Bito baut Behälterproduktion aus

Seit Fritz Bittmann bei Bito das Sagen hat, ist die Lagertechnik zum wichtigsten Umsatzträger geworden. Schon lange sind Regale und Behälter zu zentralen Produkten des Unternehmens geworden. Jetzt hat Bito in Lauterecken ein neues Kunststoffwerk in Betrieb genommen, um seine führende Rolle weiter auszubauen.

15. Januar 2002

Da sage noch einer, Regale und Lager hätten eine kurze Lebensdauer. Jürgen Schreck, der als Vertriebsleiter auch zur erweiterten Geschäftsführung bei Bito gehört, berichtet Rekordverdächtiges: & uot;Das Lager, das wir 1978 für Bosch in Karlsruhe als Distributionszentrum für Elektroteile gebaut haben, ist heute noch das größte Durchlauflager.& uot;

Solche Durchlauflager haben Bito groß gemacht, da ist sich Schreck sicher: & uot;Wir haben hierfür den Markt geschaffen.& uot; Dynamisierung und Automatisierung eines Lagers sind heute Themen, die die Entwickler voran treiben. Dazu gehören bei einem neuen Auftrag beispielsweise auch Untersuchungen darüber, ob die vorgesehenen Ladungsträger überhaupt auf den Rollenbahnen der Durchlauflager laufen. Einschlägige Prüfung und Gütezeichen signalisieren dem Kunden entsprechend solide Ausführung. Und auch wenn, wie bei Bosch, Regale sehr alt werden können, achtet Bito darauf, daß Neuentwicklungen kompatibel zu den bisherigen Regalsystemen sind. Jetzt allerdings mußte man einen Schnitt machen, wie Fertigungsleiter Hubert Bohr sagt: & uot;Unsere neuen Palettenregale weisen so viele Neuerungen auf, daß sie nicht mehr kompatibel zu den alten zu gestalten waren.& uot;

Neu im Programm sind mittlerweile auch verfahrbare Palettenregalsysteme - und nicht etwa nur die bekannten Archivschränke. Die Produktpalette umfaßt eine ganze Reihe von Typen vom mobilen Fachbodenregal über Schwerlast- bis zu Palettenregalanlagen. Selbst Durchlaufregale hat Bito schon ins Rollen gebracht. Die Argumente Schrecks sind leicht nachzuvollziehen: & uot;Mit verfahrbaren Regalanlagen läßt sich die Lagerkapazität im Vergleich zu herkömmlichen Anlagen auf gleicher Grundfläche nahezu verdoppeln.& uot; Wagenlängen bis 32 Meter und eine Traglast von 100 Tonnen lassen für Betreiber jede Menge Einsatzspielraum.

Neben dem großen Wurf gibt es noch die vielen durchdachten Detaillösungen. Speziell für die Automobilindustrie entstand der ausziehbare Palettenplatz, der die Warenentnahme erheblich erleichtert. Hochklappbare Rollenbahnen werden dagegen von der Lebensmittelindustrie geschätzt, weil die Regale damit für eine Reinigung des Fußbodens gut zugänglich sind.

Als Lagertechnik-Spezialist betreibt Bito seit längerem auch & uot;Regal-Tuning& uot;. Für Joachim Winters-Ohle, Verkaufsleiter Außendienst, ist das mehr als eine Modernisierung: & uot;Eine Anlage, die zwei oder drei Jahre steht, hat schon Optimierungsbedarf.& uot; Durch das Tuning werden beispielsweise bestehende statische zu leistungsfähigeren dynamischen Regalsystemen aufgerüstet. Damit könnten in vielen Fällen bereits erhebliche Rationalisierungspotentiale erschlossen werden. & uot;Für A- und B-Artikel sind heutige Lager bereits gut in Schuß, jetzt müssen wir, um Reserven auszuschöpfen, auch den C-Artikeln mehr Aufmerksamkeit schenken.& uot;

Ziel des Familienunternehmers Bittmann ist es, weiter aus eigener Kraft im europäischen Maßstab zu wachsen. Mit 585 Beschäftigten erzielte die Bito-Gruppe mit Niederlassungen in sieben europäischen Ländern einen Umsatz von 144 Millionen Mark. Im laufenden Jahr peilt das Unternehmen eine Steigerung auf 160 Millionen Mark an. Stärkster Auslandsmarkt ist Frankreich, und in der Schweiz halten die Pfälzer den größten Marktanteil. Seit Jahresbeginn ist Bito mit einer eigenen Tochter in Dänemark aktiv.

Ein Drittel der deutschen Produktion aus den beiden Werken Meisenheim und Lauterecken geht in den Export. Der Umsatz stammt aus immerhin 55.000 Aufträgen, davon etwa 60 Prozent, die im 72-h-Service ausgeliefert werden. Dazu verarbeitete Bito 22.000 Tonnen Stahl sowie 2.500 Tonnen Kunststoffgranulat.

Das neue Werk in Lauterecken, praktisch in Rufweite des Stammwerkes Meisenheim, soll die Marktposition des Unternehmens weiter stärken. Zwei Millionen Behälter pro Jahr (2000) haben Bito nach eigener Aussage zu den & uot;Top Five& uot; auf dem europäischen Markt aufrücken lassen. In Lauterecken soll nun ein weiterer Schritt vorwärts getan werden. Der relativ neue Maschinenpark wurde um eine neue Spritzgießmaschine (Schließkraft: 1.600 t) erweitert. Manfred Haben, Leiter Produktentwicklung Kunststoff, sieht das Unternehmen im Bereich Mehrweg-Behälter durchaus in einer Pionierrolle. Seit dem Einstieg in die Produktion von Mehrweg-Behältern im Jahr 1995 ist der Anteil solcher Behälter auf beachtliche 25 Prozent des gesamten Outputs an Kunststoffbehältern gewachsen: & uot;Wir haben uns nie an vermeintlichen Trends orientiert, sondern immer eine langfristige Strategie gefahren.& uot;

Dabei entwickeln ja alle Hersteller nach den gleichen Vorgaben: Möglichst großer Innenraum bei möglichst wenig Gewicht. Bei den Behältern der XL-Serie ist den Meisenheimern nun eine deutliche Gewichtseinsparung gelungen: 35 Prozent leichter als die bisherige Standardbox soll der Stapelbehälter sein. Das Augenmerk bei der Entwicklung lag allerdings hauptsächlich auf hohem Nutzwert, wie Manfred Haben verdeutlicht. Doppelte Böden verleihen dem XL-Behälter jene Stabilität, die man beim automatischen Handling schätzt. Ausklappbare Sichtscheiben aus schlagfestem Polycarbonat erlauben von außen die Bestandsprüfung und die Entnahme von Teilen, ohne daß die Box in die Hand genommen werden muß. Auf die rippenfreien Seitenteile lassen sich beliebige Firmenlogos ohne Weiteres aufdrucken. All diese Eigenschaften wurden in einem aufwändigen Entwicklungsprozeß realisiert. Dazu zogen die Entwickler auch einen externen Industrie-Designer zu Rate. Intern wurde die Behälterkonstruktion einer strengen FEM-Analyse unterzogen.

Doch für den Nutzer zählen noch andere Kriterien. So nimmt der eine oder andere die Belastungswerte aus dem Katalog oft genug nur als Anhaltspunkt. Um trotzdem auf Dauer die Maßhaltigkeit und Stabilität der Behälter zu sichern, legt Bito sie mit entsprechend großer Sicherheit aus. Fünf Jahre Garantie gibt es darauf - bei sachgerechter Behandlung. Um eine möglichst große Bandbreite des Bedarfs abzudecken, gibt es die einzelnen Behältergrößen in diversen Ausführungen. Über 100 verschiedene Varianten des Mehrwegbehälters gibt es mittlerweile.

Erschienen in Ausgabe: 07/2001