270 Jahre J.D. Neuhaus

1745 gegründet, befindet sich das älteste deutsche Maschinenbau-Unternehmen heute ununterbrochen in siebter Generation in Familienbesitz. Was als Windenschmiede für Holzschaftwinden begann, hat sich im Laufe der Jahre zum Weltmarktführer pneumatischer und hydraulischer Hebezeuge und Krananlagen entwickelt.

30. Juli 2015

Vom Hersteller von Holzschaftwinden, die für die Fuhrleute des Jahres 1745 bei den damaligen Straßenverhältnissen als „Wagenheber“ unverzichtbar waren, bis zum modernen Industrie-Unternehmen der Neuzeit war es ein weiter Weg. Er begann vor 270 Jahren mit der Eintragung des Windenschmiedes Johann Diederich Conrad Neuhaus in das „Sprockhövelsche Fabrickenbuch“. Auch die Nachfahren des Gründers produzierten weiter Winden. Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurden sie in handwerklicher Arbeit hergestellt und im Wesentlichen an den Bergbau, Kleinunternehmen, Fuhrleute und bäuerliche Betriebe geliefert. Die Grundlage für das auf Innovation und Wachstum ausgerichtete Wirtschaftsunternehmen wurde 1952 gelegt. Damals ersetzte man bei JDN den bis dahin üblichen Handantrieb bei Hebezeugen durch einen Druckluftmotor. Diese Neuerung revolutionierte die Anwendungsmöglichkeiten zunächst im Bergbau und leitete zugleich den wirtschaftlichen Aufschwung des Unternehmens ein. Nachdem JDN mit dem Bergbau groß geworden war, musste das Unternehmen auch die mit dem Bergbau verbundenen Wirtschaftskrisen bewältigen. Der Strukturwandel gelang durch eine Umorientierung auf neue Geschäftsfelder für druckluftbetriebene Hebezeuge und dem Ausbau des Exportgeschäfts.

Im Jahre 1966, als die Firma J.D. Neuhaus noch den Zusatz „Windenfabrik“ trug, und die Kommunikation überwiegend mittels Fernschreibern erfolgte, kamen die ersten JDN-Druckluft-Hebezeuge für Anwendungen außerhalb des Untertage-Bergbaus mit Tragfähigkeiten von 250 kg bis 1000 kg auf den Markt. Auf der Suche nach weiteren Einsatzgebieten bot sich die Chemische Industrie an, denn auch dort bestand in vielen Bereichen, genauso wie Untertage, Explosionsgefahr. Und genau für diese Einsätze sind JDN-Druckluft-Hebezeuge dank ihres Antriebsmediums prädestiniert. Und sie bieten weitere Vorteile, wie schon in einem JDN-Prospekt von 1966 zu lesen war: „Leicht im Gewicht, klein in der Bauhöhe, schnell in der Hubgeschwindigkeit, niedrig in der Phonstärke, gering im Luftverbrauch und stufenlos in der Steuerung“. In den folgenden Jahren brachte J.D. Neuhaus immer wieder Druckluft-Hebezeuge mit höheren Tragfähigkeiten auf den Markt. Highlight war im Jahr 1979 der Profi 100 TI, der weltweit erste Druckluft-Hebezug mit einer Tragfähigkeit von 100 Tonnen. Im selben Jahr führte JDN auch die Einschienen-Hubwerke ein. Sie wurden speziell für die Offshoreindustrie zum BOP Handling entwickelt.

Ein kompletter Relaunch der JDN-Produktpalette bis 20 t Tragfähigkeit wurde von 2003 bis 2005 durchgeführt. In 2010 folgten die Hebezeuge mit Kapazitäten von 25 t bis 50 t und in 2014 schließlich die mit Tragfähigkeiten bis 100 Tonnen. So wurde die gesamte Serie optimiert und setzte damit einen neuen Standard im Bereich pneumatischer Hebezeuge. Parallel zu diesen Entwicklungen wurde 2011 der Geschäftsbereich Anlagenbau gegründet. Hier spezialisierte sich JDN auf die Entwicklung und den Bau von kundenspezifischen Krananlagen, die überwiegend auf Bohrinseln zum Einsatz kommen.

Alternativ zur Druckluft bietet J.D. Neuhaus seine gesamte Produktpalette auch mit Hydraulikantrieben an. Die Einsatzgebiete reichen von der Automobil- bis zur Zementindustrie. Dabei liegen die Schwerpunkte in der Öl- und Gasexploration bzw. -verarbeitung, im Bergbau, in der chemischen Industrie und im Schweranlagenbau. Und gemäß des JDN Claims „engineered for extremes“ sind Einsatz in Sibirien bei minus 45° Celsius ebenso wie 70 Meter unter dem Meeresspiegel keine Seltenheit.

Seit 1995 führt der Diplom-Betriebswirt Wilfried Neuhaus-Galladé das Unternehmen. Unter seiner Führung wurde der Kurs des Familienunternehmens auf die veränderten Bedingungen globaler Märkte ausgerichtet. So gründete er Vertriebsgesellschaften in den in USA, Frankreich, Singapur und Großbritannien, die in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern ein engmaschiges, weltumspannendes Netz bieten. Der Exportanteil liegt bei über 80%. Qualität, Umweltschutz, Mitarbeiterorientierung und hocheffektive Prozessabläufe spielen bei der Produktion und dem Betrieb der Neuhaus-Produkte eine große Rolle. 2009 wurde das Umweltmanagement-System des Unternehmens vom TÜV Rheinland zertifiziert. Das Qualitätsmanagement-System stellt JDN bereits seit 1991 regelmäßig neu auf den Prüfstand. Methoden wie Kaizen, CIP, Kanban, Lean Production und ERP dienen als Basis für die gesamte JDN-Gruppe, die 2014 einen Konzernumsatz in Höhe von ca. 50 Mio. Euro erwirtschaftete. Die Jahresproduktion liegt bei 6.000 bis 8.000 Hebezeugen. Zurzeit beschäftigt J.D. Neuhaus 215 Mitarbeiter, davon 160 am Produktionsstandort Witten. „Die Weichen für eine dynamische und zukunftsorientierte Entwicklung sind gestellt. Können, Motivation und Engagement unserer Mitarbeiter sind erstklassig, das Potenzial an Ideen und unternehmerischer Phantasie ist reichlich vorhanden. Die Zukunft kann kommen“, so Wilfried Neuhaus-Galladé.