SEPTEMBER
09.2010


 

logistik journal feiert 40-jähriges Jubiläum


Das logistik journal feiert Geburtstag. Im Herbst 1969 als Fördermittel Journal an den Start gegangen, hat unser Heft die Branche 40 Jahre lang begleitet. Und das war erst der Anfang. Denn für Sie, liebe Leser, bleiben wir weiter am Ball. Von Michael Weilacher

» Tipp: Auf der Startseite können Sie in unserem Jubiläums-Special blättern...

Verdammt lang her. 40 Jahre sind vergangen, seit das erste logistik journal erschienen ist. 40 Jahre, in denen viel passiert ist. Zwei Ereignisse aber haben sich den meisten besonders eingebrannt: der Fall der Mauer in Berlin und der Einsturz der Türme in New York. So beglückend das eine war, so bestürzend war das andere. Aber auch außerhalb von Weltpolitik und Weltverachtung gab es Ereignisse, die Spuren hinterlassen haben: auf dem Mond zum Beispiel. Als Neil Armstrong als erster Mensch den Erdtrabanten betreten hatte, schien alles möglich. Und wirklich: Wenn schon nicht der Mensch mit seinem Hang zu immer neuer Zerstörung, so hat doch wenigstens die Wissenschaft große Fortschritte gemacht. Stand die Menschheit in den 60er Jahren noch staunend vor den Anfängen künstlicher Intelligenz – die Mondlandung glückte mit der Kapazität eines besseren Taschenrechners – wurde die Nutzung von leistungsfähigen Computern in der Folgezeit zur Selbstverständlichkeit, auch und gerade in der Logistik.

Christoph Hahn-Woernle, Chef des Stuttgarter In-tralogistik-Unternehmens Viastore, Sachwalter seiner Branche im VDMA und Mitinitiator der Cemat als eigenständiger Messe, antwortet auf die Frage nach den wichtigsten Schritten der Lagerlogistik in den 60er und 70er Jahren: »Der wichtigste Schritt war sicher die Automatisierung und die kontinuierliche Einbindung der Anlagen in die Unternehmens-DV. Heute sind Lager wesentliche Bestandteile des WWW.« Apropos WWW: Auch das World Wide Web ist zur Selbstverständlichkeit geworden, im Privaten wie im Beruflichen. Mehr noch: Die weltumspannenden Daten- und Informationsströme sind längst dabei, sich zu materialisieren. Beispiel e-Shopping: Virtuell ist nur der Einkauf an sich. Herstellung, Lieferung und Entgegennahme der Ware aber sind handfeste Prozesse. Mit der Einschränkung allerdings, dass Material und Ware künftig nicht mehr gesteuert werden, sich also passiv verhalten, sondern selbstständig den Weg finden in die Fertigung die braucht Material und anschließend zum Kunden der will zügig seine Ware.

Das Internet der Dinge ist in greifbare Nähe gerückt. Prof. Dr. Michael ten Hompel, nicht nur diesbezüglich ein ausgewiesener Fachmann: »Ein ganz wesentlicher Aspekt des Internet ist, dass wir mit dieser Technologie eine Verbindung schaffen zwischen der physischen Logistik und der Informationslogistik, also zwischen der realen und der virtuellen Welt. Das ist anders, als es bisher der Fall war. In dieser Fusion von vielen unterschiedlichen Sensoren, mit denen wir die Welt zukünftig physisch auch wahrnehmen werden, verbinden wir erstmals ein großes System künstlicher Intelligenz mit der Umgebung. Das Internet und das Internet der Dinge werden zusammenwachsen.«

So wächst zusammen, was aus Sicht des Wissenschaftlers zusammengehört. Bis es wirklich so weit ist, dürfte weit weniger Zeit vergehen, als von den Anfängen moderner Logistik bis heute. Der Grund dafür liegt in einer wahren Explosion des Wissens – es nimmt nicht linear zu, sondern vermehrt sich quasi im Quadrat. So sind heute logistische Prozesse möglich, die lange Zeit kaum denkbar waren.
Vollautomatische Abläufe in Produktion und Lager, Just-in-time-Belieferung von Fabriken, satellitennavigierte Transportfahrzeuge und RFID-basierter Materialfluss sind längst Bestandteile des logistischen Alltags. Vor nicht mal einem halben Jahrhundert allerdings war vieles von dem, was heute selbstverständlich scheint, kaum vorstellbar. In einem Text, in dem Viastore die Zeit »Vom Wirtschafts-
wunder bis zur Intralogistik« beschreibt, heißt es: »Von der britischen Militärführung ins Leben gerufen, fand ab dem 18. August 1947 in fünf alten Produktionshallen der Vereinigten Leichtmetallwerke die Export-Messe Hannover statt. Gabelstapler, Krane, Schlepper und Hubwagen waren als Hilfsmittel für die Produktion auf der 1950 in Deutsche Industrie-Messe umbenannten Veranstaltung versteckt zwischen den anderen Erzeugnissen zu finden. 1952 taucht zum ersten Mal der Begriff Fördertechnik auf.« Im Laufe der Zeit wurde die Bezeichnung bekannter. Nur: Das, was die meisten mit Fördertechnik verbanden, machte die neue Disziplin nicht eben attraktiv. Viastore-Chef Christoph Hahn-Woernle: »Hinter dem Begriff Fördertechnik verbarg sich für viele das Bild von viel Eisen, großen Zahnrädern, Geräuschen, viel Öl und Schmiere« – ein Image, das sich lange halten sollte und in manchen Köpfen bis heute vorhanden ist. Dabei ist auch die Fördertechnik in weiten Bereichen längst zur Hightech-Disziplin geworden. Eine Tatsache, die auch im Messewesen ihren Niederschlag fand.

Unter dem Namen Cemat (Centrum für Materialfluss und Transport) haben Förder- und Lagertechnik in Hannover ihren festen Platz. Bis 2002 noch unter dem Dach der Industriemesse zu Hause, seit 2005 aber ihrer Bedeutung angemessen als eigenständige Fachmesse am Start, ist die Cemat ein voller Erfolg. Längst gilt sie als Weltleitmesse der Intralogistik und hat Ableger in China, Indien und dem Mittleren Osten. Eine äußerst positive Entwicklung hat aber nicht nur die Cemat genommen, sondern auch die Logimat in Stuttgart. Nach Jahren kontinuierlichen Wachstums in den Hallen der alten Messe findet die Logimat inzwischen im neuen Messekomplex des schwäbischen Metropole am Stuttgarter Flughafen statt.

Messen, aber auch kluge Öffentlichkeitsarbeit von Verband und Firmen haben die Wahrnehmung von Förder- und Lagertechnik in der Öffentlichkeit positiv beeinflusst. Zwar spukt das Bild von Öl und Schmiere auch heute noch in vielen Köpfen herum, insgesamt aber ist das Image des Materialflusses deutlich besser geworden. Eine positive Entwicklung, die auch dem neuen, geschickt gewählten Oberbegriff für innerbetriebliche Logistik zu verdanken ist. Intralogistik klingt eben doch heutiger als Fördertechnik und Lagertechnik.

Seit einiger Zeit schon ist die Branche bestrebt, junge Leute an die Logistik heranzuführen. Christoph Hahn-Woernle, neben seinen Aufgaben als Viastore-Chef auch langjähriger Sprecher des Forums Intralogistik im VDMA: »Wir versuchen intensiv, junge Menschen für die Technik und für unsere Branche zu begeistern. Sonst kann die deutsche Intralogistik nicht auf Dauer Weltmarktführer bleiben.« Auch bei der Besetzung von Stellen gebe die Branche ihr Bestes, sagt Hahn-Woernle, räumt aber ein, dass die momentane Situation vielen Unternehmen klare Grenzen setze. Das gilt auch für die Transporteure unter den Logistikern. Dabei sind gerade sie in guten Zeiten buchstäblich grenzenlos unterwegs. Natürlich nicht, was Formalitäten, Gesetze und Bestimmungen betrifft, wohl aber, was ihre weltumspannenden Aktivitäten angeht. Kein Fleck der Erde, der mit modernen Transportmitteln nicht erreichbar wäre. Dafür braucht es Menschen. Dennoch wurde die Bedeutung der Logistik als Jobmaschine und bedeutender Wirtschaftsfaktor lange unterschätzt. Inzwischen aber ist auch langsameren Politikern klar, dass ohne Logistik gar nichts geht.

 

 

 

 
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