17. BVL-Kongress: Logistik hat Konjunktur

„Logistics onLine“ - so lautete das Motto des 17. Deutschen Logistik- Kongresses, der vom 18. bis 20. Oktober in Berlin stattfand. Längst hat sich der BVL-Kongress, der diesmal mit mehr als 2000 Teilnehmern und 170 ausstellenden Unternehmen eine erneute Teilnehmer-Rekordmarke setzte, als das Branchen-Meeting schlechthin etabliert.

18. Dezember 2001

In Berlin war eine Premiere zu feiern: Zum ersten Mal traten anläßlich des 17. Logistik-Kongresses die beiden großen deutschen Logistik-Verbände, die BVL und die Deutsche Gesellschaft für Logistik, DGfL, nach Ihrer Fusion gemeinsam auf. Wie Dr. Peer Witten, Vorsitzender des Vorstandes der BVL und Mitglied des Vorstandes der Otto-Gruppe, in seiner Begrüßungsrede betonte, ist die „neue BVL nicht nur ein Verein von über 5.000 Mitgliedern, sondern eine Organisation, die breit aufgestellt die vielen Facetten des Themenspektrums der Logistik hervorragend abdeckt“. Ziel sei es, „in einem zusammenwachsenden Europa ein enges, europäisches Netzwerk mit denjenigen zu knüpfen, die in ihren Ländern Plattformen für die Diskussion logistischer Themen bieten“

Wir haben die Kunden

Im Zusammenhang mit dem Motto des Kongresses, „Logistics onLine“, wies Witten ausdrücklich darauf hin, daß „ohne perfekte Logistik eine erfolgreicher E-Commerce nicht möglich ist“, weder im B2C- oder im B2B-Bereich. Was die neue Einteilung der Unternehmen in „New Economy“ und „Old Economy“ anbetrifft, so wandte sich Witten ebenso ausdrücklich wie humorvoll an die „jüngeren Kollegen“, die keinesfalls die Old Economy unterschätzen sollten: „Wir haben die Kunden, in die andere Milliarden investieren müssen. Wir haben die eingeführten Marken, die „Brands“, die auch in der Internet- Welt eine gravierende Bedeutung haben werden, und wir haben die Logistik, und diese weltweit“. Witten verwies auf die „unschlagbaren Kombinationen“, die entstehen können, wenn sich Old und New Economy verbinden, sowie auf die „fantastischen Chancen“, die Logistikdienstleister als Partner der New Economy haben.

Einem Dienstleister im weiteren Sinne wurde auch der renommierte Deutsche Logistikpreis verliehen, der Flughafen München GmbH, kurz FMG. Durchaus zur Überraschung einer nicht unerheblichen Zahl von Teilnehmern, so war jedenfalls den Gesprächen und Diskussionen am Rande zu entnehmen, die, wie in den vergangen Jahren, wohl eher ein Werk eines „Unternehmens im klassischen Sinne“ als Preisträger erwartet hätten.

1 Billion Mark „Umsatz im Netz“

Daß bei all den „E-s“ und Datennetzen die Materialflußtechnik nicht ganz in den Hintergrund gerät, war die Aufgabe der von Prof. Dr. Karl-Heinz Wehking moderierten Sequenz „Grundbausteine der Logistik - Materialfluß- Systeme“. Wie Wehking, geschäftsführender Direktor des Instituts für Fördertechnik und Logistik der Universität Stuttgart, konstatiert, „ist der physische Warenfluß, ich nenne ihn das materielle Internet, die entscheidende Schlüsselkomponente für die Befriedigung der Kundenwünsche“.

Für die Materialflußtechnik, die für die Realisierung des physischen Warenflusses des E-Commerce eingesetzt wird, sind laut Heinz Consul, Leiter des Geschäftsgebiets Logistik und Produktionssysteme der Siemens AG, Nürnberg, „neue Strukturen und neue Bausteine erforderlich“. Als eine der größten Herausforderungen sieht er die Lebensmittellogistik: „E-Grocery hat die komplexesten Anforderungen, auch an die letzte Meile.

Was die äußerst umfangreichen und komplexen Anforderungen angeht, die E- Business und E-Commerce an die Kompetenz der Logistikdienstleister stellen, so erfordert diese Performance in der Mehrzahl der Fälle Kooperationen der Service-Anbieter untereinander. Wie Rico Back, der Vorsitzender der Geschäftsführung der German Parcel Paket Logistik ausführt, geht es darum, „den Kunden die besten Bausteine und die besten Dienstleistungen der E-Logistics maßgeschneidert zusammengebaut zur Verfügung zu stellen“.

Hier ist noch allerhand „Work in Progress“. So bewertet Dr. Gerd Wecker, Sprecher der Geschäftsführung von Dachser, München, den Status Quo recht kritisch: „Für die Dienstleistungen, die derzeit im Zusammenhang mit Supply Chain Execution auf dem Markt angeboten werden, gilt zum Teil immer noch die Charakteristik & pos;zugekauftes Chaos versus integrierte Strukturen& pos;.

Wie aktuelle Zahlen belegen, kann hierzulande die Logistik für alle erforderlichen Aktivitäten aus dem Vollen schöpfen. So beschäftigen sich laut Dr. Frank Straube „in Deutschland rund acht Millionen Menschen mit der Logistik“, rund 200 Milliarden Mark werden jährlich in diesem Bereich erwirtschaftet. Und für die kommenden fünf Jahre sind 12 bis 15 Prozent Wachstum per anno prognostiziert.

Logistik hat Konjunktur, darüber waren sich alle Teilnehmer des 17. Deutschen Logistkkongresses einig.

Erschienen in Ausgabe: 11/2000