Grundlegend für die Planung und die Konzeption der technischen Systemeinheiten war die Forderung, das Materialhandling im luxemburgischen Werk Rodange in einem neu festgelegten Rahmen leistungsgerecht und zukunftssicher zu gestalten. Als eigentliche Kenngröße gilt die enorme Kapazitätssteigerung von etwa 100 Prozent in diesem Werk für die Herstellung von Etiketten-Basismaterial.

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Allein um die zwei installierten Hochleistungs-Beschichtungsanlagen nach aktuellem Bedarf mit Papierrollen, dem Rohmaterial aus verschiedenen Qualitäten, unterbrechungsfrei versorgen zu können, verlangt die Vorratshaltung eine hinreichende Lagerkapazität. Außerdem gehört zu den optimierten Herstellabläufen, daß beschichtete Papierrollen in großer Zahl zwischengelagert werden müssen, und zwar bis zum Abruf von den Schneidautomaten.

Automatisches Hochregallager

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Vor diesem Hintergrund führte die Planung zu einem automatischen Hochregallager von 142 m Länge, 20 m Höhe und 18 m Breite. Diese Abmaße entstanden durch die Wahl einer zweigassigen Ausführung mit fest zugeordneten automatischen Regalbediengeräten, die zusammen 3.000 Lagerplätze bedienen. Maßgebend für die Konzeption war vor allem das Lagergut: die bis zu 4,5 t schweren, 1,5 m Durchmesser und 2,7 m Länge aufweisenden Papierrollen.

Da es sich um empfindliche Lagergüter gegenüber allen äußeren Einflüssen handelt, entwickelte CTI ein schonendes, jegliche Qualitätsminderung vermeidendes Regalbedien-Handling: muldenförmige Segmente innerhalb der Regalplätze für günstige Eigengewichtsverteilung und sanfte Auflage der Papierrollen. Und in Verbindung dazu teleskopierbare Lastgabeln auf den Regalbediengeräten, die schalenförmig ausgebildet sind und beidseitig neben der Lagerplatzmulde die Papierrollen aufnehmen.

20 Sorten Papierrollen

Die mit Lkw angelieferten Papierrollen, insgesamt zwanzig verschiedene Sorten, werden zuerst auf spezielle Bereitstellplätze abgelegt. Danach wird der Barcode eingelesen für die Materialverwaltung, die Produktionssteuerung und den automatischen Systemablauf. Dieser beginnt in der Weise, daß zwei auf Bodenschienen eingesetzte Verteilwagen die Papierrollen von den Bereitstellplätzen holen und zu einer Übernahmestation der Regalbediengeräte fahren. Die Verteilwagen haben außerdem die Aufgabe, ausgelagerte Papier-(Rohmaterial)-rollen aus dem Stirnbereich des Hochregallagers zu vier stationären Wechselplätzen zu bringen, den eigentlichen Verknüpfungspunkten mit der Fertigung.

Fahrerloses Transportsystem

In dieser Zone beginnt der Leistungsbereich des automatischen Materialflußsystems zur Ver- und Entsorgung der Fertigungsanlagen. Um über weitreichende Flexibilität bei allen Abläufen zu verfügen sowie eine Anpassung an später notwendige Leistungssteigerungen problemlos realisieren zu können, entschied man sich zugunsten eines Fahrerlosen Transportsystems (FTS) mit neun Fahrzeugen für den lasergesteuerten Betrieb. Die erste Hauptaufgabe des FTS besteht darin, die aus dem Hochregallager bereitgestellten Papierrollen zu den zwei Beschichtungsanlagen zu fahren (hier erfolgt nach dem Auftragen einer Klebeschicht die Verbindung mit einer zusätzlichen Papierschicht). Die zweite Hauptaufgabe des FTS umfaßt Aufnahme und Transport all jener Rollen, die aus dem fertigen, also zwei Papierlagen vereinenden Etiketten-Basismaterial hergestellt worden sind. Der Weg dieser sogenannten Mutterrollen verläuft von den Beschichtungsanlagen zu den Einlagerungsstationen am Hochregallager, das für die prozeßoptimierende Zwischenlagerung der Rollen bis zu ihrer Weiterverarbeitung bestimmt ist.

Schlüsselfertig in acht Monaten

Den Transport der zwischengelagerten Mutterrollen zu den Schneidmaschinen übernimmt ebenfalls das FTS. Allerdings verfügt das Hochregallager für diese Auslagerungs- und Bereitstellfunktionen über einen separaten Ausgang, der an der zweiten Stirnseite des Hochregallagers integriert ist.

Das neue Materialfluß- und Lagersystem von Avery Dennison im Werk Rodange wurde nach einem Zeitraum von nur acht Monaten seit dem Beginn der Planung bereits im Herbst 2003 schlüsselfertig von der CTI Systems übergeben. Damit wird die Produktionsbasis von Avery Dennison als einer der größten Etikettenhersteller Europas mit eigenen Entwicklungs- und Forschungsaktivitäten (vor allem für die Kundenbereiche Lebensmittel, Pharmazie und Kosmetik) weiter ausgebaut. Und zwar im Rahmen des europäischen Produktionsverbundes mit Werken in Frankreich, Italien und Deutschland. Immerhin erreichte das Unternehmen vorher schon eine Jahreskapazität von über 80 Milliarden Labels.