablet-PCs versehen. Dadurch ist es leicht möglich, nach der Abarbeitung des Auftragspaketes für bis zu 16 Kunden den Rollwagen am Versand abzustellen und den Tablet-PC für das nächste Auftragspaket an einen freien Rollwagen anzuhängen.

Im Zuge der Installation von Hard- und Software brachte Lunzer + Partner auch die Funk-Infrastruktur im Webshop-Lager auf den neuesten Stand. Sieben neue Access-Points sorgen dafür, dass die optimale Datenfunkabdeckung gegeben ist und mehr als 25 Kommissionierer zur gleichen Zeit ihrer Arbeit nachgehen können.

Wegeoptimiertes Arbeiten

Nachdem die Ware vom Distributionszentrum in das Direktkundenlager geliefert worden ist, wird sie in Logstar registriert, einem bestimmten Lagerplatz zugewiesen und zur Kommissionierung freigegeben. Dazu meldet sich der Mitarbeiter über seinen am Kommisionierwagen angebrachten Tablet-PC im System an. Daraufhin gibt ihm das WMS die wegeoptimierten Kommissionieraufträge. Bevor jedoch der eigentliche Kommissioniervorgang anläuft, muss der zuständige Mitarbeiter noch die Fächer im Wagen anordnen. Anhand des Gewichts und der Abmessungen der zu kommissionierenden Ware errechnet Logstar, wie viele Fächer des Wagens für eine Bestellung benötigt werden.

Durchdachte Abläufe

Die optimale Anzahl bzw. Anordnung der Fächer werden dem Kommissionierer auf dem Farbdisplay des Tablet-PCs angezeigt. Nachdem der Mitarbeiter die Vorgaben von Logstar bestätigt hat, beginnt der Kommissioniervorgang. Der Mitarbeiter wird zur Ware geführt und nimmt den angezeigten Artikel aus dem Karton im Regal. Durch das Scannen des an der Ware angebrachten Barcodes wird die Richtigkeit bestätigt, und es wird angezeigt, in welches Fach des Kommissionierwagens welche Menge gehört.

Automatischer Belegdruck

Nach Bestätigung der ordnungsgemäßen Verteilung wird die Entnahme gebucht, und der nächste Entnahmeplatz wird angezeigt. Sind alle Kommissionieraufträge abgeschlossen, bringt der Mitarbeiter den Kommissionierwagen in die Packzone. Für die Aufträge auf dem Rollwagen werden dort automatisch Belegsätze ausgedruckt, die gleichzeitig auch Lieferschein, Rechnung, Versandaufkleber und Rücklieferschein beinhalten. An einem Packtisch wird die Ware abschließend zusammen mit den Belegen verpackt und versandfertig gemacht.

Die Vorteile des neuen Systems liegen auf der Hand. Die parallele Bearbeitung von bis zu 16 Bestellungen ist äußerst effizient. »Hinzu kommt«, so der Webshop-Experte Frank Wieschhörster, »dass nach Werbeschaltungen die Bestellungen drastisch ansteigen. Die zeitnahe Bewältigung der Aufträge durch Einzelauftragskommissionierung wäre dann überhaupt nicht mehr möglich.« Durch den Einsatz von Logstar und die parallele Kommissionierung mehrerer Aufträge kann Ernsting’s Family sicherstellen, dass auch hohe Volumina und Peaks schnell und sicher bewältigt werden. Das Direktkundenlager des Unternehmens ist für den Versand von zwei Millionen Paketen pro Jahr ausgelegt. Wegen der klar erkennbaren Vorteile des neuen Systems ist auch die Akzeptanz bei den Mitarbeitern sehr hoch. Das nutzerfreundliche, übersichtliche Display und die verkürzten Wegelaufzeiten erleichtern die Arbeit der Kommissionierer erheblich. Aber nicht nur für Ernsting’s Family selbst ist Logstar von Vorteil.

Hoher Nutzen für alle

Auch die Kunden profitieren von der neuen Technik. Dietmar Bollmann, Geschäftsführer Logistik und Betriebe bei Ernsting’s Family: »Mit dem System können wir unseren Webshop-Kunden eine hohe Artikelvielfalt bieten, ohne das Lager ausbauen zu müssen. Außerdem ist gewährleistet, dass die Kunden die bestellte Ware so schnell wie möglich bekommen und die Fehlerquote auf ein Minimum reduziert wird.«

www.lp-gmbh.org

Ausgabe:
lj 01/2009
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