50 Jahre Fortschritt

Jubiläum -Vor 50 Jahren brachte Toyota seinen ersten Gabelstapler an den Start. Heute verkauft das Unternehmen mehr Stapler als jeder andere Anbieter. Für diesen Erfolg sorgten erstklassige Geräte, Toyotas wegweisende Fertigung und der kluge Kauf von BT. von Michael Weilacher

28. September 2006

> Die schlimmsten Feinde des Erfolgs kennt man bei Toyota ganz genau. Ihre Namen lauten »Fehler« und »Verschwendung«. Beide auf ein Minimum zu reduzieren, ist Ziel des Toyota-Produktions-Systems (TPS). Am effektivsten wäre es natürlich, die Feinde des Erfolgs ganz zu eliminieren. Aber in Japan weiß man um die Hoffnungslosigkeit dieses Unterfangens: »Weder Mensch noch Maschine arbeiten immer fehlerfrei.« Auch der Verschwendung, von Zeit zum Beispiel oder von Material, wird man nie ganz den Garaus machen können. »Das TPS«, so Toyota, »berücksichtigt, dass eine völlige Ausschließung von Verschwendung so gut wie unmöglich ist, eine Reduzierung jedoch kontinuierlich angestrebt werden soll.« Das permanente Streben nach Perfektion hat Toyota zu einem der erfolgreichsten Unternehmen gemacht. Das Firmenmotto »Nichts ist unmöglich« ist dabei nicht nur in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen, sondern hat in werblicher Hinsicht längst schon Nachahmer gefunden (»Geht nicht gibt’s nicht«). Dass sich überall auf der Welt die auf höchste Effizienz bedachte Automobilindustrie am Toyota-Produktions-System orientiert, zeugt von der Konkurrenzlosigkeit des japanischen Fertigungskonzepts.

Für jeden Bereich und für jeden Handgriff gibt es beim TPS eine detaillierte Aufgabenbeschreibung. In Verbindung mit der von Toyota umgesetzten Kaizen-Philosophie (das Bemühen, die Qualität von Arbeit, Prozessen und Produkten kontinuierlich zu verbessern) führt das Fertigungssystem der Japaner zu herausragenden Produkten. Davon ist auch Christophe Limouzin, Directeur Industriel im Toyota-Gabelstaplerwerk Ancenis in Frankreich, fest überzeugt.

Sehr gutes Verhältnis von Preis und Leistung

»Ich bin sicher«, so Werksmanager Limouzin, »dass wir nicht die billigsten Anbieter sind. Aber dafür bieten wir beste Qualität. Nimmt man beides zusammen, überzeugt das Toyota-Produkt am Ende durch ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.« Christophe Limouzin muss es wissen. Sein Verantwortungsbereich in Ancenis ? hier werden die mit Abstand meisten Toyota-Stapler für den europäischen Markt produziert ? umfasst den reibungslosen Ablauf der gesamten Produktion, nach derzeitigem Stand 14.000 Geräte im Jahr. Gelegentliche Probleme, auch gravierender Natur, sind bei solchen Stückzahlen fast vorprogrammiert. Nicht so bei Toyota. Hier wird jedes Problem, sei es auch noch so klein, akribisch analysiert. Zufrieden ist man erst, wenn die Ursache erkannt und für die Zukunft ausgeschlossen ist. »Natürlich kommt es auch bei uns zu Problemen«, räumt Christophe Limouzin ein, »wir versuchen aber, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten. Parallel dazu kümmern wir uns darum, dass dieselben Schwierigkeiten künftig nicht mehr auftreten können.« Mit dieser Vorgehensweise ist man bei Toyota in Ancenis weit gekommen. 95 Prozent der Fehler, die an der Fertigungslinie auftreten, können innerhalb der Taktzeit behoben werden. In diesen Fällen läuft die Produktion also ungehindert weiter.

Größtmögliche Effizienz

Die Zeit, in der die Linie still steht, beschränkt sich auf wenige Minuten am Tag. Gemäß der Toyota-Maxime, Verschwendung ? auch die von Zeit ? zu minimieren, wird in diesen Fällen neben der umgehenden Fehlerbehebung darüber nachgedacht, wie eine Wiederholung des Stillstands zu vermeiden ist. Ist auch dieses Vorgehen ein Grund für den Erfolg von Toyota? Christophe Limouzin meint, ja. »Größtmögliche Effizienz wirkt sich positiv auf die Kosten aus. Dieser Effekt wiederum steigert unsere Wettbewerbsfähigkeit.« Keine Frage also: Das Toyota-Produktions-System hat viele Vorteile. Anfang der 50er-Jahre von Taiichi Ohno unter Federführung von Kiichiro Toyoda entwickelt, wird es heute in allen Toyota-Werken auf der Welt angewandt ? von der Textilmaschinenherstellung über den Pkw-Bau bis hin zur Gabelstaplerproduktion. Damit kommt das TPS auch den jüngsten Kindern der Forklift-Familie zugute: dem in Bologna produzierten Elektrostapler Traigo ebenso wie den Niederhub-Kommissionierern der Baureihe 7LOP und den neuen Elektroschleppern.

Der Traigo ist ein kompakter Dreiradstapler (24 Volt) mit Tragfähigkeiten von 1,0 bzw. 1,25 und 1,5 Tonnen. AC²-Drehstromtechnik, das Toyota-System für Aktive Stabilität (SAS), das Fahrerpaket OTC (Operator Total Care) sowie das neue System für Optimalen Personenschutz (OPS) machen den Traigo stark, ausdauernd, sicher und komfortabel. Eine Breite von 3.020 bzw. 3.230 Millimetern (je nach Modell) und ein Wendekreis von 1.230 Millimetern bewirken beste Manövrierfähigkeit. Auch bei der Wartung kann der Traigo punkten. Zur Serienausstattung des Staplers gehört ein eingebautes Diagnosesystem. Mit seiner Hilfe können Fehler ohne zusätzliche Geräte erkannt und sofort behoben werden. Die Wartung des Staplers fällt nach jeweils 1.000 Betriebsstunden an. Damit sind Stillstandszeiten auf ein Minimum reduziert. Beste Wartungsbedingungen bieten auch die neuen Niederhub-Kommissionierer von Toyota. Die Geräte der Baureihe 7LOP ersetzen die bisherige Serie mit der Bezeichnung LOP. Sie besitzen eine verbesserte Lenkung und einen ergonomisch gestalteten Deichselkopf. Für hohe Effizienz und Wirtschaftlichkeit sorgt auch das Toyota-

Powerdrive-System. Mit Hilfe dieses Systems, einer Kombination aus CAN-Bus-Technik und Nebenschlussfahrmotor, bewältigen die Niederhub-Kommissionierer selbst anspruchsvollste Aufgaben. Der Toyota Powerdrive wird mittel Mikroprozessor gesteuert. Der Prozessor bestimmt die Leistungsmerkmale des Fahrzeugs und überwacht den Betrieb des Geräts durch direkte Kommunikation mit der Antriebskontrolleinheit.

Mit Hilfe der CAN-Bus-Technik werden alle Eingangssignale in digitale Datenströme umgewandelt. Statt (wie früher) 16 werden jetzt nur noch vier Kabel im Antriebssystem benötigt. Verschleißteile wie Fahrtrichtungsschütze, herkömmliche Potenziometer und Schalter entfallen. Die Baureihe 7LOP unfasst vier Modelle. Die maximale Tragfähigkeit der Niederhub-Kommissionierer beträgt 2,5 Tonnen. Ähnlich beeindruckende Leistungsmerkmale bieten auch die neuen Toyota-Geräte aus der Baureihe der Elektroschlepper.

Zugkräftige Schlepper für eine Vielzahl von Anwendungen

Die neuen Fahrzeuge inbegriffen, kann der Kunde jetzt zwischen acht Modellen wählen. Die Schlepper sind für Anhängelasten zwischen zwei und sechs Tonnen ausgelegt. Wer mehr Zugkraft benötigt, kann auf die Verbrenner (diesel-, benzin- oder treibgasgetrieben) unter den Schleppern zurückgreifen. Diese Modelle bewältigen maximale Anhängelasten von 39 beziehungsweise 49 Tonnen. Mit ihren leistungsstarken 3,5-Liter-Industriemotoren erzielen die Verbrenner Geschwindigkeiten bis 30 km/h. Der Betreiber kann zwischen einem Schalt- und einem Automatikgetriebe wählen.

Wie die Stapler von Toyota sind auch die neuen Schlepper mit dem Sicherheitssystem OPS (Optimaler Personenschutz) ausgestattet. Aber nicht nur der Mensch ist durch OPS optimal geschützt. Auch Schäden an Last und Maschine werden durch das System vermieden. Das mit Toyotas optimalem Personenschutz ausgerüstete Fahrzeug bleibt auch dann sicher an seinem Platz stehen, wenn der Zündschlüssel nicht abgezogen worden ist.

www.toyotagabelstapler.de

Toyota und BTGedeihliche Koexistenz unter einem Dach

Ein wichtiger Zeitabschnitt für Toyota auf dem Weg zum Weltmarktführer im Bereich der motorisierten Flurförderzeuge war das Jahr 2000. Damals übernahm der japanische Konzern den schwedischen Stapler- und Lagertechnikspezialisten BT Industries. Die Bedeutung dieser Akquisition weiß man bei Toyota bis heute zu würdigen. Volker Schüssler, Geschäftsführer von Toyota Gabelstapler Deutschland: »Mit BT zusammen ist Toyota Weltmarktführer. Auf uns allein gestellt würden wir diese Position heute nicht einnehmen.« Auch bei BT sieht man »viele positive Aspekte«, wie Jan Regler, Geschäftsführer von BT Deutschland, betont: »Mit Toyotas Hilfe haben wir z. B. wertvolle neue Produkte entwickeln und einige Großkunden gewinnen können.«

Erschienen in Ausgabe: Staplertechnik/2006