20. APRIL 2018

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Viel Hub-Raum bei BMW


Markt

Praxis Bei BMW sind Spitzenleistungen gefordert – auch was Materialhandling und Materialfluss angeht. Damit die Prozesse problemfrei verlaufen, nutzen die Autobauer Technologie von Demag Cranes & Components.

Bei BMW in München sind acht Pressenstraßen installiert, auf denen täglich rund 600 Tonnen Stahlbleche verarbeitet und mehr als 130.000 Karosserieteile produziert werden. Zum Presswerk II gehört das Gebäude 154, das im Laufe der letzten Jahre vier neue Prozesskrane erhielt. Die bisherige Bekranung mit Maximalgewichten von jeweils 40 Tonnen war den Anforderungen nicht mehr gewachsen, da durch die stetigen Modernisierungsprozesse an den Pressen die Gewichte der einzelnen Werkzeuge immer schwerer wurden – ein Komplettaustausch der vier Krananlagen wurde notwendig. Oberste Priorität hatte dabei die Erhöhung der Traglasten auf 50 Tonnen. Zudem mussten die Krane in der Lage sein, eine Vielzahl von Aufgaben zu erfüllen, die sie zu echten Allroundern machen sollten: vom Werkzeugwechsel über die Beschickung der Pressenstraßen und Coil-Anlagen bis zu Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten.

Straff organisierte Prozesse

Das Presswerk II besteht aus zwei parallelen Hallenschiffen von rund 150 m Länge. Während im Bereich Süd zwei Pressenstraßen installiert sind, arbeiten im Hallenschiff Nord eine Pressenstraße und drei Coil-Anlagen. In beiden Hallenschiffen laufen jeweils zwei Zweiträger-Laufkrane mit einem Spurmittenmaß von 23,5 m. Durch die begrenzten Flächen im Stadtgebiet von München werden die Rohmaterialien außerhalb des BMW-Areals gelagert. Dazu wird das Presswerk just in time beliefert, sodass lediglich der Zweitagesbedarf auf Stellplätzen nahe den Bandanlagen vorgehalten wird. Die tägliche Anlieferung der Coils erfolgt am Ende der Hallen. Über eine Verladeöffnung nehmen die Krane aus dem Hallenschiff Nord das Material mit Coil-Zangen aus der sechs Meter tiefer gelegenen Erdgeschoss-Ebene auf und transportieren es direkt zu den bereitgestellten Lagerplätzen. Von dort erreicht das Rohmaterial auf kürzestem Wege die Maschinen. Beide Krane werden wahlweise per Funk oder aus der Kabine gesteuert. Die zusätzliche Investition in eine vollklimatisierte Kabinenkanzel wird mit Sicherheitsaspekten begründet.

Sicheres Handling zu jeder Zeit

Die uneingeschränkte Sicht aus der an einem der Kranträger frei verfahrbaren Kabine ermöglicht dem Kranbediener einen Überblick über sämtliche Pressenstraßen. Von der Kabine aus kann er die teils engen Gassen, an denen die Werkzeuge abgesetzt werden, optimal im Blickfeld behalten. So führen die Werkzeugwechselsysteme der im Hallenschiff Süd installierten Pressenstraße in den Bereich Nord. Um in dem schmalen Streifen zwischen Presse und Hallenstützen die Werkzeuggewichte sicher handhaben zu können, wurde die Konstruktion der 50-Tonnen-Katze zusätzlich optimiert. Ziel war, das Anfahrmaß der Katzen den baulichen Gegebenheiten anzupassen. Für die Antriebe der Kran- und Katzfahrten sowie für die Hubwerke sind Frequenzumrichter eingesetzt. Notwendige Sicherheitseinrichtungen wurden bereits in der Planungsphase mit einbezogen. Neben der optischen Distanzierung untereinander erhielten die beiden Krane im Hallenschiff Nord Umfahrsteuerungen für Bereiche, in denen eine Überfahrt mit der Kabine oder mit abgesenkter Last ausgeschlossen ist. Dazu gehört auch ein Halbportalkran, der im Westteil des Presswerks unterhalb der 50-Tonnen-Krane verfährt. Hier wurde eine Absicherung gegen Kollision eingebaut. Im benachbarten Hallenschiff Süd wurde eine Umfahrsteuerung für ein Hochregallager eingerichtet, das mehr als acht Meter in den Kranfahrweg hereinragt.

Gestiegene Anforderungen

Die zeitgerechte Versorgung der Pressenstraßen mit den nötigen Werkzeugen ist eine wesentliche Aufgabe der vier Laufkrane. Für die Werkzeuge mit hohen Umschlagzahlen sind Flächen an beiden Hallenenden reserviert. Ansonsten werden die Werkzeuge in einer Halle außerhalb des Presswerks gelagert und auf Abruf mit der werkseigenen Bahnlinie und Flurförderfahrzeugen transportiert, die in das Erdgeschoss der Halle einfahren. Dort nehmen die Krane die Werkzeuge auf und transportieren sie zu den Werkzeugtischen der Pressenstraßen. Durch kürzere Produktionszyklen und damit einhergehende, häufigere Werkzeugwechsel sind die Anforderungen an die Verfügbarkeit der Prozesskrane weiter gestiegen. Das gilt auch für die Geschwindigkeiten: Die Hubvorgänge der vier Krananlagen erreichen im Volllastbetrieb 8 m/min. Bis zu einer Teillast von 32 t hebt der Kran 12,5 m/min. Die Geschwindigkeit der Katzfahrten beträgt bis zu 32 m/min, die der Kranfahrt bis zu 50 m/min. Alle Krane besitzen Einrichtungen, die zu einer weiteren Optimierung der Umsetzvorgänge führen. Jeder Kran ist mit einer elektromotorisch gesteuerten Unterflasche ausgestattet, die – durch Frequenzumrichter gesteuert – das exakte Drehen und Positionieren der Last ermöglicht. Damit wird auch die Belieferung der Pressenstraßen mit Platinen erleichtert. Mit einem Lastaufnahmemittel, das den Stapel sicher umschließt, nimmt der Kran einen Platinenstapel auf und setzt ihn auf dem Belader ab. Kran 2 im südlichen Hallenschiff wurde mit einem zusätzlichen 20-Tonnen-Hilfshub ausgestattet. Dieser Seilzug der Baureihe DR-Pro zeichnet sich durch seine kompakte Bauform aus und wird auch für Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten eingesetzt. Die geringen Abmessungen der Unterflasche erleichtern den Wechsel von Komponenten an den Pressenstraßen. Der Hilfshub verfügt zudem mit 18 m über einen längeren Hakenweg, um auch für Ladetätigkeiten an der Schrottpresse im Kellergeschoss eingesetzt werden zu können. Neben den Arbeiten in München hat Demag Cranes & Components auch an den BMW-Standorten Regensburg, Leipzig und Dingolfing Prozesskrane installiert (Montage und Inbetriebnahme wurden in betriebsfreie Zeiten gelegt, um die Produktion nicht zu beeinträchtigen). Im größten Presswerk des Unternehmens in Dingolfing bewältigt eine Krananlage mit 55 Tonnen Tragfähigkeit in erster Linie den Werkzeugtransport. Mit einem Spurmittenmaß von 23,5 m fährt der Demag-Prozesskran gemeinsam mit einem älteren 40-Tonnen-Demag-Fabrikat auf einer Bahn in 12,5 m Höhe und stellt die Werkzeuge für die Pressenstraßen bereit. Umrichtergesteuerte Fahrbewegungen in alle drei Richtungen sorgen für das schonende Handling der schwergewichtigen Produktionsteile. Für eine bessere Übersicht steht den Kranbedienern ergänzend zu der Funksteuerung im Presswerk ein Steuerstand am Kranträger zur Verfügung.

Geändertes Materialflusskonzept

Durch einen Hakenweg von 18 m Höhe kann der Laufkran die Werkzeuge aus der sechs Meter tiefer gelegenen Arbeitsebene aufnehmen und wieder abgeben. Von dort aus werden die Werkzeuge per Shuttle zur Lagerung bzw. zur Wartung und Instandhaltung transportiert, die der Autobauer mit eigenen Serviceabteilungen durchführt. Für diesen Bereich lieferte Demag Cranes & Components sechs baugleiche Zweiträger-Halbportalkrane. Als Kern eines geänderten Materialflusskonzepts unterstützen die Krane das Werkstattpersonal an seinen Arbeitsplätzen. Früher verfuhren in der Halle Brückenkrane auf zwei übereinanderliegenden Ebenen. Nach der Demontage des unteren Laufkrans in rund 6 m Höhe fungieren die beiden Kranbahnen nun als eine von zwei Fahrspuren für die sechs Halbportalkrane. Zwischen den Kranen mit einer Spannweite von 12,16 m bleibt ein Mittelgang von 4 m Breite – genug Platz für den darüber laufenden 50-Tonnen-Brückenkran, um Werkzeuge ohne Kollisionsgefahr zu den Arbeitsplätzen zu transportieren. Jeder der Zweiträger-Halbportalkrane hat eine Katze, die mit zwei Hubwerken von 16 bzw. 8 Tonnen Tragfähigkeit ausgestattet ist. Damit ist das Instandhaltungspersonal in der Lage, Halbzeuge bis 16 Tonnen aufzunehmen und zu drehen. Da die Krane als Arbeitsplatzkrane konzipiert und damit vorrangig für Hubbewegungen eingesetzt werden, erfolgt die Steuerung über kabelgebundene Demag-Steuerschalter DST.

www.demagcranes.de


Daten & Fakten

Demag Cranes & Components ermöglicht mit einer umfassenden Produktpalette vielfältige Lösungen für Fahraufgaben, Lastenhandling und den reibungslosen Materialfluss in Produktion und Lager. Der Bereich Services sichert mit einer kompletten Dienstleistungspalette die wirtschaftliche Anwendung der Demag-Produkte und so die Zufriedenheit des Kunden Verpflichtung aus 180 Jahren Firmengeschichte.

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