20. JANUAR 2018

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»Die Entwicklung ist sehr erfreulich«


Unternehmen

Markt & Meinung - Theodor Maurer, Geschäftsführungsvorsitzender von Linde Material Handling, freut sich über bessere Zeiten. Und nicht nur das. Sein Haus, sagt der Manager, gehe gestärkt aus der Krise hervor. Gesprächspartner: Michael Weilacher

Herr Maurer, die Krise scheint überwunden. Macht es heute, nach dem dramatischen Einbruch der Märkte, wieder Spaß, Gabelstapler zu bauen?

Es macht immer Spaß, Gabelstapler zu bauen. Auch in der Krise, aber da sind natürlich die Stückzahlen niedriger. Bei unserem letzten Gespräch waren wir mitten im Katastrophenjahr 2009 mit einem Rückgang des Weltmarktes von 37 Prozent, wobei Lagertechnikgeräte weniger betroffen waren als Gegengewichtsstapler. Damals gingen wir davon aus, dass 2010 bestenfalls ein leichter Aufschwung möglich sei, eine Art Stabilisierung der Märkte. Nun aber dürfen wir feststellen, dass die Nachfrage deutlich höher ist, als wir vor einem Jahr angenommen haben. Damals gingen wir von einer Steigerung von fünf bis zehn Prozent aus. Tatsächlich erleben wir derzeit je nach Segment Steigerungen zwischen 20 und 50 Prozent.

Eine wirklich erfreuliche Entwicklung also.

Ja, keine Frage. Bei aller Prozenteuphorie muss ich aber dar-auf hinweisen, dass wir absolut gesehen natürlich immer noch weit unter den Zahlen der Jahre 2007/2008 liegen. Allerdings geht es viel schneller voran, als wir vor einem Jahr dachten.

Dann dauert es nicht bis 2014, diese Zeitspanne stand während der Krise im Raum, bis wieder Stückzahlen wie in wirklich guten Jahren erreicht werden?

Es geht schneller aufwärts als erwartet, aber die Gefahr von Rückschlägen besteht nach wie vor. Wahrscheinlicher allerdings ist, dass sich die Märkte weiter erholen. Sollte der Aufschwung anhalten, können wir Umsätze wie in 2007 und 2008 möglicherweise ein Jahr früher erzielen als letzten Sommer angenommen – also 2013, vielleicht sogar schon Ende 2012. Aber das hängt natürlich von der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung ab.

Asien wächst weiter, Europa geht’s wieder besser, aber Amerika kommt nicht recht voran. Inwieweit wirkt sich die wenig berauschende US-Nachfrage auf Ihr Geschäft aus?

Indirekt wirkt sich die Situation in Nordamerika natürlich stark aus, denn als Volkswirtschaft ist Amerika ein wichtiger Motor, ein Driver bei der Nachfrage nach Produkten aus aller Welt. Insofern spielt der Zustand der US-Wirtschaft natürlich eine wichtige Rolle. Wohl und Weh von Linde Material Handling allerdings hängen nicht vom nordamerikanischen Markt ab. Unser Haus ist dort nur in einigen speziellen Segmenten aktiv.

Dann sind andere Märkte, Asien etwa, für Linde Material Handling umso wichtiger?

So ist es. Mit eigenen Werken speziell in China sind wir in Asien sehr gut etabliert. Dort sind wir der größte ausländische Player in unserer Branche. Zur Stärkung unserer Position tragen eigens für den asiatischen Markt entwickelte Produkte bei. Auch sie sorgen dafür, dass wir von der positiven Entwicklung in Asien stark profitieren.

Der osteuropäische Markt war in der Krise beinahe komplett kollabiert. Wie stellt die Situation sich heute dar?

Wenn vom osteuropäischen Markt die Rede ist, muss man unterscheiden zwischen Osteuropa und Russland. Osteuropa ohne Russland orientiert sich technisch wie volkswirtschaftlich massiv an Westeuropa. Auch wegen der fortschreitenden Integration in die EU sehen wir hier viel Dynamik und Märkte mit hohen Wachstumsraten. Märkte, in denen wir bereits gut etabliert sind, in denen wir unsere Position aber noch weiter ausbauen werden. Russland funktioniert anders als seine westlich orientierten Nachbarn und war zudem der Markt, der in der Krise am stärksten zurückgegangen ist, laut Statistik um 80 bis 90 Prozent. Aber auch Russland erholt sich schneller als erwartet, verzeichnet quasi von null kommend wieder starkes Wachstum. Ein Wachstum, an dem wir mit unseren Produkten und mit unserem Vertrieb teilhaben werden.

Sehr erfreulich, keine Frage. Aber die positive Entwicklung der Märkte kann die Krise kaum vergessen machen. Ist Linde Material Handling dasselbe Unternehmen, das es vor zwei Jahren war?

Die Dimension der Krise hat uns zum Handeln gezwungen, zu Veränderungen, die notwendig waren. Wir haben Kapazitäten angepasst, haben restrukturiert und optimiert. Diese Maßnahmen nutzen dem Unternehmen natürlich auch dann, wenn’s wieder besser läuft – wir gehen gestärkt aus der Krise hervor.

Ist Linde Material Handling schlanker geworden?

Ja, in Summe sind wir schlanker geworden, durch Verbesserungen unserer Infrastruktur etwa und durch die Optimierung von Prozessen. Maßnahmen, die sich natürlich auch auf unseren Personalstand ausgewirkt haben. Wo es möglich und sinnvoll war, haben wir Personal abgebaut, über Altersteilzeit beispielsweise oder durch die Nichtverlängerung von befristeten Arbeitsverhältnissen. Was allerdings unsere Stammbelegschaften betrifft, haben wir das Fachwissen im Unternehmen gehalten. Entsprechende Betriebsvereinbarungen und insbesondere die Möglichkeit zur Kurzarbeit haben dabei geholfen.

Momentan dürfte Kurzarbeit kaum eine Option sein. Im Gegenteil, viele Unternehmen suchen Facharbeiter.

Wir haben einen hohen Ausbildungsstand und – wenn die Auszubildenden bei Linde bleiben – eine hohe Loyalität zum Unternehmen. Insofern haben wir als Linde zumindest derzeit keinen Facharbeitermangel.

Hohe Loyalität zum Unternehmen bedeutet auch, dass Ihre Mitarbeiter im Schnitt immer älter werden. Ein Problem?

Kein Problem, nein, aber eine klar erkennbare demographische Entwicklung. Und dieser Tatsache stellen wir uns natürlich. Im Kern geht es darum, Arbeitsplätze und Arbeitsabläufe so zu gestalten, dass sie auch älteren Mitarbeitern keine Probleme bereiten. Ein Thema im Übrigen, mit dem sich die ganze Gesellschaft befassen muss.

Ganz sicher auch die Hersteller von Flurförderzeugen.

Als Qualitätshersteller haben wir schon immer großen Wert auf benutzerfreundliche Geräte gelegt, auf den Fahrerarbeitsplatz genauso wie auf die Bedienbarkeit der Geräte. Im Vergleich zur Konkurrenz sind wir auch diesbezüglich Benchmark. Vor diesem Hintergrund müssen wir die demographische Entwicklung kaum fürchten.

Und den harten Wettbewerb in Ihrer Branche, etwa bei der Preisgestaltung, fürchten Sie den?

Nein, denn in unserem Wettbewerbsumfeld ist die Marke Linde ganz vorn positioniert, in technologischer Hinsicht ebenso wie bei den Total Cost of Owner-ship und im Service – Linde hat das bei weitem dichteste Servicenetz in Europa. Für unsere Kunden ist Linde weit mehr als das jeweilige Produkt. Erfahrung und Kompetenz machen uns zu Lösungsanbietern. Und als solche werden wir auch wahrgenommen.

Sie unterhalten eine große Entwicklungsabteilung. Sehen Sie Linde Material Handling als Technologieführer in seiner Branche?

Ohne Zweifel, und zwar in allen Segmenten. Egal ob Verbrenner, Elektrostapler oder Lagertechnikgerät – in diesen Bereichen können wir Technologieführerschaft mit Fug und Recht in Anspruch nehmen.

Qualität kostet, und in der Krise war der Preis von Gabelstaplern und Lagertechnikgeräten ein wichtiges Kriterium für den Kunden. Der Druck auf die Margen der Hersteller war immens.

In den letzten Jahrzehnten gab es wahrscheinlich keine Phase, in der es keinen Druck auf die Margen gegeben hat. In der Krise ist der Druck natürlich größer, mengenbedingt, weil der Gesamtmarkt kleiner ist und der Kampf um die geringere Menge größer. Aber Linde kann auch dann überzeugen, durch die Performance nicht nur seiner Geräte, sondern des ganzen Unternehmens. Und was den Preis betrifft: Hier punkten wir bei den Total Cost of Ownership, bei jenen Kosten also, die ein Gerät über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg verursacht. Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang, dass Linde auch in der Krise Marktanteile hinzugewinnen konnte.

Und heute? Ist mit Neugeräten wieder Geld zu verdienen?

Linde hatte immer den Anspruch, mit Neugeräten Geld zu verdienen.

Dann müssen Sie ja zufrieden sein, wenn Sie in diesen Tagen einen Blick in den Auftragseingang werfen.

Relativ gesehen und mit Blick auf die letztjährigen Erwartungen bin ich das auch. Absolut gesehen muss ich aber immer darauf hinweisen, dass wir uns natürlich noch nicht auf dem Niveau von 2007/2008 bewegen. Aber die derzeitige Entwicklung ist sehr erfreulich.

Und wie geht’s Ihrer Einschätzung nach jetzt weiter, Herr Maurer?

Bei Linde Material Handling gehen wir davon aus, dass die Märkte nächstes Jahr weiter wachsen, dass Volumina und Kapazitätsauslastungen wieder größer werden – zum einen. Zum anderen werden wir mit unse-ren Produktneuheiten wieder wichtige Impulse geben. Für die Cemat etwa haben wir eine ganze Reihe von Überraschungen in petto.

Worauf dürfen wir gespannt sein? Auf Serien-Elektrofahrzeuge mit Lithium-Ionen-Batterie vielleicht?

Daran wird gearbeitet, natürlich. Dabei geht es um die Betriebs-sicherheit der Technologie ebenso wie um ihre Kosten. Diesbezüglich können bestimmte Entwicklungen in der Automobilindustrie hilfreich sein – hohe Stückzahlen, niedrigere Kosten.

Auf der Cemat werden Sie aber nicht nur über den Stand der Linde-Entwicklungsarbeit informieren.

Nein, wir zeigen neue, serienreife Geräte aus allen Produktsegmenten. Geräte, die uns helfen werden, unsere Marktposition weiter zu stärken.

www.linde-mh.de

Ausgabe:
lj 05/2010
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