Ausgeprägte Führungsqualität

Konzepte

Praxis: Produkte von Kabelschlepp haben dazu beigetragen, dass ein 40 Meter hohes und 110 Meter langes Hochregallager bei laufendem Betrieb innerhalb des gesteckten Zeitrahmens saniert werden konnte.

02. Dezember 2008

>Der Lampenhersteller Osram beschäftigt mehr als 40.000 Mitarbeiter. Das Personal ist auf 49 Werke in 18 Ländern verteilt und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 4,6 Mrd. Euro. In Berlin fertigt Osram foto-optische Artikel sowie NAV-Brenner für Straßenbeleuchtungen, Entladungslampen und Hochleistungsscheinwerfer für die Filmindustrie. Das Hochregallager in Siemensstadt hat eine Länge von 110, eine Höhe von 40 und eine Breite von 30 Metern und ist mit sechs vollautomatischen Be- und Entladegeräten (RBGs) ausgestattet. Das Lager bietet Platz für 17.000 bis 22.000 Paletten und ist rund um die Uhr in Betrieb. Tag für Tag werden 1.600 Paletten bewegt.

Durch die Sanierung – sie war nach 24-jährigem Betrieb des Lagers fällig geworden – wurde der Durchsatz auf 150 Paletten pro Stunde (in beiden Richtungen) gesteigert. Die Planungen für den Umbau hatten im Februar 2006 begonnen. Der Umbau selbst, der unter Federführung einer auf solche Aufgaben spezialisierten Abteilung von Siemens erfolgte, begann zwei Monate später – bei laufendem Lagerbetrieb.

So wurde alle zwei Wochen ein RBG-Mast umgebaut. Auch die Laufschienen der RBG-Masten mussten im Zuge der Sanierung erneuert werden. Außerdem erhielt die Anlage eine neue Steuerung. Deshalb wurden auch die bis dahin zur Versorgung der Ladeeinrichtungen verwendeten, frei hängenden Schleppkabel mit jeweils 42 Adern durch neue Energieführungsketten und Leitungen ersetzt. Für die Lieferung der Energieführungskomponenten hatte Kabelschlepp den Zuschlag erhalten. Das Siegener Unternehmen lieferte nicht nur die Energieführungsketten, die Kanäle zur Führung der Ketten und die benötigten Life-Line-Leitungen, sondern übernahm mit der Bestückung der Ketten auch die Systemverantwortung für seinen Part.

Prädestinierte Produkte

Beim Thema »Ketten« entschied man sich für den Typ KC 0650, eine Kunststoffkette mit innen und außen lösbaren Aluminiumstegen, einer Innenbreite von 125 und einer Innenhöhe von 38 Millimetern. Die Ketten der K-Reihe (KC mit Aluminiumsteg, KE mit Kunststoffsteg) zeichnen sich durch eine robuste Laschenkonstruktion und ein gekapseltes, schmutzunempfindliches Anschlagsystem aus.

Die optimierte Gelenkkonstruktion nach dem Topf-Deckel-Prinzip sorgt für eine großflächige Kraftübertragung und prädestiniert die Ketten für den hängenden Betrieb. Ein weiterer Grund für den Einsatz der KC-Ketten war die Lieferfähigkeit im 1-Millimeter-Breitenraster (durch die Verwendung von Alu-Stegen). Damit konnte der Bauraum optimal genutzt werden. Zudem bieten Aluminium-Stege die schonendste Art, Leitungen und Schläuche zu führen.

Umsichtige Reserveplanung

Bestückt wurden die Ketten mit Life-Line-Steuerleitungen der Typen Control 400 Standard Plus, Power 700 C und Profibus 700 C. Damit sind die Ketten zu etwa 70 Prozent gefüllt. Die übrigen 30 Prozent sind als Reserve für etwaige Erweiterungen der Anlage vorgesehen. Zur Separierung der eingelegten Kabel genügte das Trennstegsystem TS0, das den Kettenquerschnitt in vertikale Kammern unterteilt. In jedes zweite Kettenglied wurden sieben Trennstege eingesetzt. Da die Ketten in Kanälen geführt werden, ist an jedes vierte Kettenglied eine Gleitscheibe montiert. Damit wird das Reibungs- und Verschleißverhalten der Kette im Kanal optimiert. Zudem bieten die Gleitscheiben einen seitlichen Schutz der Ketten beim Einführen in den Führungskanal und erhöhen die Stabilität der Kettenbänder.

Konstruktive Besonderheiten

Bei den Führungskanälen waren die Konstrukteure von Kabelschlepp vor spezielle Herausforderungen gestellt worden: Die Hubbewegung erfolgt mit einer Geschwindigkeit von 1 m/s und einer Beschleunigung von 0,4 m/s². Die RBG-Masten verfahren in horizontaler Richtung mit 3 m/s und einer Beschleunigung von ebenfalls 0,4 m/s². Um die bei diesen überlagerten Bewegungen auftretenden Kräfte aufzufangen, mussten die Kanäle relativ geschlossen ausgeführt werden. Eine weitere Besonderheit kam hinzu: Die RBG-Masten, an denen die Ablagekanäle montiert sind, biegen sich unter der Last der Paletten leicht durch. Die Standardkanäle sind jedoch für starre Untergründe konzipiert. Kabelschlepp löste das Problem, indem man kürzere Kanalabschnitte als üblich einsetzte und diese zusätzlich mit einer Einführungsschräge versah. Damit wurde eine stabile, gleichzeitig jedoch flexible Lösung gefunden.

Modifizierte Vorgehensweise

Obgleich Kabelschlepp seinen Kunden unter der Bezeichnung »Totaltrax« die Möglichkeit bietet, komplett bestückte und einbaufertig konfektionierte Energieführungsketten zu beziehen, wählte man für das Projekt bei Osram in Berlin ein modifiziertes Vorgehen. Wegen der großen Anlagenhöhe und des damit verbundenen, hohen Gewichts wurden zunächst die leeren Ketten montiert und erst danach mit Lei- tungen befüllt. Aus dem gleichen Grund wählte man eine doppelte Zugentlastung auf C-Schienen. Im Vorfeld der Umrüstung musste an jedem Mast ein rund 40 Meter hohes Gerüst in der Breite der Regalgänge angebracht werden. Erst die Gerüstkonstruktion machte Demontage und Montage der Komponenten möglich.

Erschienen in Ausgabe: 06/2008