Oswald Kunsch ist mit Blick auf die Leistung von Kocher in Osnabrück voller Anerkennung: „Ich habe noch nicht erlebt, daß ein Regalbau in so kurzer Zeit realisiert wurde und so weit vor dem Fertigstellungstermin abgeschlossen war.“ Das Lob von Kunsch kommt aus berufenem Mund. Der Diplom-Ingenieur ist für Coppenrath & Wiese als externer Planer tätig und als Geschäftsführer der Firma CIC (Concept Industrie Consult) ausgewiesener Experte für Fabrikplanung, Logistik und Unternehmensorganisation.

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Das neue, fünfgassige Hochregallager von Coppenrath & Wiese ist 82 Meter lang, 21 Meter breit und 33 Meter hoch. Die riesige Kühltruhe bietet Platz für 8.700 Paletten. Der Umschlag liegt bei 2.000 Paletten pro Tag. Im Inneren des Lagers herrscht eine Temperatur von minus 28 Grad. Demgegenüber herrscht an heißen Sommertagen an der Sonnenseite eine Oberflächentemperatur von über 70 Grad - auch dies ein Umstand, der bei der Planung zu berücksichtigen war. Zusätzlich mußte - wie bei anderen Tiefkühllagern auch - im Inneren der Bodenplatte eine Heizung installiert werden, um die Durchfrostung in das Erdreich zu verhindern. Oswald Kunsch: „Anderenfalls entstünde Permafrost, der bewirken würde, daß die Konstruktion instabil wird.“

Wichtiger FaktorDie Anfänge der Conditorei Coppenrath & Wiese gehen auf das Jahr 1975 zurück. Heute, knapp 30 Jahre später, hat das Unternehmen im Bereich der Tiefkühlbackwaren einen Marktanteil von 60 Prozent und erwirtschaftet mit 1.300 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 250 Millionen Euro. „Die rationelle Lagerung ist ein wichtiger Faktor in punkto Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens“, weiß Andreas Pache, Geschäftsführer Verwaltung/Finanzen bei Coppenrath & Wiese. Vor diesem Hintergrund ließ das Unternehmen 1985 sein erstes TK-Hochregallager bauen, es bot Platz für 3.300 Paletten. Schon damals war das Haus Kocher für den Regalbau zuständig. Das neue Tiefkühllager in Osnabrück ist bereits die vierte Anlage dieser Art von Coppenrath & Wiese. Die Arbeiten der Firma Kocher begannen Ende Januar 2004. Sechs Wochen später, und damit drei Wochen vor dem geplanten Termin, waren sie abgeschlossen. In der Summe verfügt die Conditorei Coppenrath & Wiese jetzt über eine Lagerkapazität von 30.000 Palettenstellplätzen.

Wie alles begann

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Können die Conditoren aus Osnabrück auf eine 30jährige Firmengeschichte zurückblicken, so sind es im Falle der Firma Kocher Regalbau sogar schon vier Jahrzehnte. Der Einstieg von Kocher in die Lagertechnik erfolgte 1964. Die Produktionsanlagen waren schon damals modern ausgelegt. Die Lagertechnik jedoch fand teilweise noch in Kellerräumen mit Lattenrostregalen statt. Doch dann leistete England mit dem gelochten Winkelprofil wichtige Entwicklungshilfe. Aus den normierten drei bis vier Meter langen Profilen wurden laut Kocher „die ersten brauchbaren Lagerformen entwickelt“. Man baute Durchlaufregale, Doppelstock-Regalanlagen, Schwerlastregale für Paletten, Aktenregale und Fachbodenregale. Zudem wurden die Gabelstapler höhentauglich. Sofort wurden mehrgeschossige Palettenregale gebaut, und zwar mit gelochten Winkelprofilen.

Zunehmende Höhen

Immer um die beste Lösung bemüht, entwickelte Kocher mit seinem belgischen Profillieferanten ein ebenfalls gelochtes Schwerlastregal mit einhängbaren Auflagen. Jetzt wurden Anlagen mit sieben bis acht Metern Höhe möglich. Parallel dazu wurden Geräte entwickelt, welche die Bedienung der Regale auch in Höhen ermöglichten, die für damalige Stapler nicht zu erreichen waren. Die größeren Höhen erforderten engste Toleranzen. Hilfen wie Fachfeinpositionierungen gab es nicht. Klar war aber, daß es nicht mehr reichte, die Regale einfach auf den Boden zu stellen. Es mußte eine Verankerungsart entwickelt werden, die eine Justierung des Regalaufbaus ermöglichte.

Dübel mit Ankerstangen waren die Lösung. Nun konnte unter dem Regalfuß eine Nivelliermutter angebracht werden. Über dem Regalfuß wurde das Ganze mit einer weiteren Mutter angezogen.

Spezielle Untergußmasse

Bald stellte sich eine weitere Frage: Wie sollte der zwischen Bodenplatte und Regalfuß entstandene Freiraum aus- bzw. untergossen werden? Klar war, daß normaler Beton beim Aushärten schwinden und somit ein Spalt zwischen Untergußmasse und Regalfuß entstehen würde. Zunächst löste Kocher das Problem mit Kunststoffscheiben, die sich durch die Last so weit zusammendrückten, daß die Regalfüße wieder auf dem Beton standen. Bald jedoch wurde von einem Spezialbetonhersteller die Forderung von Kocher erfüllt, einen Mörtel zu entwickeln, der das schwundfreie Untergießen von Regalfüßen ermöglichte. Der Weg zur modernen Lagertechnik führte also über den gelochten Winkel zu einem Schwerlastregal, das große Höhen erreichen konnte. Mittels Lochkarten, so eine damals innovative Idee, sollte die Anlage automatisch betrieben werden. Die Grundlage für den Bau von Hochregalanlagen und deren Automatisierung war geschaffen. Noch heute erinnert man sich bei Kocher an die Erstellung des ersten Hochregal-Silos im Jahr 1968 bei Bellaplast in Deizisau. Hierfür mußten mit erheblichen Schwierigkeiten verbundene Voraussetzungen geschaffen werden: die Verwendung von dünnwandigen Kaltprofilen für die Erstellung baulicher Anlagen; das Verschrauben (statt Verschweißen) hoher baulicher Anlagen. Doch die Mühe hat sich gelohnt. Bis heute hat Kocher mehrere hundert Hochregalanlagen gebaut. Zu den Kunden der Stuttgarter Firma zählen neben Coppenrath & Wiese Unternehmen wie Airbus, Unilever, Siemens und BMW.