"Angesichts der Fehlerquote mussten wir handeln"

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Lagerverwaltung - Medienbrüche, Fehler und viele Leerfahrten im Werkverkehr: Die Ostendorf-Gruppe musste ihre Prozesse über mehrere Standorte verbessern. Nun im Einsatz: ein Lagerverwaltungs- system und Hardware von Pro Logistik.

25. Mai 2018
© Pro Logistik
Bild 1: "Angesichts der Fehlerquote mussten wir handeln" (© Pro Logistik)

Die Bestandssicherheit erhöhen und die Lieferqualität verbessern. Mit diesen Zielen hat die Ostendorf-Gruppe ein neues Lagerverwaltungssystem (LVS) eingeführt, das alle drei Lagerstandorte in Deutschland des Herstellers von Kunststoffrohren und Formstücken abbildet. Angebunden sind weitläufige Blocklagerflächen sowie ein vollautomatisches Hochregallager, das im Mai 2017 seinen Betrieb am Firmensitz in Vechta aufgenommen hat. Seit mehr als 40 Jahren zählt die Gebr. Ostendorf Kunststoffe GmbH zu den führenden Anbietern von drucklosen Abwasserrohrsystemen »Made in Germany«. Als Partner des Sanitär- und Baustoffhandels vertreibt das Familienunternehmen nicht nur die eigene Markenwelt, sondern produziert auch für andere Anbieter. Der Vollsortimenter ist mit weiteren Niederlassungen in Emstek/Niedersachsen sowie im bayerischen Rain am Lech vertreten.

»Wir mussten handeln«

Zur Bevorratung des rund 4.000 Artikel umfassenden Angebotsspektrums dienten bis Anfang letzten Jahres größtenteils Außenlagerareale, ergänzt um Lagerhallen für Kartonware und Bereitstellflächen in den Kommissionierhallen. Hinzu kamen Lkw-Ladeplätze. Letztere waren nur beschränkt nutzbar, sodass Ganzpaletten während der Direktverladung in der Regel direkt von den Blocklagerplätzen per Gabelstapler zugeführt wurden. Das Betriebsgelände in Vechta ist zudem von regem Werksverkehr geprägt. Dort sind zwei Produktionsstätten mit angebundenen Lagerbereichen angesiedelt. Kommissioniert wird standortübergreifend von Paletten oder Gitterboxen, die einzeln oder gestapelt Bodenplätzen zugeordnet sind.

Gewachsene Strukturen sowie eine zettelbasierte Arbeitsweise führten dazu, dass zunehmend Defizite in puncto Transparenz, Bestandssicherheit und Lieferqualität zu verzeichnen waren. »Angesichts der hohen Fehlerquote in Verbindung mit vielen Leerfahrten mussten wir handeln«, berichtet Stephan Osterhues, Leiter IT bei Ostendorf. Es galt also, Logistikprozesse zu optimieren, Medienbrüche zu eliminieren und auf vollständige Digitalisierung umzusteigen, um letztlich robuste Prozesse innerhalb und zwischen den Werken implementieren zu können. Bei der Suche nach einem geeigneten Realisierungspartner überzeugte das Dortmunder Intralogistik-Systemhaus Pro Logistik. Dazu Stephan Osterhues: »Der große Vorteil von Pro Logistik ist, dass das Unternehmen sowohl die Lagerverwaltungssoftware als auch die erforderliche Hardware komplett aus einer Hand anbieten kann.«

Individuell angepasst

Der Startschuss für die Implementierung des pL-Store Techline am Standort Vechta fiel im Jahr 2013. Der Go-Live erfolgte im Oktober 2014. »Bei dem pL-Store Techline handelt es sich um eine Lagerverwaltungssoftware, die auf die besonderen Anforderungen des Sanitär- und Baustoffsektors und des technischen Großhandels zugeschnitten ist«, erklärt Sascha Gutherz, verantwortlicher Projektleiter bei Pro Logistik. Diese Standardlösung bietet Applikationen der Basissoftware, ergänzt um branchenspezifische Funktionen.

Im Fall von Ostendorf hatte jeder Prozess allerdings eine oder mehrere Individualanpassungen hinter sich, darunter:

– Anbindung ERP als zentrale Steuerung zwischen dem angebundenen Lagerverwaltungssystem (LVS),

– Wareneingang mit avisierten Paletten,

– Direktverladung vom Blockplatz,

– Kommissionierung auf Basis von Paletten, die durch das ERP vorgeplant werden,

– Auftragszusammenstellung aus mehreren Standorten mit Unterstützung der Umlagerung,

– Pfanderfassung und

– Anbindung an ein automatisches Hochregallager.

Effiziente Abwicklung

»Die Hauptschwierigkeit lag darin, ein stimmiges Konzept für eine effiziente Abwicklung der Inter-Company-Logistik zwischen unseren beiden Nord-standorten zu finden und in die Realität zu überführen«, berichtet Stephan Osterhues. Um Durchlaufzeiten zu reduzieren und die Termintreue zu erhöhen, haben die Partner schließlich einen Cross-Docking-Prozess zwischen den Werken und über die drei im Einsatz befindlichen Systeme etabliert. Dabei fungieren beide Werke sowohl als Lieferant als auch als Umschlagpunkt. Ein weiterer Vorteil ist, dass Bestände reduziert und Lagerkosten eingespart werden können. Gleichzeitig entfallen Ein- und Auslagerprozesse, sodass auch hier laut Pro Logistik der zeitliche und monetäre Aufwand sinkt.

Der Rollout auf Emstek und Rain am Lech folgte im September und Oktober 2015. Seither wird hier ebenso wie in Vechta neben der Lagerverwaltungssoftware auch Hardware von Pro Logistik genutzt. Dabei handelt es sich um mit neuester Scantechnologie ausgestattete Handgeräte für die mobile Datenerfassung. Ergänzend werden Industrieterminals mit Touchtechnologie aus der pro-V-pad-Baureihe genutzt. In Summe sind über sämtliche Standorte heute 65 Geräte für die mobile Datenerfassung bei Ostendorf im Einsatz. Auf den Blocklagerflächen geschieht dies über Bodenmarkierungen sowie ebenerdig aufgebrachte Prüfzahlen. Weitere Lagerorte sind durch Barcodes direkt am Stellplatz sowie durch herabhängende Schilder ausgezeichnet worden. Sämtliche Informationen werden via WLAN an das LVS übertragen.

Neues Hochregallager

Weitere Anpassungen an der Lagerverwaltungssoftware waren erforderlich, als Ostendorf über den Jahreswechsel 2016/17 auf ein neues ERP-System umstieg. Parallel liefen die Vorbereitungen zur Inbetriebnahme eines automatischen Hochregallagers. Diese Anlage verfügt über einen separaten Materialflussrechner, für den Pro Logistik eine Schnittstelle zum pL-Store-LVS entwickelt hat. Über diese werden die Ein- und Auslageraufträge sowie das Fehlerhandling abgedeckt. Da mit dem Hochregallager das letzte System in einer mehrjährigen Projektphase in Betrieb gegangen ist, befindet man sich aktuell noch in der Optimierungsphase.

Gleichwohl zieht Ostendorf-IT-Leiter Stephan Osterhues ein erstes Fazit: »Positive Auswirkungen machen sich direkt in der Inter-Company-Logistik bemerkbar. Hier verzeichnen wir bereits eine gestiegene Geschwindigkeit in der Abwicklung, eine geringere Fehlerquote sowie eine deutlich erhöhte Bestandssicherheit.«

Daten & Fakten

Pro Logistik bietet als »Systemhaus für intelligente Lösungen« im Bereich der Lagerverwaltung alles, was in der Welt der Intralogistik benötigt wird.

Das Unternehmen verfügt über ein breites Spektrum an Produkten auf Hard- und Softwareebene, die Abläufe der Lagerverwaltung optimieren sollen.

Erschienen in Ausgabe: 03/2018