Callboy mit Kraft

Innovationen - Das Angebot auf dem Staplermarkt läßt kaum einen Wunsch offen. Doch immer wieder gibt es Jobs, die ein Stapler von der Stange nicht erledigen kann. Auch in solchen Fällen weiß Stöcklin Rat. Falls nötig, liefern die Schweizer ein Gerät mit Fernbedienung.

09. Juni 2005

Die Firma Agie in Losone/Schweiz ist als Anbieter von Funkenerosionsmaschinen weltweit führend. Die hochpräzisen Anlagen, mit denen Formen für verschiedene Endprodukte hergestellt werden, sind ca. vier Tonnen schwer. Das Handling der Anlagen, insbesondere der Transport von der Fabrikation zum Kunden, ist äußerst anspruchsvoll. Aus diesem Grund hat Agie einen Unterbau entwickelt, der Bestandteil der Maschine ist.

Der Unterbau besitzt am vorderen Teil eigene Laufrollen und am hinteren Teil eine Platte zum Klemmen und Anheben. Für den betriebsinternen Transport der Anlagen hat Stöcklin im Jahr 2001 den ersten Agie-Spezialstapler (EDP 2000 - Inhouse) entwickelt und elf Exemplare produziert. Dieser Stapler hat anstelle eigener Pratzen eine speziell entwickelte Klemm- und Hubvorrichtung, mit der er den Unterbau auf der Gegenseite der Laufrollen anheben kann. Der somit zur Zugmaschine umfunktionierte Stapler basiert auf dem bewährten Baukastensystem der ED-Reihe von Stöcklin und ist auf zwei Tonnen Hublast und vier Tonnen Zuglast ausgerichtet. Agie hat aus dem vorteilhaften Handling mit dem Stöcklin-Stapler die Vision eines universellen Transportsystems entworfen, das vor allem für Kundenlieferungen eingesetzt werden soll.

Ohne zusätzliche Geräte sollen damit die Verladung im Werk, der Transport, das Abladen beim Kunden und die Platzierung am Bestimmungsort möglich sein. Kern des neuen Systems sollte ein geeigneter Transportcontainer sein, ergänzt durch das bestehende Inhouse-System mit dem Klemmunterbau und dem Spezialstapler. Da es sich um ein System handelt, das vorwiegend große, unübersichtliche Präzisionsmaschinen transportieren soll, entstand die Forderung nach einem ferngesteuerten Stapler, mit welchem die Übersicht beim Ein- und Ausladen gewährleistet werden kann. Agie realisierte die Vision Inoutin. Dieses System erwies sich bereits kurz nach seiner Einführung als Optimallösung. Der Transportcontainer Inoutin ist so konzipiert, daß er im Sinn einer sicheren Verpackung so nahe wie möglich an den Bestimmungsort des Transportgutes gebracht werden kann. Nachdem der Lkw den Container platziert hat, wird dieser über hydraulische Stützen auf die Höhe des Bodens abgelassen. Das Transportgut kann über eine einfache Rampe mit Hilfe des mittransportierten Spezialstaplers entladen werden.

Innovativer Spezialstapler nach dem Baukastenprinzip

Der Klemmunterbau konnte für das neue System, das nun nicht mehr nur inhouse, sondern auch auf dem Weg zum Kunden eingesetzt wird, unverändert übernommen werden.

Den Spezialstapler EHP 2000 - Inoutin hat Stöcklin aus dem Baukastensystem der starken EH-Baureihe entwickelt. Zur Entwicklung und Herstellung des ferngesteuerten Staplers benötigte Stöcklin gerade mal ein halbes Jahr. Die zusätzliche Kraft gegenüber dem ersten inhouse verwendeten Modell wird benötigt, da jetzt zur Beladung des Transportcontainers eine Rampe mit Gefälle zu überwinden ist. Diese Rampe erforderte auch eine größere Bodenfreiheit in Gestalt eines erhöhten Hubs. Das Gerät wird mit einem kräftigen 2.2 kW Drehstrommotor angetrieben. Zur besseren Kraftübertragung ist der Antrieb mittig gesetzt. 32 Nm-Bremsen sorgen für die geforderte Sicherheit auch auf der Rampe. Wie bei den Staplern von Stöcklin üblich, wurde mit Blick auf die Wartung großer Wert auf beste Zugänglichkeit gelegt - ein besonders anspruchsvolles Ziel, da der Vorbau sehr kurz sein muß und Komponenten wie Fernsteuerung und internes Ladegerät zusätzlich viel Platz in Anspruch nehmen. Dank der Fernsteuerung kann sich der Anwender in jeder Situation den nötigen Überblick verschaffen. Bei Bedarf kann der Spezialstapler jedoch auch manuell über eine Deichsel bedient werden. Die Großfunk-Fernsteuerung hat sich in der Kranbedienung bewährt und verfügt über die vorgeschriebene Registrierung in der Schweiz und in der EU. Der Stapler verfügt über Aufhängeösen und Staplertaschen, womit er problemlos durch einen anderen Stapler oder mittels Kran transportiert werden kann. Die ersten beiden Stapler wurden Ende 2004 von Stöcklin ausgeliefert.

Hubgabeln für Ladungen ohne Klemmunterbau

Um das System flexibler und damit auch attraktiv für Ladungen ohne Klemmunterbau zu machen, hat Stöcklin zusammen mit Agie je eine anklemmbare Hubgabel für Lasten bis 2,5 Tonnen und für solche bis 7 Tonnen entwickelt. Die Hubgabel nimmt losgelöst vom Stapler die gleiche Funktion wahr wie der vorhandene Klemmunterbau. Zusammen mit dem Stapler kann die neue Hubgabel das Transportgut parallel anheben. Den nötigen Strom für das eigene Hubaggregat bezieht die Hubgabel dabei vom Spezialstapler.

Auch der Spezialstapler für Lasten bis 7 Tonnen befindet sich bereits in der Konstruktion und wird ab Juli 2005 zur Verfügung stehen. Es handelt sich dabei um einen Twin: um ein verbreitertes Gerät mit zwei synchron gesteuerten Antrieben und zwei Servolenkungen (Abbildung auf Seite 10 neben der Überschrift). Das Gerät stellte ganz neue und ebenso ehrgeizige Anforderungen an den Schweizer Hersteller: Aufgrund der zwei Antriebe entsteht eine 4-Punkt-Auflage. Um zu verhindern, daß ein Antriebsrad den Bodenkontakt verliert, mußte zusätzlich ein beweglicher Klemmanbau entwickelt werden, mit welchem Bodenunebenheiten ausgeglichen werden können.

Die Erweiterung auf unterschiedliche Transportgüter verlangt zudem eine programmierbare elektronische Differenzialsteuerung. Das zentrale Steuermodul CUIC wurde in Zusammenarbeit mit Sauer-Danfoss speziell für dieses Gerät entwickelt und kann den Lenkwinkel und die Drehzahl der Räder abhängig von der Lastlänge respektive vom Radabstand steuern.

Die Stöcklin-StrategieSchnelle Maßarbeit mit Baukasten-Elementen

Das gesamte Staplersortiment von Stöcklin ist nach dem Baukastenprinzip entwickelt worden. Aus den drei großen Baugruppen ED, EH und EF/ES entstanden so über 30 einzelne Standardmodelle. Die Vorteile der Stöcklin-Strategie sind einleuchtend: Ein Stöcklin-Stapler ist immer genau auf die Anforderungen des Kunden zugeschnitten. Nach Bestellung eines Standardgerätes darf der Kunde zudem davon ausgehen, daß das Gerät innerhalb weniger Tage (oder spätestens innerhalb von drei Wochen) ausgeliefert werden kann. Als Pluspunkt hinzu kommt, daß auch neuentwickelte Geräte im Regelfall von Kinderkrankheiten verschont bleiben, da sie aus bewährten Modulen bestehen.

Charakteristisch bei allen Modellen ist die robuste und sehr kompakte Bauweise, die über 3D-CAD geplant wird. Weitere Stöcklin-Merkmale: Die Kompetenz für Speziallösungen (wie am Beispiel Agie erkennbar) ist stark ausgeprägt; viele Einzelkomponenten können zu speziellen Geräten kombiniert werden; neuentwickelte Teile wie spezielle Lastaufnahmemittel profitieren von bestehenden Montagekomponenten; dem Kunden steht ein erfahrenes Entwicklungsteam zur Seite.

Erschienen in Ausgabe: Fördertechnik/2005