Arbeitsplatzsysteme

Arbeiten ohne Grenzen

Qualifiziert, motiviert und trotzdem arbeitslos. Für behinderte Menschen ist das oft Realität. Dabei braucht es nicht viel, um Arbeitsumgebungen behindertengerecht zu gestalten, berichtet Item.

08. Oktober 2018
Arbeiten ohne Grenzen
Wichtig: Das Mobiliar sollte Beinfreiheit bieten. (Bild: © Item)

Was hält behinderte Menschen vom Arbeiten ab? Eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit ist es meist nicht, denn ein Handicap bedeutet nicht automatisch eine geringere Qualifikation. Vielmehr stellen konventionelle Arbeitsplätze eine Barriere dar. Laut der Bundesagentur für Arbeit ist die Arbeitslosenquote unter schwerbehinderten Menschen seit 2007 in der Tendenz zwar kontinuierlich gesunken, dennoch liegt sie aktuell mit circa 12 Prozent immer noch rund doppelt so hoch wie die unter Menschen ohne Behinderung.

Viele Unternehmen haben Angst vor hohen zusätzlichen Kosten, die mit der Einstellung eines behinderten Mitarbeiters einhergehen. »Diese Befürchtungen sind aber unbegründet. Meist lassen sich schon mit geringem Aufwand Arbeitsplätze schaffen, die für behinderte Mitarbeiter geeignet sind«, berichtet Marius Geibel, Experte für Arbeitsplatzsysteme und Produktmanager bei Item (siehe Kasten).

Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels stellten Investitionen in behindertengerechte Arbeitsplätze Investitionen in die Zukunft dar. Mit modernen und flexiblen Systemen lassen sich laut Item die Arbeitsumgebungen so gestalten, dass der Mitarbeiter mit Handicap genau die Unterstützung erhält, die er bei seiner Tätigkeit braucht. Grundsätzlich gilt: Unternehmen in Deutschland haben die Pflicht, ab einer Unternehmensgröße von 20 Arbeitsplätzen schwerbehinderte Menschen einzustellen. Wer dem nicht nachkommt, muss für jeden unbesetzten Pflichtarbeitsplatz eine Ausgleichsabgabe entrichten. Doch anstatt Geld in neue Mitarbeiter zu stecken, nehmen viele Unternehmen lieber die Ausgleichsabgabe in Kauf.

Vorteile bei öffentlichen Aufträgen

Dabei können sie in vielfältiger Weise von der Einrichtung behindertengerechter Arbeitsplätze profitieren. Ein Beispiel: Öffentliche Aufträge können besser akquiriert werden. Es geht also nicht nur um soziale Verantwortung sondern auch um wirtschaftliche Aspekte. Außerdem gibt es finanzielle Fördermöglichkeiten, die Unternehmen bei der Einrichtung von behindertengerechten Arbeitsplätzen in Anspruch nehmen können.

Daten & Fakten

Item Industrietechnik ist im Bereich Systembaukästen für industrielle Anwendungen tätig. Das Produktportfolio umfasst mehr als 3.500 Komponenten zur Konstruktion von Maschinengestellen, Arbeitsplätzen, Automationslösungen und Lean-Production-Anwendungen.

Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Solingen und elf Niederlassungen und Stützpunkte in ganz Deutschland.

Wann ist ein Arbeitsplatz »barrierefrei«?

Die Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben erfordert Arbeitsplätze, die den besonderen Bedürfnissen gerecht werden. In diesem Zusammenhang spielt der Begriff »Barrierefreiheit« eine Rolle. Ein Arbeitsplatz für Beschäftigte mit Behinderung ist dann barrierefrei, wenn Folgendes erfüllt ist: Bauliche Anlagen, Transport- und Arbeitsmittel, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische, visuelle und taktile Informationsquellen sowie Kommunikationseinrichtungen sind ohne besondere Erschwernisse und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar. Um das zu erreichen, gibt es modulare Arbeitsplatzsysteme, die, im Gegensatz zu konventionellen Werkbänken, eine ergonomische und barrierefreie Gestaltung von Arbeitsumgebungen ermöglichen.

Doch was ist bei der Einrichtung wichtig? Vor allem gilt es, die Bedürfnisse des Mitarbeiters genau zu kennen, da sich je nach Beeinträchtigung spezielle Bedürfnisse ergeben. Um passgenaue Lösungen zu realisieren, bietet Item nach eigenen Angaben zahlreiche Produkte an. Meistens ist es so, dass Menschen, die im Rollstuhl sitzen oder geh- und stehbehindert sind, über einen begrenzten Greifraum verfügen. Ein Beugen oder Strecken des Körpers, um Gegenstände zu erreichen, die weiter als eine Armlänge entfernt sind, ist oft nicht möglich. »Daher müssen alle benötigten Arbeitsmittel wie Werkzeuge oder Bauteile im unmittelbaren Greifraum angeordnet sein«, empfiehlt Marius Geibel.

Inklusion und Produktivität sind kein Gegensatz

Mehrachsige Schwenkarme etwa ermöglichen eine individuell anpassbare Materialbereitstellung. Eine bedarfsgerechte, mobile Teilebereitstellung durch höhenverstellbare Geifbehälter, die in unmittelbarer Reichweite des Mitarbeiters platziert sind, erleichtert Mitarbeitern mit Handicap das Greifen. Außerdem sollte der Arbeitsplatz unterfahrbar sein, um den Aktionsradius bei Greifbewegungen zu erweitern. »Konventionelle Werkbänke lassen dies nicht zu. Die Lösung ist allerdings ganz einfach: Bei Tischen in C-Form ist sichergestellt, dass das Mobiliar ein Größtmaß an Beinfreiheit bietet«, erklärt Marius Geibel. »Behindertengerechte Arbeitsplätze müssen zwei Anforderungen erfüllen: Zum einen müssen sie wirtschaftlichen Ansprüchen genügen, zum anderen die Mitarbeiter mit Handicap unterstützen. Das ist gelebte Inklusion einschließlich Steigerung der Produktivität.«

Erschienen in Ausgabe: 05/2018