19. JANUAR 2018

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Messe trotzt der Konjunktur


Große Namen, großer Auftritt: Am 15. April begann die mit viel Spannung erwartete weltgrößte Industrieschau mit ihren insgesamt sieben Fachmessen. „Voller Optimismus sind Aussteller, Veranstalter und Verbände in die Hannover Messe 2002 gestartet“, ließ die Deutsche Messe AG verlautbaren. Im gerade herrschenden konjunkturellen Tief mußte die Messe zeigen, ob sie ihrer Rolle als Konjunkturbarometer gerecht werden konnte.

Mit großen Erwartungen wurden am 15. April die Tore der Hannover Messe für die Öffentlichkeit geöffnet. Doch wer sich auf Menschenmassen eingestellt hatte, die sich in scheinbar nicht zu bewältigendem Chaos durch die Einlaßschleusen zwängen würden, sah sich getäuscht. Beinahe manierlich ging es zu, in den Eingangshallen einer der weltweit bedeutendsten Industrieausstellungen. So manierlich, daß man seinem kofferbeladenen Nebenmann in der Reihe Wartender - Schlange wäre fast schon übertrieben formuliert - bereitwillig den Vortritt lassen konnte. Auch an den folgenden Tagen war eine Zurückhaltung der Besucher deutlich zu spüren, so deutlich, daß die lokale Presse sich doch zutiefst über die leeren Messezufahrten wunderte.

Novellen statt Revolutionen
Im Bereich der Lagertechnik blieben die spektakulären Neuentwicklungen erwartungsgemäß aus. Jedoch gab es einige durchaus ansehenswerte Modifikationen und Weiterentwicklungen bewährter und bekannter Produkte, die ein Vorübergehen nicht gerechtfertigt hätten. Dennoch würde in diesem Bereich eine Entscheidung der Messe AG für einen Dreijahresrhythmus der CeMAT eher positiv aufgenommen.

Gabelhubwagen
Bei der Pressekonferenz der Unternehmensgruppe Pfaff silberblau, Friedberg, stand weniger die seit dem 1. Januar währende Zusammenarbeit mit Toyota im Mittelpunkt, sondern vielmehr die Präsentation neuer Gabelhubwagen. Die von Michel Favé entwickelten Geräte überzeugen nicht nur durch ihre bis ins Detail durchdachten Qualitätsmerkmale in Material und Ausführung, sondern zudem noch durch ihren günstigen Preis.

Staplerleitsystem
Ein Highlight der Messepräsentation der schwäbischen Viastore systems, Stuttgart, war ein neues Release der Warehouse Management Software viad@t. Neben einer verbesserten Menüführung und erweiterten Online-Hilfen ergänzte Viastore das Programm durch ein integriertes Staplerleitsystem, welches das automatische Lager mit den manuell geführten Bereichen verbindet und die Prozeßsicherheit in den Distanzen zwischen Übergabeplätzen und Lade- oder Produktionszonen erhöhen soll.

e-Mobil
Der „Mobilität von Mensch und Ware“ widmete ESG seinen Messeauftritt. Von der Systemlösung für Sendungsverfolgung entlang der Supply Chain über web-basierte Informationssysteme für einen weltweiten und unabhängigen Datenzugriff bis hin zum elearning reichte das Angebot der Münchener Elektronik- und Logistikspezialisten.

Schienenfahrzeuge Unter einer riesigen Buntglaskugel präsentierte sich Vanderlande Industries. Unter der Vielzahl angebotener Systeme stellte das niederländische Unternehmen mit der deutschen Niederlassung in Mönchengladbach sein neues Bagtrax-System vor, ein neues Konzept von zielcodierten Förderfahrzeugen. Das System besteht aus einer Aluminium-Schienenstrecke, auf der vierrädrige Transportwagen in außergewöhnlich kurzen Transportzeiten laufen. Die einfache Konstruktion gewährleistet eine besonders hohe Zuverlässigkeit und eine Verfügbarkeit von knapp 100 Prozent unter Einbeziehung der Lese- und Kontrollvorgänge.

Wilder Österreicher
Rasant ging es zu am Stand von TGW, wo in einem umzäunten Gehege der „Mustang“ in seinem Regal umhertobte. Durch ein verbessertes Mastprofil konnte das Revier des Wildpferdes auch nach oben hinaus bis in eine Höhe von 18 Metern erweitert werden. Noch ungestümer als bisher darf sich der Mustang dank eines neuen Antipendel-Antriebs gebärden. Die Verbesserungen des Mustang werden natürlich auch für das Stratus-Modell der Österreicher angeboten.

Schmalspurlösung
Wenn in Produktionsbetrieben enge Fahrstraßen zum Problem werden und der nötige Rangierplatz fehlt, sind Sonderlösungen gefragt. Für derartige Gegebenheiten stellte Hubtex Sonderfahrzeuge vor. Preßwerkzeug-Transporter, kompakte Coil-Transporter und besonders schlanke Gegengewichtsstapler sind typische Vertreter dieser Maßschneiderei.

Leichtgewicht
Der Transportgerätehersteller Expresso präsentierte bei den leichten Transportgeräten eine interessante Systemlösung.

Mit ihr können, sogar rechtlich zulässig, Lasten bis zu 1,2 Tonnen von nur einer Person bewegt werden. Die Palette reicht vom MagiC-Vierradwagen bis zum MagiC-Andocksystem. Dieses ermöglicht ein Andocken der Antriebseinheit an unterschiedliche antriebslose Vierradwagen. Ein außerdem erhältliches Anflanschsystem wird individuell an jeden schon in Betrieb befindlichen oder neu konstruierten Vierradwagen montiert. Es macht aus Standard-Transportwagen wirtschaftlich durchdachte Transportgeräte.

Hessenkarussell
Eine Neuausrichtung im Markt durch Umstrukturierungen im Konzern durchlebte Dexion, Laubach, und offenbar nicht zum Nachteil des Unternehmens. Eine Reihe neuer Produkte und individueller lager- und materialflußtechnischer Lösungen wurden vorgestellt. Herzstück des als Hochregal ausgeführten Stands in Hannover war ein neuentwickelter horizontaler Karussellsortierer, kurz Hoca.

Den Vorteil des Hoca sieht das Unternehmen im gleichbleibend hohen Umschlag, der nicht durch unproduktive Wege des Bedieners zu den Gütern unterbrochen wird. Neben dem Messe-Highlight warteten die Hessen natürlich auch mit ihrem „klassischen“ Produktsegment auf. So erfuhr der interessierte Besucher auf Wunsch alles Wissenswerte über die breite Palette an Regalen für spezielle Produkte.

Kurze ÖffnungszeitenNeben seinen Verlademaschinen und -rampen stellte Hafa Docking Systems auch eine Reihe neuer Rolltore vor, die mit Öffnungs- und Schließgeschwindigkeiten von 1 m/s für kurze Durchgangszeiten sorgen sollen. Standardmäßig mit einem Break-Away-System ausgestattet, überstehen die sogenannten EconoRolltore Anfahrmanöver in der Regel ohne große Beschädigungen. Dazu kam noch aktuelles Zubehör wie Torsteuerungssysteme in allen erdenklichen Varianten. Als Ergänzung zu seinen Andocksystemen präsentierte Hafa seine hafaBox, die mit einem Steuerungs- und Kontrollsystem ausgestattet ist, das die Verladezone über einen Zentralrechner bis ins letzte Detail kontrollieren kann.

Baukasten
Einen ganzen Baukasten aus Staurollenförderern, Rollenförderern, Gurtförderern, Hub- und Transfereinrichtungen für den wirtschaftlichen und schonenden Transport von Behältern, Kartons und anderen Stückgütern stellte Gebhardt Fördertechnik aus. Unter Nutzung der vielseitigen Kombinationsmöglichkeiten Komponenten und in Verbindung mit intelligenten Steuerungs- und Datenverwaltungssystemen entstehen Komplettlösungen für ein breites Anwendungsspektrum.

Bildung
Bei einigen Unternehmen standen gar nicht einmal deren Produkte oder die möglichen Anwendungen im Vordergrund ihres Messeauftritts. In Halle 17 beispielsweise erwiesen sich zwar die Mega-Stände der Roboterriesen ABB, Fanuc oder Kuka durch spektakuläre Applikationen das meiste öffentliche Interesse, das Prädikat „pädagogisch wertvoll“ wurde jedoch einem anderen Aussteller zuteil. Die K-Robotix hatte in Zusammenarbeit mit dem VDI ein Projekt initiiert, bei dem Bremer Schülerinnen und Schülern ein Industrieroboter samt fachmännischer Betreuung zur Verfügung gestellt wurde. Das Ergebnis dieses Projekts wurde in Hannover präsentiert: Der Roboter versorgte interessierte Besucher mit Heißgetränken unterschiedlichster Art. Ein Tastendruck genügte, und der Stahlkellner sorgte nicht nur für die Erzeugung des Trunks, sondern plazierte das Produkt auch noch vor dem Kunden. Die millimeter- und zeitgenaue Programmierung wurde von den Schülern durchund vorgeführt.

Prominentester Gast am Kaffeetresen war Bundes-Bildungsministerin Bulmahn, die das Projekt auf ihrem Messerundgang begutachtete.

Ausgabe:
lj 06/05/2002
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