28. JUNI 2016

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Hub in neue Höhen


Hintergrund - Keine Frage, 2004 war für die Flurförderzeug-Branche ein gutes Jahr. Doch wie kam das Hoch zu Stande? Und vor allem: Hält es auch in diesem Jahr an? Das logistik journal gibt die Antworten.

Mit 483.000 Staplern und 282.000 Lagertechnikgeräten wurden im Jahr 2004 weltweit und über alle Marken hinweg summa summarum 765.000 Flurförderzeuge abgesetzt, was gegenüber 2003 (673.000 Geräte) ein Plus von 13,7 Prozent ausmacht. Besonders erfreulich: Fast alle großen Hersteller konnten von der gestiegenen Nachfrage profitieren. Zwar fielen die Zuwachsraten der einzelnen Firmen ebenso unterschiedlich aus wie die angebotenen Geräte, in den meisten Fällen aber konnten sehr zufrieden stellende Ergebnisse erzielt werden.
Für Toyota wurde 2004 sogar zum Rekordjahr. Der Weltmarktführer (seit der Übernahme von BT im Jahr 2000 zum vierten Mal in Folge) freute sich anno 2004 im Geschäftsbereich Material Handling über mehr als 100.000 verkaufte Einheiten ? und das ohne BT. Zusammengenommen, so eine unternehmenseigene Hochrechnung aus Japan, betrage der Anteil von Toyota und BT am Weltmarkt 24,4 Prozent. Doch getreu dem Motto, dass ein guter Kaufmann nie zufrieden sein darf, strebt man einen noch höheren Anteil an. Eine Pressemitteilung vom 5. April dieses Jahres, in der die Schaffung der Toyota Material Handling Group (TMHG) als gemeinsames Dach für Toyota und BT angekündigt wurde, gibt Einblick in die mittel- und langfristige Planung des Konzerns.

Nutzung von Synergiepotenzialen
Durch die Nutzung von immer noch vorhandenen Synergiepotenzialen bei Toyota und BT könne man auf Dauer ein Drittel aller auf der Welt benötigten Industrial Trucks an den Kunden bringen und dabei die höchste Profitabilität in der Branche erzielen, sagten die Firmenoberen Tetsuro Toyoda (Toyota) und Per Zaunders (BT). Welche Bedeutung bei der Verwirklichung dieses Plans den BT-Marken Cesab und Raymond zukommt, sagten sie nicht. Dennoch: Die ehrgeizigen Ziele von Toyota lassen im Bereich Material Handling auch für die Zukunft aussichtsreiche Geschäfte erwarten. Mit eben solchen rechnet auch Linde, die Nummer 2 unter den Anbietern von Flurförderzeugen und bis zur Akquisition des Herstellers BT durch Toyota im Jahr 2000 unumstrittener Weltmarktführer in diesem Segment.

Nach guten Ergebnissen in 2003 legte Linde nochmals zu
Nach guten Ergebnissen in 2003 konnte der deutsche Konzern mit seinen Marken Linde, Still und OM im Geschäftsjahr 2004 nochmals zulegen und steigerte die Zahl der produzierten Geräte um 9.000 auf 116.000 Einheiten. Parallel dazu stieg der Umsatz von 3,063 auf 3,372 Milliarden Euro (zum Vergleich: Toyota produzierte in 2004 eigenen Angaben zufolge mit 166.500 Geräten 23.900 Einheiten mehr als im vorhergehenden Geschäftsjahr und steigerte den Umsatz um 363 Millionen auf 3,749 Milliarden Euro). Freut Toyota sich mit Blick auf 2004 über ein »Rekordjahr«, gibt man sich in der Wiesbadener Konzernzentrale von Linde ein wenig zurückhaltender, spricht aber immerhin von »einem sehr guten Jahr«. Vor allem Amerika und Asien hätten überproportional zum Wachstum beigetragen, heißt es in einer Stellungnahme von Linde. Aber auch in Europa, dem wichtigsten Absatzmarkt für Linde, waren zweistellige Zuwachsraten zu verzeichnen, wobei diese positive Entwicklung vom überproportionalen Wachstum in Osteuropa geprägt war.
So unterschiedlich die Regionen, so unterschiedlich auch die Bedürfnisse der Märkte. Während in Asien der verbrennungsmotorische Stapler das klar dominierende Gerät ist, werden in Europa ? gemessen an den Stückzahlen ? Lagertechnikgeräte am stärksten nachgefragt. Der nordamerikanische Markt weist gleichfalls hohe Anteile an verbrennungsmotorischen Staplern auf, aber auch Lagertechnikgeräte haben hier eine hohe Bedeutung.
Was 2005 angeht, ist global gesehen mit einem mit einem deutlichen, wenngleich etwas moderateren Marktwachstum zu rechnen. Dabei werden die weitaus stärksten Impulse weiterhin aus Asien und Amerika kommen, wobei China und die USA erneut die Vorreiterrolle auf den jeweiligen Kontinenten übernehmen dürften. Dagegen wird das Marktwachstum in den europäischen Kernmärkten Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien wohl etwas verhaltener ausfallen. In Osteuropa dagegen rechnen Kenner des Flurförderzeuge-Marktes mit einem überproportionalen Anstieg der Nachfrage.
Apropos Anstieg: Auch im Jahr 2004 fiel das Wachstum in den einzelnen Regionen naturgemäß unterschiedlich aus. So legten Europa, Afrika und der Nahe Osten über alle Marken hinweg mit 331.000 verkauften Staplern und Lagertechnikgeräten gegenüber 2003 (306.000 Geräte) 8,2 Prozent zu. Nord- und Südamerika wuchsen mit 235.000 verkauften Geräten im Vergleich zu 2003 (200.000 Einheiten) um 17,5 Prozent. Die Region Fernost/Ozeanien erfreute die Hersteller von Flurförderzeugen mit einem Wachstum von 19,2 Prozent. Mit 199.000 Geräten wurden in dieser Region im vergangenen Jahr 32.000 Einheiten mehr verkauft als 2003.
Aufschlussreich auch die aufgeschlüsselten Absatzzahlen. Beispiel Europa: Hier konnten die Anbieter von Flurförderzeugen im zurückliegenden Jahr 20.000 Geräte mehr verkaufen als 2003, was einem Wachstum von 7,1 Prozent entspricht. In der Summe setzen die Hersteller 303.000 Einheiten ab (inkl. Geländestapler). Auf das Gesamtvolumen entfielen 60.000 Elektrostapler (19,8 Prozent) und 84.000 Verbrenner (27,7 Prozent). Insgesamt konnten in Europa also 144.000 Stapler verkauft werden, was 47,5 Prozent der abgesetzten Flurförderzeuge entspricht. Die Nase vorn hatte in diesem Vergleich mit 159.000 Einheiten oder einem Anteil von 52,5 Prozent an den verkauften Geräten die Lagertechnik. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Nach wie vor ist Europa der wichtigste Absatzmarkt für die Anbieter von Flurförderzeugen. Ein chancenreicher Markt wie China aber, wo Linde bereits seit über zehn Jahren mit einer eigenen Fabrik vertreten ist, hat inzwischen auch bei der Konkurrenz an Bedeutung gewonnen. So kündigte jüngst der US-Hersteller Crown an, im Reich der Mitte eine Produktionsstätte zu bauen. Im Gegenzug wird das Crown-Werk im irischen Galway geschlossen. Doch nicht nur das Ausland möchte die enormen Möglichkeiten des Marktes in China nutzen. Auch im Land selbst werden fleißig Stapler gebaut ? mit vergleichsweise bescheidener technischer Ausstattung zwar und auch sonst nicht gerade State-of-the-Staplerart ? dafür aber zu günstigen Preisen und mit einem Einsatzspektrum, das für weniger anspruchsvolle Anwender durchaus attraktiv sein kann.

Die Marktbereinigung ist ein eher wahrscheinliches Szenario
Eine überschaubare Zahl von China-Staplern ist auch hierzulande bereits im Einsatz. Abzuwarten bleibt indes, wann die als gnadenlose Kopierer gefürchteten Chinesen ? Abschauen und Nachmachen gelten im Reich der Mitte als ehrenwerte Disziplinen ? in der Lage sein werden, wirklich wettbewerbsfähiges Gerät anzubieten. Dann allerdings dürfte sich der ohnehin schon erbitterte Kampf um vertretbare Gewinnmargen unter den etablierten FFZ-Anbietern noch verschärfen ? was auch zu einer Beschleunigung jenes Prozesses führen dürfte, der im Wirtschaftsleben gerne als Marktbereinigung bezeichnet wird. Mit anderen Worten: Ein paar weniger potente Hersteller geben ganz auf, andere werden von wirtschaftlich stärkeren Unternehmen übernommen, damit deren Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleibt oder weiter wächst. Ein Szenario, das trotz der durchweg erfreu-lichen Absatzzahlen im Jahr 2004 eher wahrscheinlich wirkt. Denn die Zeiten bleiben schwierig für die Anbieter von Flurförderzeugen. Dazu trägt nicht nur der hohe Stahlpreis bei. Speziell in Westeuropa wirken sich auch die vergleichsweise hohen Lohnkosten negativ auf Wettbewerbsfähigkeit und Umsatzrendite aus. Auch deutschen Werkern droht da schon mal die Verlagerung ihrer Arbeitsplätze gen Osteuropa. Bei Linde Material Handling allerdings sind solche, von Konzernchef Wolfgang Reitzle im Juni geäußerten Überlegungen, vorerst vom Tisch. Wie die Nachrichtenagentur Reuters Ende Juli meldete, habe die Unternehmensleitung »mit den Arbeitnehmervertretern eine Sicherung der hiesigen Produktionsstandorte vereinbart, im Gegenzug akzeptieren die betroffenen Beschäftigten Einbußen bei ihren Entgelten«. Die Vereinbarung zur Standortsicherung gilt bis Mitte 2011. Eine klare Vereinbarung gibt’s auch beim Dritten auf dem Treppchen innerhalb der FFZ-Bestenliste von logistik journal. Genau wie die Wettbewerber im Feld der Flurförderzeuge möchte auch die Materials Handling Group von Nacco (NMHG) im Kampf um Markanteile und im Streben nach Profitabilität eine gute Figur machen. Immerhin: Mit 77.493 verkauften Einheiten konnten die Nacco-Companies Yale und Hyster (letztere wird in Deutschland und Österreich, in mehreren Ländern Osteuropas sowie in Mittel-asien von Zeppelin vertrieben und betreut) in 2004 gut 7.000 Geräte mehr verkaufen als im vorangegangenen Geschäftsjahr. Der konsolidierte Jahres-umsatz von Nacco im Geschäftsbereich Flurförderzeuge lag bei 1,654 Milliarden Euro. Allerdings lässt das Unternehmen in einer Stellungnahme gegenüber logistik journal keinen Zweifel daran, dass auch das allgemein gute Jahr 2004 seine Tücken hatte: »Der Nutzen, der aus Profitabilität und Wachstumsprogrammen gezogen werden konnte, milderte im vergangenen Jahr die negativen Auswirkungen externer Faktoren ab.«

Einfluss externer Faktoren
Freimütig nennt Nacco Umstände, die dem Unternehmen in 2004 das Leben nicht immer leicht gemacht haben: »Negativ wirkten sich hohe Materialkosten aus, ungünstige Währungsschwankungen und bestimmte Märkte, die schwächer waren als angenommen.« Dennoch, so das Nacco-Statement, seien Yale und Hyster in Relation zu ihren Wettbewerbern »sehr stark geblieben«. Immerhin: Für die Bronzemedaille in der FFZ-Bestenliste von logistik journal hat die Nacco-Performance auch mit Blick auf 2004 gereicht.


TechnologiemanagementAuszeichnung für Linde Material Handling
Linde ist für erfolgreiches Technologiemanagement im Bereich Material Handling ausgezeichnet worden. Die führenden Firmen auf diesem Gebiet waren vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie unter Beteiligung eines Industriekonsortiums ermittelt worden. Zur Beurteilung standen 250 Unternehmen an. Linde überzeugte durch die Nutzung markenübergreifender Synergien und durch effiziente Produktentstehungsprozesse. »Die Auszeichnung bestätigt uns in unserer Mehrmarkenstrategie«, so Ralf Speth von Linde, »sie zeigt, dass Linde, Still und OM trotz eigenständiger Markenidentitäten im Verbund Effizienzvorteile gegenüber dem Wettbewerb besitzen.«

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