Aus für den Einzelhandel?

Online-Marktplätze - Stirbt der stationäre Handel? Wie gelingt die digitale Zukunft? Und welche Rolle spielen Marktplätze im E-Commerce von morgen? Beim diesjährigen E-Commerce-Barbecue in Bielefeld von B+S befassten sich die Teilnehmer mit den Herausforderungen der Branche.

18. Oktober 2019
Aus für den Einzelhandel?
Christian Athen vom Dienstleister odc sprach zur Herausforderung Multichannel. (© B+S)

Rest in Peace stationärer Handel«: Mit dieser Aussage provoziert Keynote-Speaker Marcus Diekmann vom Fahrradhersteller Rose Bikes die 520 Teilnehmer des Branchentreffs. Auf Einladung des Logistikdienstleisters B+S stellten sie sich beim E-Commerce BBQ in dessen Bielefelder Logistikcenter kontroversen Thesen. »Wir erzielen aktuell noch über 75 Prozent unserer Umsätze stationär – in den eigenen Stores und bei unseren Facheinzelhandelspartnern«, hielt Marc Freyberg, Marketingchef des Fashion-Labels Brax, dem Online-Fahrradhändler entgegen. Aber auch er ist davon überzeugt, dass digitale Marktplätze wie Amazon, Ebay und Co. eine immer wichtigere Rolle im E-Commerce spielen werden: »Der Anteil des stationären Handels ist zugunsten der E-Shops seit Jahren rückläufig und diese Tendenz beschleunigt sich eher noch.« Auch wenn es nach Alexander Durz vom Softwarehersteller Descartes geht, nimmt der Anteil dieser Plattformen unter den Vertriebskanälen weiter zu – jedoch nicht auf Kosten des stationären Handels.

Sein Unternehmen hat sich auf die Verknüpfung zwischen Online-Shops und Logistiksoftware spezialisiert und einen Trend zur Parallelität der diversen Handelskanäle ausgemacht. »Sowohl als auch lautet aktuell die Devise«, erklärt Durz. Die Vorteile dieser Entwicklung liegen auf der Hand: Digitale Marktplätze sind einfach im Handling, schonen Ressourcen und machen logistische Prozesse skalierbar. Dem Endkunden ermöglichen sie Transparenz und Vergleichbarkeit der Produkte. Aber für die Händler bedeuten sie zunächst Mehrarbeit.

Herausforderung Omnichannel

Durz betont: »Die Verbindung mehrerer Vertriebskanäle erfordert einen reibungslosen Datenaustausch, um beispielsweise Überverkauf zu vermeiden und damit die Kundenversprechen einhalten zu können. Ein einmaliger Datenaustausch pro Tag reicht bei der wachsenden Geschwindigkeit nicht mehr aus. Daten müssen heutzutage nahezu in Echtzeit automatisiert ausgetauscht werden.« Konnektivität laute das Zauberwort, um effektives Bestandsmanagement zu betreiben und sich sinnvoll an Marktplätzen beteiligen zu können. »Eine der größten Weiterentwicklungen für Online-Händler wird definitiv die Implementierung geeigneter technischer Infrastruktur sein, die der Komplexität von Multi- und Omnichannel-Strategien gerecht wird«, ist Christian Athen, Geschäftsführer vom E-Commerce-Dienstleister odc überzeugt. Dabei lohnt sich der Aufwand in mehrfacher Hinsicht: Gerade die Online-Plattformen bieten Händlern und Logistikdienstleistern neue Chancen zur Ressourcenoptimierung, beispielsweise durch die gemeinsame Verwendung von Infrastruktur wie Warehouses, Shop-Systemen und Payment-Lösungen.

»Als Logistiker können wir für unsere Kunden mit ineinandergreifenden Systemen die Versandbearbeitung maximal automatisieren und manuelle Prozesse weitestgehend eliminieren«, berichtet Stefan Brinkmann, Geschäftsführer des BBQ-Veranstalters B+S. Dabei sei der Effizienzgewinn unmittelbar vom Grad der Vernetzung sowie der Geschwindigkeit des Datenaustauschs abhängig.

In Echtzeit die Logistik zukunftsfit machen

»Mit Echtzeitkommunikation können wir das Bestandsmanagement optimieren, die Kapitalbindung verringern und so letztlich die Kosten senken«, verdeutlicht er. Damit liefen die Präferenzen der Kunden für Marktplätze mit der Optimierung von Logistikprozessen durch die Digitalisierung Hand in Hand.

Erschienen in Ausgabe: 05/2019
Seite: 28 bis 29

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