13 Kilometer Fördertechnik

Distributionszentrum für kleinteilige Logistik

Insbesondere Großhänder, die einen beträchtlichen Umsatz ihres Geschäftes über das Internet abwickeln, müssen logistisch „auf der Höhe“ sein. Lange Förderstrecken sind oft unumgänglich, um Lieferfristen kurz zu halten. Ausgeklügelte Technik und exakt abgestimmte Software sorgen dafür, daß die Erwartungen von Kunde und Anbieter an Lieferfristen und ordnungsgemäße Abwicklung des Geschäfts erfüllt werden.

19. September 2002

Mit den beeindruckenden Zahlen von 30.000 Orderlines pro Stunde bei 300.000 unterschiedlichen Artikeln hält das neue Logistikzentrum des Buchgroßhändlers Libri in Bad Hersfeld derzeit die Spitzenstellung unter den dynamischen Logistikanlagen der Welt.

Die Witron Logistik und Informatik GmbH, Parkstein, einer der international führenden Spezialisten für die Planung, Realisierung und Integration von hochdynamischen Logistiksystemen und Kommissionierlösungen für Handel und Industrie, hat die Anlage für das renommierte Buchgroßhandelsunternehmen geplant, in knapp anderthalb Jahren realisiert und Mitte 2000 in Betrieb genommen.

Das Logistikzentrum, für das Libri insgesamt rund 72 Millionen Euro investiert hat, bietet unter anderem Platz für 430.000 Behälter im vollautomatischen Kleinteilelager und für 10.000 Paletten im HRL. Weiter sorgen mehr als 15.000 Behälter-Kommissionierkanäle, über 100 Kommissionierbahnhöfe und über 13 Kilometer Fördertechnik für eine tägliche Kommissionierleistung von rund 200.000 Büchern, an Spitzentagen sogar bis zu 400.000. Am Folgetag und vor Ladenöffnung erreichen die Sendungen rund 5000 Buchhändler in ganz Deutschland.

Ausgereifte Systeme

Wie die beiden für das Projekt Verantwortlichen von Witron, Geschäftsführer Logistiksysteme Johann Roidl und Projekt-Manager Bernd Lindner, betonen, galt es bei der Realisierung die „vielen ausgereiften Konzepte und Besonderheiten des Buchgroßhandelsgeschäftes softwaremäßig ebenso zu berücksichtigen wie das permanente, durch Online-Prozesse charakterisierte Geschäft“. Auch für Libri-Geschäftsführer Dr. Gerhard Dust bedeutete „die größte Herausforderung, daß wir für die Abläufe so wenig Zeit haben und alles online und ohne Vorlaufzeiten abgewickelt werden muß“.

Als optimale Lösung für die immensen Kommissionieranforderungen mit bis zu 30.000 Orderlines pro Stunde erwies sich das Dynamic Picking System DPS von Witron mit der statischen Bereitstellung von Schnelldrehern und dem dynamischen Bereitstellen von Langsamdrehern in den Kommissionierbahnhöfen. Nur so lassen sich die immense Artikelvielfalt, die tägliche Varianzbreite - 60.000 bis 70.000 Artikel werden täglich automatisch an der Kommissionierfront bereitgestellt - und die nahezu täglich wechselnde Klassifizierung nach ABC bewältigen. Zu den wesentlichen Funktionen der DPS-Software zählt das permanente Pick Face Profiling. Hierdurch wird die Verteilung der dynamischen und statischen Artikel in der Pickfront der jeweiligen Auftragscharakteristik angepaßt.

Dynamisches Bereitstellen

Die Mitarbeiter in den 104, jeweils zwölf Meter breiten und nach neuesten ergonomischen Erkenntnissen gestalteten Kommissionierbahnhöfen werden durch Monitorinformationen und Pick-to-Light-Systeme geführt. Lager-, Kommissionier- und Kundenbehälter sind identisch - ein entscheidender Faktor für die Flexibilität des Konzeptes.

Als wesentliche Garanten für die möglichst gleichmäßige Auslastung der Anlage fungieren die „Order Consolidation Buffer“, kurz OCB. In diese AKL-ähnlichen Sortierspeicher im Warenausgang werden alle fertig kommissionierten Behälter eingefahren und just-in-time für die Verladung tourengerecht abgezogen.

Flexibel und stark

„Das weltweit modernste Distributionszentrum für kleinteilige Logistik“, betont Dr. Dust, „macht Libri effizienter und schneller. Zudem versetzt es uns in die Lage, flexibel auf Marktveränderungen zu reagieren und sowohl unsere Wettbewerbsfähigkeit als auch die unserer Kunden zu stärken“, so das Fazit des zufriedenen Libri-Geschäftsführers.

Erschienen in Ausgabe: 03/2002