Die Wahl des richtigen Lagersystems entscheidet maßgeblich über die Effizienz Ihrer Logistikprozesse und die laufenden Betriebskosten. Werden kleinteilige Waren in riesigen Palettenregalen gelagert, verschwenden Sie wertvollen Raum; müssen schwere Lasten mühsam per Hand aus Fachböden gehoben werden, leiden Ergonomie und Umschlaggeschwindigkeit. Oft ist nicht die Frage, welches System „besser“ ist, sondern an welcher Stelle im Materialfluss welche Lösung ihre physikalischen und wirtschaftlichen Vorteile ausspielt.
Das Wichtigste in Kürze
- Fachbodenregale eignen sich ideal für die manuelle Kommissionierung von losen Kleinteilen, Kartons und Waren mit geringem bis mittlerem Gewicht.
- Palettenregale sind zwingend erforderlich, sobald Waren auf Ladungsträgern wie Europaletten angeliefert werden und der Umschlag per Stapler erfolgt.
- Entscheidend für die Auswahl sind nicht nur die Artikelmaße, sondern auch die Zugriffshäufigkeit, das Artikelgewicht und die eingesetzte Fördertechnik.
Grundsätzliche Systemunterschiede im Überblick
Bevor Sie sich für eine Investition entscheiden, müssen Sie die technische DNA der beiden dominierenden Regaltypen verstehen. Fachbodenregale sind für den direkten Zugriff durch den Menschen konzipiert und bestehen meist aus verzinkten Stahlböden, die in Rahmen eingehängt oder verschraubt werden. Palettenregale hingegen sind Schwerlastsysteme aus massiven Ständerrahmen und Längstraversen (Holmen), die darauf ausgelegt sind, tonnenschwere Lasten auf standardisierten Ladungsträgern aufzunehmen und die Bedienung durch Flurförderzeuge zu ermöglichen.
Um die richtige Wahl zu treffen, hilft eine Kategorisierung Ihrer Lagergüter und Prozesse. Die folgende Übersicht zeigt die drei Hauptkriterien, die den Ausschlag für das eine oder das andere System geben und die wir in den folgenden Abschnitten vertiefen werden:
- Zugriffsart: Erfolgt die Entnahme manuell (Hand) oder mechanisch (Gabelstapler)?
- Ladungsträger: Lagern Sie lose Einzelteile/Umkartons oder palettierte Einheiten?
- Lastenprofil: Bewegen wir uns im Bereich von 100–300 kg pro Ebene oder bei mehreren Tonnen?
Wann Fachbodenregale ihre Stärken ausspielen
Fachbodenregale sind der Standard für Kleinteilelager, Werkstätten und Archivräume, in denen Flexibilität und direkter Zugriff zählen. Da die Böden meist im Raster von 25 oder 50 Millimetern werkzeuglos verstellbar sind (besonders bei modernen Stecksystemen), lassen sie sich exakt an die Höhe der Lagerware anpassen. Dies ermöglicht eine extrem hohe Lagerdichte bei kleinen Artikeln, da kaum „Luft“ gelagert wird, was besonders im E-Commerce bei der Kommissionierung von C-Teilen oder Einzelbestellungen einen entscheidenden Vorteil bei der Raumnutzung bietet.
Ein weiterer Vorteil liegt in der Modularität und Erweiterbarkeit, die es erlaubt, klein zu starten und das Lager organisch wachsen zu lassen. Systeme können oft zu mehrgeschossigen Regalanlagen ausgebaut werden, sofern die Gebäudehöhe und die Statik dies zulassen, wodurch die Grundfläche vervielfacht wird. Die Grenze dieses Systems ist jedoch die Ergonomie: Da Mitarbeiter die Ware heben müssen, ist das Gewicht pro Artikel durch den Arbeitsschutz limitiert, und die oberen Ebenen sind ohne Leitern oder Treppen nicht erreichbar.
Weshalb Palettenregale der Standard für Großmengen sind
Sobald Waren auf Europaletten, Gitterboxen oder Industriepaletten angeliefert und nicht sofort vereinzelt werden, führt kein Weg am Palettenregal vorbei. Diese Bauweise nutzt die Hallenhöhe optimal aus, da Gabelstapler oder Regalbediengeräte Höhen von zehn Metern und mehr problemlos erreichen können. Die robuste Bauweise mit Traversen sorgt dafür, dass Feldlasten (die Summe der Gewichte übereinanderliegender Ebenen) von oft über 10 bis 20 Tonnen sicher abgeleitet werden können, was bei massiven Gütern im Maschinenbau oder Getränkehandel unerlässlich ist.
Ein entscheidender Aspekt ist hierbei die klare Trennung von Verkehrswegen und Lagerplätzen, was zwar Disziplin erfordert, aber den Durchsatz massiv erhöht. Im Gegensatz zum Fachbodenregal, wo der Mitarbeiter zur Ware geht, ermöglicht das Palettenregal in Kombination mit entsprechender Fördertechnik eine schnelle Ein- und Auslagerung ganzer Ladeeinheiten. Allerdings ist der Flächenverbrauch durch die nötigen Arbeitsgangbreiten für Stapler höher, es sei denn, man setzt auf kostenintensivere Schmalgang- oder Verschieberegalsysteme.
Wie Gewicht und Handling die Entscheidung steuern
Oft gibt es Grenzbereiche, in denen Waren zwar schwer, aber nicht palettiert sind, oder leicht, aber voluminös. Hier entscheidet das Handling: Muss ein Mitarbeiter einen 25 Kilogramm schweren Farbeimer mehrmals täglich aus dem Regal heben, ist ein Fachbodenregal ergonomisch bedenklich, selbst wenn es die Last technisch tragen würde (Fachlast). In solchen Fällen kann ein Palettenregal mit eingelegten Gitterrosten oder Spanplattenböden als „Schwerlast-Fachboden“ fungieren, um die Ware per Hubwagen bereitzustellen oder eine rückenschonende Entnahme auf Hüfthöhe zu ermöglichen.
Umgekehrt wäre es ineffizient, leichte, aber großvolumige Güter wie Dämmstoffe oder leere Kartonagen in schweren Palettenregalen zu lagern, wenn die Traversenabstände dies nicht hergeben. Hier bieten sich weitspannige Fachbodenregale (Weitspannregale) an, die die Brücke zwischen beiden Welten schlagen. Sie bieten breitere Ablageflächen als normale Fachbodenregale, sind aber für Handbeladung ausgelegt und günstiger als eine Palettenregal-Konstruktion mit teuren Sonderböden.
Typische Planungsfehler und Sicherheitsrisiken vermeiden
Ein häufiger Fehler in der Praxis ist die Missachtung der dynamischen Belastung und der Sicherheitskennzeichnung. Viele Unternehmen überladen Fachböden schleichend, weil Kartons schwerer sind als geschätzt, oder sie nutzen Palettenregale ohne den vorgeschriebenen Anfahrschutz an den Eckständern. Beide Systeme unterliegen der DIN EN 15635 und müssen jährlich von einer befähigten Person geprüft werden; bei Palettenregalen sind Schäden an den Stützen durch Staplerkollisionen der häufigste Mangel, der die gesamte Statik gefährden kann.
Zudem wird oft vergessen, dass sich die Anforderungen im Zeitverlauf ändern können, weshalb die Flexibilität bei der Erstanschaffung mitgedacht werden muss. Ein verschraubtes Fachbodenregal spart initial Kosten, lässt sich aber bei Sortimentsänderungen nur mühsam umbauen, während Stecksysteme oder Traversen im Palettenregal schnell in der Höhe verstellt sind. Prüfen Sie vor dem Kauf daher folgende Punkte kritisch ab:
- Ist der Boden tragfähig genug für die Punktlasten der Regalständer?
- Sind die Belastungsschilder (Fach- und Feldlast) gut sichtbar angebracht?
- Wurde ausreichend Platz für die Bedienung (Gangbreite passend zum Stapler wenderadius) eingeplant?
- Gibt es eine Durchschubsicherung bei Doppelregalen, um Unfälle auf der Gegenseite zu verhindern?
Fazit: Die richtige Balance für Ihren Warenfluss finden
Es gibt keinen pauschalen Sieger im Duell Fachboden gegen Palettenregal, da fast jedes professionelle Lager eine hybride Lösung benötigt. Während der Wareneingang und das Reservelager meist durch Palettenregale dominiert werden, um den Nachschub effizient zu puffern, findet die eigentliche Kommissionierung oft in Fachbodenzeilen oder in den untersten Ebenen der Palettenregale statt. Diese Zonierung erlaubt es Ihnen, die Kostenvorteile der Volumennutzung mit der Schnelligkeit des manuellen Zugriffs zu kombinieren.
Betrachten Sie Ihre Investition daher nie isoliert, sondern immer entlang der Prozesskette vom Wareneingang bis zum Versand. Starten Sie mit einer sauberen Analyse Ihrer Artikelstruktur (ABC-Analyse) und Gewichte. Wenn Sie heute flexibel planen und Systeme wählen, die sich modular erweitern lassen, bleiben Sie auch bei schwankenden Sortimenten oder wachsendem Auftragsvolumen handlungsfähig, ohne das gesamte Lagerlayout in wenigen Jahren verwerfen zu müssen.
