29. MAI 2017

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Schweres ist jetzt leicht


Markt

Prozessoptimierung - Liefertermine wurden nicht eingehalten, Spediteure klagten über lange Wartezeiten. Die Lösung des Problems von C. D. Wälzholz mit seiner tonnenschweren Fracht hieß Transporeon.

Die Situation war nicht zufriedenstellend. Schließlich sehen wir uns als Marktführer dazu verpflichtet, auch bei den Logistikprozessen hohe Qualität zu gewährleisten«, sagt der promovierte Ingenieur Ernst-Martin vom Bovert, Hauptabteilungsleiter Logistik beim Kaltwalzunternehmen C. D. Wälzholz, in der Erinnerung an Beschwerden aus der Vergangenheit. Die LKWs hatten sich bis auf die Straße vor dem Werksgelände gestaut – kein Zustand für ein Unternehmen mit erstklassigem Ruf.

C. D. Wälzholz ist ein international tätiger Hersteller von kaltgewalzten und wärmebehandelten Stahlbändern und Profilen. Über 29.000 Produktvarianten werden kundenspezifisch gefertigt und finden Anwendung in einer Vielzahl von unterschiedlichen Produktbereichen. Stahl von C. D. Wälzholz kommt zum Beispiel in Kraftfahrzeugen, in Garten- und Haushaltsgeräten sowie in Elektromotoren und Generatoren zum Einsatz. Versandt wird der gewalzte und geschnittene Stahl in großen Rollen, sogenannten Coils. Ein einzelner Coil kann bis zu zwölf Tonnen wiegen – bei einem Durchmesser bis 1.800 Millimeter. Verständlich also, dass die Kunden von C. D. Wälzholz möglichst wenige Coils lagern möchten. Stattdessen fordern sie eine Lieferung »just in time«. Dadurch wird nahezu jeder Transport zeitkritisch.

Kluges Zeitfenster-Management

Treffen die Lkw für den Transport der Coils zum Kunden ungesteuert ein, vergeht viel Zeit, bis die passende Ladung bei C. D. Wälzholz ausgelagert und verladen ist – Zeit, die bei Just-in-Time-Prozessen niemand hat. Die LKWs verpassten Güterzüge oder Fähren – und schließlich auch den vereinbarten Liefertermin beim Kunden. Dann, im April 2010, kam für C. D. Wälzholz die Lösung: An den Standorten Hagen Fley, Hagen Kabel und Plettenberg führte das Unternehmen ein elektronisches Zeitfenster-Management ein.

Über die Internet-Plattform Transporeon wird ein »Stundenplan« für jede Verladestelle angezeigt. Darüber können die Speditionen ein für sie passendes Zeitfenster belegen. Bis zu vier Stunden vor dem Termin kann noch umgebucht werden. »Wir wissen dadurch, wann welcher Spediteur kommt und können die Ladungen rechtzeitig aus dem Lager holen. Zusätzlich verteilen wir den Verkehr gleichmäßiger über den ganzen Tag. Unser Verladeteam und die Spediteure hat das spürbar entlastet. Die Wartezeiten sind auf durchschnittlich 85 Minuten gesunken, die Beladezeit ist deutlich kürzer, und Standgeldforderungen sind kein großes Thema mehr«, zieht der Logistiker vom Bovert heute Bilanz.

Praxisbewährte Lösung

Staus, Vollsperrungen und Umleitungen gehören zum Alltag jedes Kraftfahrers. Wie passt das zu einem fest gebuchten Zeitfenster, insbesondere wenn der LKW beispielsweise aus Spanien kommt? »Verspätungen sind ein Thema, das viele unserer Kunden im Vorfeld beschäftigt«, räumt Transporeon-Geschäftsführer Peter Förster ein, aber: »In der Praxis löst sich das meistens sehr gut auf.« Zwar gibt es immer einen gewissen Anteil von Fahrzeugen, die verspätet eintreffen, gleichzeitig sind meist aber auch einige Fahrer zu früh an den Verladestationen. Diese werden nach Möglichkeit sofort abgefertigt. Wälzholz-Logistiker vom Bovert: »Wer ein Zeitfenster hat und pünktlich kommt, wird zeitnah beladen oder sogar vorgezogen. Wer zu spät kommt, muss warten, bis wir ihn einschieben können. Hauptsache, wir kennen die ungefähre Uhrzeit und können die Ladung vorbereiten.«

So einfach das Prinzip des Zeitfenster-Managements ist, so komplex war die Umsetzung bei C. D. Wälzholz. Denn je nachdem, welches Produkt verladen wird, muss ein bestimmter LKW-Typ an einer genau definierten Verladestelle bereitstehen. Ungefähr 50 der 100 LKWs, die täglich an den drei Standorten eintreffen, werden in der Verladehalle Hagen Fley abgefertigt. Dabei fahren jeweils vier Planen-LKWs hintereinander in die Halle. Von der Seite laden Stapler die Paletten mit den Coils auf. Nach ungefähr 45 Minuten und einer aufwendigen Ladungssicherung verlassen die Fahrzeuge die Halle durch das gegenüberliegende Tor.

Programmierte Ladestellengruppen

Das Logistikzentrum verfügt zudem über drei weitere Ladestellen: An der Containerhalle belädt das Team mit Hilfe eines Scherenhubtisches Container, die während des Verladevorgangs auf den Aufliegern verbleiben. In der Coilhalle werden große Coils mit horizontaler Achse mittels Kran auf LKW mit einer speziellen Mulde verladen. In der Exporthalle kommen schließlich jene Coils zur Verladung, die erst im Hafen in Container gestaut werden.

Um den richtigen LKW an die passende Verladestation zu bekommen, wurden von den Transporeon-Programmierern Ladestellengruppen eingerichtet. Jeder Transport ist einer der vier Gruppen zugeordnet. Transporte mit Planen-LKWs etwa zählen zur Gruppe »Verladehalle«. Nur dort kann der Spediteur ein Zeitfenster buchen. So ist sichergestellt, dass LKW, Produkt und Verladetechnik stets zusammenpassen.

Automatische Auftragsvergabe

Um die Disponenten zu entlasten und Übertragungsfehler zu vermeiden, hat C. D. Wälzholz dem Zeitfenster-Management eine automatische Auftragsvergabe vorgeschaltet. Wo vorher 120 Transporte pro Tag telefonisch vereinbart, Daten mündlich durchgegeben und wiederholt manuell erfasst wurden, legt der Disponent heute einen Auftrag einmalig im Warenwirtschaftssystem an. Mit einem Klick auf den »Transporeon-Button« wird der Auftrag von Microsoft Dynamics NAV auf die Plattform übertragen, wo der Spediteur ihn einsehen kann.

Beste Ergebnisse

Da C. D. Wälzholz auf Basis fester Kontrakte arbeitet, muss der Spediteur kein Gebot abgeben, sondern bekommt den Auftrag zu den gemeinsam festgelegten Konditionen übermittelt. Der Spediteur hat die Möglichkeit, den Auftrag zu bestätigen oder abzulehnen. Der Wälzholz-Disponent erhält dann über ein Pop-up-Fenster die entsprechende Rückmeldung. Gleichzeitig kann die Spedition die Auftragsdaten in ihr IT-System übernehmen. Lehnt der Spediteur ab, muss der Verlader nach einem anderen Logistikpartner suchen. »Zwar bietet das System auch die Möglichkeit, die Frachtvergabe nach einer Absage komplett zu automatisieren. Die Plattform sucht dann nach festgelegten Kriterien den nächstbesten Spediteur. Das hat aber nicht in unseren Prozess gepasst«, erklärt Ernst-Martin vom Bovert. Verglichen mit den letzten Jahren gestaltet sich der Arbeitstag des Logistikleiters heute deutlich angenehmer: »Die Einführung war nicht ganz einfach, vor allem, weil das System an vielen Stellen angepasst werden musste. Aber es hat sich gelohnt. Wir haben großen Erfolg mit der Plattform.« Auch für seinen Ulmer IT-Partner findet vom Bovert lobende Wort: »Wenn ich noch mal die Wahl hätte, ich würde das Projekt wieder mit Transporeon machen.«

www.transporeon.com




Daten & Fakten

Transporeon ist eine webbasierte Logistikplattform, die Unternehmen aus Industrie und Handel mit ihren bestehenden Logistikpartnern vernetzt.
Das Unternehmen wurde im Jahr 2000 gegründet. »Heute«, heißt es im Firmeninfo, »gilt die Transporeon Group als europäischer Marktführer für elektronische Logistik-Plattformen.«
Hauptsitz des Unternehmens mit hoher Ak-zeptanz bei Verladern & Frachtführern ist Ulm.

Ausgabe:
lj 04/2011
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