Kohle deckt heute etwa ein Viertel des Weltenergieverbrauchs, und dies wird auch in den nächsten Jahrzehnten so bleiben. Kein anderer Energieträger kann mit der Kohle hinsichtlich der Reichweite der Vorräte, der ausgewogenen Verteilung der Vorkommen und deren Wirtschaftlichkeit bei Gewinnung, Transport und Nutzung mithalten. Bei den weltweiten Öl- und Gasvorräten drohen einer für den Deutschen Bundestag angefertigten Studie zufolge bereits vor dem Jahr 2020 ressourcenbedingte Engpässe. Hinzu kommt das Risiko der politischen und ökonomischen Verfügbarkeit dieser beiden Energieträger. So gesehen, kann eine nachhaltige Energiestrategie auf Kohle nicht verzichten.

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Kohleabbau und -verwertung sind in Deutschland längst High-Tech auf höchstem Niveau - auch und gerade im internationalen Vergleich. Schwierige Lagerstättenbedingungen, die Forderung nach Wirtschaftlichkeit, der Anspruch auf sichere Arbeitsbedingungen und hohe Umweltschutz-Standards haben die im Weltmaßstab führende deutsche Bergbautechnologie hervorgebracht.

In den zehn verbliebenen deutschen Steinkohlebergwerken, zusammengefaßt in der Deutschen Steinkohle AG (DSK), werden heute pro Jahr rund 26 Mio. Tonnen gefördert.

Zukunft der Steinkohle

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Heute und in Zukunft sind alle Anstrengen darauf gerichtet, durch Rationalisierung und Kostensenkung die Mittel aus öffentlicher Unterstützung so optimal wie möglich einzusetzen. Hinzu kommt, daß die staatlichen Beihilfen im Jahr 2005 auf unter 60 Prozent gegenüber 1997 reduziert sein werden. Diese Reduzierung ist einmalig im Vergleich zu anderen Subventionsempfängern, und zwar einschließlich der Steuervergünstigungen in einigen Bereichen. Mit der Konzentration auf die verbliebenen Hochleistungsbetriebe, der gezielten Optimierung der Gewinnungstechnik und der laufenden Verbesserung der Prozeßabläufe ist es gelungen, die Produktivität innerhalb der letzten Jahre um rund 16 Prozent zu erhöhen und dabei die Förderkosten um fast 15 Prozent zu senken.

Rationalisierung und Optimierung

Neben der Produktivitätserhöhung mußten weitreichende Rationalisierungsmaßnahmen zur Kostensenkung entwickelt und durchgesetzt werden. Bei der Reduzierung der Kosten für Betriebsmittel, Ersatzteile und Hilfsstoffe beispielsweise waren die Zentralisierung des Bestandsmanagements und der Aufbau einer zentralen Disposition entscheidende Schritte. 320.000 Artikel, vom Putztuch bis hin zum extrem teuren Förderstreckenantrieb, sind in bedarfsgerechten Mengen bereitzuhalten. Die bergbauspezifischen Besonderheiten vieler Artikel (Explosionsschutz, Bauart etc.) erschweren den Beschaffungsprozeß erheblich. Die hohen Preise und die langen Lieferzeiten für technische Ausrüstungen zum Einsatz unter Tage erfordern sorgfältige Bedarfsplanung und vorausschauende Disposition. Dennoch müssen die für den reibungslosen Betrieb erforderlichen Betriebsmittel und Ersatzteile in ausreichenden Mengen verfügbar sein. Vor wenigen Jahren noch wurden die diversen Läger an den insgesamt 25 Standorten der DSK dezentral verwaltet. Die Materialdisposition erfolgte ebenso dezentral, was zur Folge hatte, daß jeder Betrieb die Bestände seinem Sicherheitsbedürfnis entsprechend hoch angelegt hatte. Heinz Bosch, stellvertretender Leiter der zentralen Dispositionsabteilung der DSK in Gelsenkirchen, erinnert sich: „Das Problem der hohen Sicherheitsbestände war zwar bekannt, ließ sich jedoch ohne geeignete EDV-Hilfsmittel nicht lösen. Dezentrale Optimierungsmöglichkeiten durch den Einsatz lokaler Bestandsmanagementsysteme wurden ins Auge gefaßt, aber zugunsten einer umfassenden EDV-Lösung für alle Unternehmensbereiche verworfen.“

Bündelung der Materialwirtschaft

Parallel zur unternehmensweiten Einführung des SAP R/3 Systems im Jahr 1999 wurde zunächst die Lagerverwaltung und kurze Zeit später die gesamte Materialwirtschaft zentralisiert. Die Läger in den Betrieben blieben dabei erhalten, um besonders wichtige Materialien und Betriebsmittel weiterhin jederzeit vor Ort verfügbar zu halten. Größere Bestände und hochwertige Ersatzteile wurden jedoch in zwei Zentrallägern an der Ruhr und einem Zentrallager an der Saar zusammengefaßt, wo sie auf Anforderung allen Betrieben zur Verfügung stehen. Die wirkungsvollste Rationalisierungsmaßnahme im Zuge der Reorganisation war zunächst die Zusammenfassung aller dezentralen Lagerwirtschaften zu einer Direktion im Jahr 2000 und die Einrichtung einer zentralen Beschaffungsdisposition im Sommer 2001. Franz-Josef Heiermann, Leiter der Betriebsdirektion Materialwirtschaftliche Logistik, blickt zufrieden auf die ersten Erfolge zurück: „Endlich waren wir in der Lage, die Bestände aller Läger übersichtlich in einem EDV-System darzustellen und bedarfsgerecht auszugleichen. Mehrfach angelegte Sicherheitsreserven konnten aufgelöst werden und schon dadurch hohe Einsparungen erzielt werden.“

150.000 Bestellvorgänge pro Jahr

Jährlich werden in der neuen Gelsenkirchener Zentral-Disposition mehr als 150.000 Bestellvorgänge mit einem Gesamtwert von rund 500 Millionen Euro abgewickelt. Ein großer Teil dieser Beschaffungsaufträge wird jedoch nicht als Neubestellung mit Lieferanten, sondern als Bestellanforderung (BANF) zwischen den einzelnen Standorten abgewickelt. Ein Disponent sieht auf seinem Bildschirm für einen von Werk X angeforderten Artikel die Bestandsmengen dieses Artikels in den Lägern aller anderen Werke. Wenn möglich, wird dieser Bedarf dann durch Umlagerung gedeckt. Erst wenn der Gesamtbestand dieses Artikels eine festgelegte Reichweite unterschreitet, wird eine Neubestellung beim Lieferanten ausgelöst.

Controlling-Tool ergänzt SAP R/3

Etwa 50 Mitarbeiter - überwiegend Kaufleute, aber auch Techniker verschiedener Fachrichtungen - sind heute in der zentralen Disposition tätig. Das sind über 50 Prozent weniger gegenüber der früheren dezentralen Materialwirtschaft. Doch trotz der erheblichen Personaleinsparung arbeitet das zentrale Team heute effizienter als früher. Mit Hilfe der modernen EDV konnten die Bestände mittlerweile um mehr als 20 Prozent reduziert werden, obwohl Verfügbarkeit und Servicegrad von Betriebsmitteln und Ersatzteilen im gleichen Zeitraum um etwa zehn Prozentpunkte gesteigert werden konnten.

Doch allein mit den Möglichkeiten des SAP R/3 Systems war dieses Resultat nicht zu erzielen. Bald nachdem die operative Abwicklung der zentralen Beschaffungsvorgänge zur Routine geworden war, erhöhten sich die Anforderungen der Disponenten bezüglich Transparenz und Genauigkeit der Dispositionsparameter. Man hatte erkannt, daß weiteres Optimierungspotenzial in den Beschaffungsvorgängen enthalten war, welches durch präzisere Angaben über beispielsweise die tatsächliche Wiederbeschaffungszeit und eine bessere Kontrolle der übrigen Beschaffungsparameter genutzt werden kann.

Da die Möglichkeiten des SAP-Systems im Dispositionsbereich bereits ausgelastet waren, entsann man sich des bereits früher für die dezentrale Bestandsoptimierung ins Auge gefaßten Softwaresystems add*ONE. Die Optimierungssoftware des Aachener Systemhauses Inform versprach die Lösung des Problems, da sie nicht nur als komplettes Bestandsmanagementsystem eingesetzt, sondern auch gezielt zur Lösung spezifischer Aufgaben genutzt werden kann.

Nachdem die IT-Verantwortlichen der DSK einer Add-On-Lösung für das SAP-System zugestimmt hatten, wurde man sich schnell mit den Spezialisten der Firma Inform einig. Das Controlling-Modul des Bestandsmanagementsystems add*ONE sollte zur Unterstützung der Disponenten zur Anwendung kommen. Es sollte regelmäßig alle Bestands- und Bewegungsdaten aus dem SAP-System einlesen, auswerten und den Disponenten ohne Ressourcenbelastung des operativen Systems präzise Informationen über die Beschaffungsparameter und Meldungen kritischer Zustände liefern.

Transparenz statt Kontrolle

Heute besitzt die DSK 55 add*ONE-Lizenzen, so daß alle Disponenten, Lagerverantwortlichen und das Management über das DV-Netzwerk jederzeit Zugriff auf optimal aufbereitete Dispositionsparameter und aussagefähige Auswertungen der zurückliegenden Beschaffungsprozesse haben. „Anfangs sahen unsere Disponenten das Controlling-Tool allerdings nicht nur als Hilfsmittel an“, berichtet Heinz Bosch. „Sie befürchteten, dadurch einer gewissen Fremdkontrolle zu unterliegen. Wir konnten sie jedoch bald davon überzeugen, daß die Auswertungen der Beschaffungsdaten ausschließlich als wirkungsvolles Steuerungsinstrument eingesetzt werden, ihnen eine außergewöhnliche Transparenz über alle Parameter bieten und sie letztlich nur von Routinetätigkeiten entlasten.“

Das Programmsystem add*ONE ist unter Windows NT auf einem handelsüblichen Server-PC mit Dualprozessor und 1 GByte Arbeitsspeicher installiert. Über eine standardisierte Datenschnittstelle kommuniziert es mit SAP R/3. Das Controlling-Tool wertet heute fast 2.000.000 Artikelsätze aus. Dazu wird an jedem Wochenende ein Datenabgleich mit den Beschaffungsdaten des SAP-Systems durchgeführt. Dies reicht für Controllingzwecke völlig aus, da Dispositionsparameter wie beispielsweise Lieferzeit und Losgröße aus den Aufträgen der Vergangenheit abgeleitet werden und sich nicht sehr kurzfristig ändern.

Präzise Disposition

Die tatsächliche Lieferzeit kritischer Ersatzteile ist eine der wichtigsten Informationen für die Disponenten. Sie resultiert aus den Erfahrungen mit den entsprechenden Lieferanten und bestimmt maßgeblich den Bestellzeitpunkt und je nach geforderter Reichweite die Höhe der aktuellen Bestände. Die aktuell errechnete Lieferzeit des Controlling-Tools ist zudem nach Alter der Daten gewichtet. Jüngere Lieferungen werden dabei stärker bewertet als länger zurückliegende.

Bei ihrem Tagesgeschäft arbeiten die Disponenten an ihrem Bildschirm parallel mit dem operativen System und dem Controlling-Programm. Bei kritischen Artikeln können sie in add*ONE kontrollieren, ob die Dispositionsparameter im SAP-System noch den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechen und sie gegebenenfalls korrigieren. Als sehr vorteilhaft hat sich erwiesen, daß die gesamten Auswertungen aus den zurückliegenden Beschaffungsprozessen quasi auf Mausklick zur Verfügung stehen. Fertig aufbereitet und grafisch dargestellt bieten sie den Disponenten direkten Zugriff auf die wichtigsten Endscheidungsgrundlagen. Ohne add*ONE müßten die Disponenten innerhalb des SAP-Systems mühsam nach den entsprechenden Angaben suchen und könnten nicht auf individuell zusammengestellte grafische Auswertungen zugreifen. „Ich möchte auf die Möglichkeiten von add*ONE nicht mehr verzichten,“ erklärt André Rous, Disponent in der Bezirksdirektion Gelsenkirchen. „Anschauliche grafische Darstellungen und transparente Kreuztabellen sind viel schneller zu erfassen als lange Zahlenkolonnen. Portfolio-Analysen wie beispielsweise Planlieferzeit gegenüber errechneter Wiederbeschaffungszeit oder Umschlagshäufigkeit zu Umsatz führen mich schnell zu kritischen Materialnummern.“

Franz-Josef Heiermann, Leiter der Betriebsdirektion Materialwirtschaftliche Logistik in Herten, ist mit dem Ergebnis der Reorganisationsmaßnahmen und der Effizienz der zentralen Disposition zufrieden: „Es zeichnet sich ab, daß mit Hilfe des Controlling-Tools automatisch eine permanente Verbesserung der Dispositionsparameter erreicht wird, die logischerweise zu immer präziseren Beschaffungsprozessen führt und erfreulicherweise die Bestände weiter sinken lässt.“