20. MAI 2018

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Coole Lösung


Verladesysteme - Europas modernstes Fischbearbeitungszentrum verarbeitet täglich hunderte Tonnen Frischware. Maßgeschneiderte Verladesysteme optimieren die hygienische An- und Auslieferung des Fischs in Kühlfahrzeugen und minimieren dabei Kälteverluste.

Eine wichtige Rolle in der Warenlogistik mit Lkw spielt die Verladetechnik. Schließlich gerät der Materialfluß schnell ins Stocken, wenn die Schnittstelle zwischen Rampe und Lkw nicht den technischen Anforderungen entspricht oder gar während des Betriebs ausfällt. In besonderem Maße gilt dies für den Umgang mit leicht verderblichen Waren in der Lebensmittelverarbeitung, wie etwa bei Europas modernstem Fischbearbeitungszentrum in Saßnitz-Neu-Mukran auf der Ostseeinsel Rügen, das im April 2003 seinen Betrieb aufnahm. Die Anlage besteht aus einem 14.000 Quadratmeter großen Fischbearbeitungszentrum mit Raumtemperaturen von 12 bis 15°C und einem Tiefkühllager mit einer Temperatur von -28°C und 7.000 Quadratmetern Lagerfläche. Dazu kommen noch eine Abwasserkläranlage, eine Fischmehlanlage sowie Kaianlagen. Rund 150 Menschen sortieren dort pro Stunde bis zu 35 Tonnen Fisch und verarbeiten sie in der Hochsaison innerhalb von 24 Stunden zu rund 500 Tonnen Fischfilet, hauptsächlich als Vorprodukt für Matjes, Bismarckhering oder Rollmops. Die Fische, überwiegend Heringe, werden dazu entweder per Lkw angeliefert oder mit Schiffen angelandet. Als Be- und Entladestellen dienen Verladesysteme des Tor-Spezialisten Hafa Docking Systems aus dem niedersächsischen Wennigsen.

Modulare Ladesysteme mit hoher Funktionalität
Zum Einsatz kommen dabei die sogenannten Load Houses: komplett vorgefertigte Module aus den Komponenten Überladebrücke, Torabdichtung und Sektionaltor, die sich flexibel an die jeweiligen Erfordernisse anpassen lassen. Diese Module besitzen einen eigenständigen und komplett nach außen verlegten Baukörper, der Temperaturschwankungen während des Be- und Entladens verhindert. Sie sind daher prädestiniert für temperatur-geführte Frischdienst- und Kühlhausbauten. Beim Einsatz im Fischbearbeitungszentrum auf Rügen dienen die Verladesysteme zudem als Hygieneabschluß und müssen außerdem den Beanspruchungen durch die salzige Luft widerstehen. Die Vorfertigung der Module beim Hersteller sichert die Verwendung hochwertiger Materialien und garantiert eine sorgfältige Verarbeitung sowie ebenso paßgenaue wie zuverlässige Anschlüsse.
Im Einsatz sind insgesamt elf derartige Verladesysteme. Während das Tiefkühllager eine Reihenanlage aus vier Modulen besitzt, sind am Fischbearbeitungszentrum vier Verladestellen als Sägezahnanlage ausgeführt. Dazu kommen je eine Doppel- und eine Einzelanlage an anderen Stellen des Gebäudes. Das Traggerüst der Load Houses besteht aus einem Rahmen aus feuerverzinktem Stahl, der in diesem Fall mit einer zusätzlichen, wirkungsvollen Beschichtung gegen Korrosion geschützt ist. Wärmedämmende Schaumstoffpaneele als obere und seitliche Abschlüsse gewährleisten eine gute Wärmeisolation. Das installierte Verladesystem des Modells Autodock AHTA besteht aus einer Überladebrücke mit Vorschub und seitlichen Trittflächen, die durch Unterzüge verstärkt sind. Die integrierte elektro-hydraulische Überladebrücke ist feuerverzinkt und besitzt einen stufenlos verschiebbaren Aufleger, der beim Andocken eine optimale Anpassung an Höhe und Breite des Lkw garantiert.

Sicherheit und Effizienz
Zwei Hubzylinder ermöglichen einen sicheren Not-Stop, wenn beispielsweise der Lkw bei laufendem Verladebetrieb wegfahren will. Höhenverstellbare Puffer an den Stirnseiten der Trittflächen bilden eine zusätzliche Andockhilfe für den Fahrer und schützen Fahrzeug und Verladeeinheit vor Beschädigungen. Radkeile mit einer sensorgesteuerten Einschaltvorrichtung geben die Brückensteuerung erst dann frei, wenn der Lkw gegen Wegrollen gesichert ist. Eine Ampelanlage signalisiert zudem dem Staplerfahrer, wenn sich die Brücke in Arbeitsstellung befindet und er mit dem Be- oder Entladen beginnen kann. Der Arbeitssicherheit dienen zudem Verladeleuchten mit Gelenkarmen an der Ladeluke, welche die Verladezone und die Lkw-Ladefläche an der Innenwand des Tiefkühllagers ausleuchten. Stabile, feuerverzinkten Rohre auf der Fahrbahn vor der Reihenanlage des Tiefkühllagers ermöglichen es, daß die großen Tiefkühlfahrzeuge präzise und ohne Rangieren andocken können und schützen zudem Fahrzeug, Torabdichtung und Verladeeinheit vor Anfahrschäden.

Wirtschaftlich und hygienisch
Als Torabdichtung kommen zwei unterschiedliche Systeme zum Einsatz. Bei den vier in Reihe angeordneten Verladesystemen des Tiefkühllagers dient dazu eine bewegliche Rahmenkonstruktion aus Aluminiumprofilen mit einer umlaufenden, gewebeverstärkten Plane. Bei einem ungenauen Anfahren des Lkw federn beide Seitenteile ein. Zudem schwenkt die Dachkonstruktion dabei automatisch mit nach oben. Die sieben Verladesysteme an verschiedenen Außenwänden des Fischbearbeitungszentrums wurden dagegen mit der extrem flexiblen Tordichtung SMS ausgestattet, deren Seiten- und Dachelemente beim ungenauen Anfahren des Lkw nachgeben und dadurch Beschädigungen an der Torabdichtung und am Fahrzeug verhindern. Beim Andocken von hohen Aufliegern verhindert die Konstruktion als Hubdach mögliche Beschädigungen. In beiden Fällen gewährleistet eine integrierte Regenrinne den sicheren Abfluß des Regenwassers. Um den Energieverlust beim Ladevorgang weitestmöglich zu reduzieren, verschließen zudem zylinderförmige Eckabdichtungselemente die Problemzonen im unteren Bereich der Torabdichtung und verhindern so den typischen Sog-Effekt bei angedocktem Lkw. Weil der thermische Abschluß sowohl beim Fischbearbeitungszentrum als auch beim Tiefkühllager eine wesentliche Rolle spielt, legten die Planer besonderes Augenmerk auf die effiziente Abdichtung der Toröffnungen. Standardmäßig werden die Load Houses mit Sektionaltoren ausgestattet, die mit Polyurethan ausgeschäumt und innen und außen mit verzinktem Stahl bekleidet sind. In der Regel werden die Tore von innen an der Außenwand angeschlagen und laufen vertikal an der Hallenwand nach oben. In dem 26 Meter hohen Tiefkühllager auf Rügen war dies problemlos möglich, nicht jedoch beim Fischbearbeitungszentrum. In diesem Falle wurden die Laufschienen für die Tore individuell angepaßt und laufen, geschickt modifiziert, ins Load House über. Zu den Besonderheiten in Neu-Mukran zählt, daß die Verladesysteme mit einem zweiten Tor ausgestattet wurden, um einen hygienischen Abschluß sicherzustellen. Die roten Rolltore verhindern die Verschmutzung der Anlage und geben ihr zusammen mit den ebenfalls roten ISO-Paneelen auch in optischer Hinsicht einen besonderen Akzent.

Ausgabe:
lj 01/2005
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