20. APRIL 2018

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Präzise Power


Projekte Ein neu gebautes Versandlager für Papierrollen ist von Demag Cranes & Components mit sieben automatischen Prozesskranen ausgestattet worden. Das Lager im Nordwesten der Türkei nimmt die großvolumigen Rollen auf, die mit einer neuen Papiermaschine produziert werden. Demag sorgt für präzise Abläufe.

Die Krane in dem nordwesttürkischen Lager arbeiten mit einer hohen Taktfrequenz, um die zügige und effiziente Ein- und Auslagerung der Papierrollen zu bewältigen. Bei einer Lagerkapazität von mehr als 70.000 Tonnen Papier ist der Bau in der Türkei das größte neu gebaute Versandlager der Welt. Zum Lieferumfang, den Demag Cranes & Components gemeinsam mit der langjährigen Vertretung Genel Makina über die sieben Prozesskrane hinaus realisiert hat, gehört die komplette Lagerverwaltung sowie die Ansteuerung des Rollentransportsystems. Auch die neu installierte Papiermaschine wurde mit Demag-Technik ausgestattet. Mit dem Großprojekt stärkt Demag Cranes & Components seine Präsenz in der Türkei und unterstreicht zugleich seine Spitzenstellung als Spezialist für fördertechnische Branchenlösungen.

In Corlu, 180 Kilometer westlich von Istanbul, produziert Modern Karton »Sanayi Tica¬ret«-Papiere für die Herstellung von »Liner« und »Corrugating Medium«. Das Unternehmen bildet den umsatzstärksten Geschäftsbereich der Eren Holding, die auch in den Branchen Textil, Zement und Energie aktiv ist. Mit der Papiermaschine PM 4 konnte Modern Karton seine Jahreskapazität um 400.000 Tonnen auf über 700.000 Tonnen ausbauen. Damit steigerte der Papierproduzent seinen Anteil im türkischen Markt auf über 50 Prozent und rückte unter die Top Ten der europäischen Hersteller dieses speziellen Papiertyps auf.
Die neue Produktionsmaschine stellt Testliner und »Corrugating Medium« mit einem Flächengewicht von 70 bis 130 g/m² her, das zu 100 Prozent aus Altpapier besteht. Damit bedient Modern Karton die wachsende Inlandsnachfrage und exportiert darüber hinaus in andere europäische Staaten.

Im Produktionsbereich der Papiermaschine PM 4 installierte Demag Cranes & Components zwei Prozesskrane mit einem Spurmittenmaß von 28,9 m. Die beiden Laufkrane wurden bereits zu einem frühen Zeitpunkt geliefert, um für den Aufbau der Papiermaschine eingesetzt zu werden. Sie verfügen über jeweils zwei MPW-Hubwerke mit Traglasten von 120/60 t im Nassbereich und 60/60 t im Trockenteil sowie über zusätzliche Hilfshübe. Der Kran am Trockenteil übernimmt die Rückführung der Leertamboure und wird auch für die temporäre Auslagerung der Volltamboure mit 8,60 m langen Rollen genutzt. Beide Laufkrane werden für die Arbeiten bei Reparatur und Wartung eingesetzt.

Aufgrund der hohen Produktionskapazität der PM 4 von 400.000 Tonnen pro Jahr war die Lagerung in einem manuellen Lager nicht mehr effizient zu realisieren gewesen. So entschied man sich für ein automatisches Lager mit Kranen. Zudem nimmt das Lager die Papierrollen der PM 3 auf, die mit einer Jahresproduktion von 200.000 Tonnen die zweitgrößte Papiermaschine des Landes ist. Damit waren von Beginn an für das Lager hohe Umschlagzyklen gefordert. In Spitzenzeiten müssen stündlich bis zu 206 Rollen bewegt werden. Demag Cranes & Components wird diesen hohen Ansprüchen mit sieben baugleichen Automatikkranen gerecht, die – 24 Stunden täglich – Hubgeschwindigkeiten von 70m/min und Kranfahrgeschwindigkeiten von 120 m/min erreichen.
Neben der Lieferung der Krananlagen, hat Demag Cranes & Components die Installation der kompletten Lagerverwaltung übernommen, und zwar einschließlich der Koordinierung des Transportsystems. Dazu wird das Lagerverwaltungssystem direkt an den firmeneigenen Hostrechner und das Produktionsmanagementsystem angebunden. Aus diesem System erhält der Demag-Lagerverwaltungsrechner alle produktionsrelevanten Daten.
Nach dem Umroller werden die einzelnen Rollen automatisch vermessen und mit einem Label versehen. Die Messdaten verschickt die Station direkt an das Demag-Lagerverwaltungssystem. Über eine Förderstrecke auf dem Höhenniveau der Papiermaschine werden die Rollen zunächst liegend zum benachbarten Lagerkomplex transportiert. Dieser besteht aus drei nebeneinander liegenden Hallenbereichen von 127 m Länge und 35 m Breite.
Die Lagerverwaltungssoftware bestimmt den Lagerplatz in den einzelnen Sektionen der Lagerbereiche und lotst die Rollen durch eine der zwei Eingangsschleusen an der Längsseite des Lagers. Nach dem Aufstellen in Vertikalposition über einen Kippmechanismus werden die Rollen weiter bis zum Übergabepunkt der Krananlage transportiert.

Parallele Förderstrecken
Zwei parallele Förderstrecken durchqueren die drei Lagerbereiche für den Rollentransport. Parallel zu diesen Linien verlaufen Stichbahnen zu den definierten Ein- und Auslagerungspunkten, die über Shuttle-Fahrzeuge mit der Hauptstrecke verbunden sind. Dort treten die Zweiträgerkrane (ZKKW) in Aktion, die in den drei Hallenschiffen des Lagers installiert sind. Die Krane verfügen über Spannweiten von jeweils 32,63 m und sind ausgerüstet mit Windwerken (Typ MPW) und Vakuumhebern.
In den beiden ersten Hallenschiffen verfahren jeweils zwei Krane auf einer Bahn mit überlagernden Fahrbereichen. Im dritten Hallenschiff installierte Demag Cranes & Components drei Krane, von denen der mittlere für die Ein- und Auslagerungen auftragsabhängig zwei Punkte anfahren kann. Für die exakte Positionierung bei Kran- und Katzfahrten wurden sämtliche Krane mit Laser-Wegmess-Systemen ausgerüstet, die zugleich für eine sichere Distanzierung der Krane untereinander sorgen. Nach der Positionierung der Krane über den Einlagerungspunkten geht alles sehr schnell: Das Lastaufnahmemittel wird abgesenkt, und für das Ansaugen der Papierrolle benötigt der Vakuumheber nur eine Sekunde.
Die Prozesskrane nehmen die unterschiedlichen Papierrollen mit einem Durchmesser bis 1.500 mm, einer maximalen Breite von 3.300 mm und einem Gewicht bis 4.900 kg auf und stapeln sie vertikal zu Rollentürmen von 15 m Höhe. Durch die materialschonende Aufnahme mit Vakuumhebern von oben können die Rollen platzsparend eingelagert werden. Die Lagerfläche auf Bodenniveau – rund 7 m unterhalb der Fördertechnik – wird durch die Anordnung als Dreiecksraster optimal ausgenutzt. Das gesamte Lager mit einer Größe von fast 13.000 m² ist ausgelegt für 4.887 Rollenstapel und erreicht bei einem theoretischen Befüllungsgrad von 100 Prozent eine Gesamtkapazität von 77.850 Tonnen. Ermittelt die Kontrollstation bei Abmessung oder Gewicht nicht konforme Daten, wird die entsprechende Rolle durch die Lagerverwaltung direkt ausgeschleust. Auch die Rollen mit Gewichten > 5 t werden direkt zum manuell betriebenen Lager durchgeleitet.

Spezifische Strategien
Das Demag-Lagerverwaltungssystem verfügt über anlagenspezifische Lagerstrategien, die vom Kunden über Visualisierungsmasken eingerichtet werden können. Dafür drei Beispiele: Bei der kommissionsgebundenen Einlagerung verteilt die Demag-Lagerverwaltung die Bestandteile einer Kommission auf mehrere Lagerzonen. So können bei der Auslagerung alle Krane gleichzeitig die Papierrollen in kürzester Zeit für den Versand bereitstellen. Bei der Optimierung der Fahrwege entscheidet der Demag-Lagerverwaltungsrechner vorausschauend, welcher Fahrauftrag an welchen Kran vergeben wird. Wartezeiten werden auf diese Weise weitgehend vermieden. Bei der Versandvorbereitung wird ebenfalls keine Zeit verloren. In den Phasen ohne Versandtätigkeit übernehmen die Krane die Vorbereitung der Auslagerungsaufträge für den folgenden Tag und positionieren die dafür bestimmten Rollen bereits in der Nähe der Auslagerungspunkte.
Bei einem Auslagerungsauftrag transportiert der Kran die Rollen zu den Auslagerungsstationen. Von dort führt die Fördertechnik die Rollen über Förderbahnen per Aufzug zu der auf Bodenniveau gelegenen Versandzone, wo sie kommissionsgebunden bereitgestellt werden.

Kluge Korrespondenz
Das Demag-Lagerverwaltungssystem ist mit dem Managementsystem vernetzt und korrespondiert dazu mit einzelnen Anlagenkomponenten-Hostrechner: Austausch der Rollendaten in Soll/Ist, Rollenbewegungen, Ladelisten/Transporteinheiten. Papierlager: Verwaltung der Lagerbereiche im Automatiklager, Verwaltung der Lagerbereiche im manuellen Lager, optimierte Lagerstrategien. Krantechnik: Ansteuerung der sieben Automatikkrane, Ein- und Auslagerungsvorgänge. Terminals: Ladelisten, permanente Inventur, Systemstatus, Visualisierung, rollenspezifische Informationen. Fördertechnik: Übergabemeldung, Zielvorgabe für jede Papierrolle, Ansteuerung von Waage, Inkjet-Drucker, Vermessung. Etikettierstationen: Systemstatus, Rollendaten.
Die Inbetriebnahme der Krantechnik in Corlu hat Demag Cranes & Components in enger Zusammenarbeit mit dem langjährigen türkischen Partner Genel Makina aus Istanbul durchgeführt, der bereits die Montage der Bahnen sowie die mechanische Installation der Krane übernommen hatte. Durch die Lieferung von Krananlagen und Lagerverwal-tungssoftware aus einer Hand hatten die offenen Schnittstellen schon in der Planungsphase schnell geklärt werden können. Im Zuge der Erarbeitung geeigneter Ein- und Auslagerungsstrategien wurde ein schlüssiges Konzept gefunden, um die hohen Ansprüche an die Anlage-Performance in vollem Umfang erfüllen zu können. So konnte das gesamte Lager bereits nach einer kurzen Start-up-Phase an Modern Karton übergeben werden.

Überzeugendes Konzept
Bei der Vergabe des Auftrags war für Modern Karton ausschlaggebend gewesen, mit einem international agierenden Partner zusammenzuarbeiten, der über weitreichende Referenzen verfügt. Mit einem weltweiten Bestand von mehr als 30 automatischen Papierlagern, in denen über 80 Krananlagen installiert sind, und einem schlüssigen Konzept für das Lager in Corlu hatte Demag Cranes & Components den Kunden überzeugen können.

www.demagcranes.de

Ausgabe:
lj 04/2009
Unternehmen:
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