Die Firmengruppe Selecta in Stuttgart-Mühlhausen ist einer der weltweit führenden Spezialisten für die Züchtung und Vermehrung von Zierpflanzen. Das 1890 gegründete Familienunternehmen arbeitet heute mit mehr als 1.000 Mitarbeitern an vier internationalen Produktionsstandorten sowie mit 90 Lizenznehmern. Der ständig wachsende Flächenbedarf und der zunehmende Mangel an qualifizierten Arbeitskräften zwang den Gartenbaubetrieb schon in den Neunzigerjahren zu einer Mechanisierung der Arbeitsprozesse. Heute erledigt eine Automatikanlage alle notwendigen Transporte innerhalb des Betriebs.

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Die Ladehilfsmittel

Als Ladehilfsmittel dienen in diesem System rund vier Meter lange Aluminiumtische mit Trays zur Aufnahme von bis zu 3.000 Pflanzen. Das Gesamtgewicht eines beladenen Tisches beträgt bis zu 145 Kilogramm. Die mit leeren Trays bestückten Tische lagern zunächst im Keller, wo die Trays automatisch mit Ballen aus Torfsubstrat und Fasern bestückt und die Tische danach aufgestapelt werden. Ein Mitarbeiter belädt die Tische nach Vorgabe mit Tüten, die unbewurzelte Stecklinge enthalten, und mit Etiketten zur Kennzeichnung des Tisches. Die Identität behält der Tisch während des gesamten Transports bis zur Entleerung beim Verpacken.

Laser-Positioniersystem

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Die Tische gelangen mit zwei Paternosteraufzügen vom Keller in die darüber liegende Arbeitshalle. Hier übernimmt sie eines von zwei induktiv geführten fahrerlosen Transportfahrzeugen der MLR System GmbH aus Ludwigsburg. Innerhalb des FTF befinden sich ebenfalls zwei Paternoster, die mit ihren drehbaren Fingern die Tische einzeln unterfahren und anheben. Die Fahrzeuge sind mit einem Laser-Positioniersystem ausgerüstet und ähneln einem Portalhubwagen. Mit einer maximalen Nutzlast von 2,6 Tonnen können sie Stapel aus bis zu 18 beladenen oder 34 leeren Tischen aufnehmen, die sie zu den Arbeitsstationen fahren.

Um die Mitarbeiter in den befahrbaren Bereichen nicht zu gefährden, verfügen die Geräte an allen vier Seiten über Scanner zur Hinderniserkennung und Schaltleisten sowie über mehrere Notaus-Taster.

18 Arbeitsstationen

Jede der 18 Arbeitstationen besteht aus einem Arbeitstisch mit Rollenbahnen sowie aus drei Bring- und vier Abhol-Pufferplätzen. An freien Pufferplätzen setzen die Transportfahrzeuge jeweils einen Tisch ab. Einen der Tische zieht ein Mitarbeiter von Hand über die Rollenbahn auf den Arbeitstisch, worauf der frei gewordene Pufferplatz mit dem nächsten Tisch besetzt wird. Die Mitarbeiter setzen die unbewurzelten Stecklinge in die vorbereiteten Fasertöpfe und schieben den fertigen Tisch danach in den Abfuhrpuffer. Sobald dort eine festgelegte Anzahl von Tischen bereitsteht, erhält ein Transportfahrzeug den Auftrag, die Tische abzuholen und zu einem der in zwei Reihen gegliederten Gewächshäuser zu bringen, welcher neben der Arbeitshalle angeordnet sind.

Automatische Abstimmung

Verbunden sind die Wege im Gewächshaus und die Arbeitshalle mit einem Quergang an der Stirnseite. Für einen Richtungswechsel hebt das Transportgerät an den Eckpunkten den Außenrahmen an, dreht die Räder um 90 Grad, setzt die Räder wieder auf und fährt dann in neuer Richtung weiter. An der vorgegebenen Reihe des Gewächshauses fährt das FTF eine leichte Schräge hinab und setzt die Tische einzeln an der vom Zentralrechner bestimmten Position auf dem Boden ab. Die Schrägfahrt ist notwendig, weil der Gewächshausboden acht Zentimeter tiefer liegt als der Hauptgang, um die abgestellten Pflanzen mit einem automatischen Ebbe-Flut-System bewässern zu können. Bewässert werden die Pflanzen zudem mit computergesteuerten, neun Meter breiten Gießwagen, die durch das Gewächshaus fahren und deren Bewegungen automatisch mit denen der Transportgeräte abgestimmt werden, um Kollisionen zu vermeiden.

Wenn die Jungpflanzen zur gewünschten Größe herangewachsen sind, nehmen die Transportfahrzeuge die Tische erneut auf und bringen Sie zu den Arbeitsstationen, wo die einzelnen Sorten manuell verpackt werden. Bis zum Versand lagern die Pflanzen im Kühlhaus. Die leergeräumten Tische werden in den Keller transportiert, wo sie automatisch gewaschen und desinfiziert werden. Tische mit Restpflanzen kommen zurück ins Gewächshaus. Durch den effizienten Einsatz der fahrerlosen Transportsysteme kann der Gartenbaubetrieb bis zu 300.000 Pflanzen täglich ausliefern.