Für den Stahlhändler, der auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben will, hat diese Entwicklung verschiedene Konsequenzen. Auf jeden Fall ist eine hohe Verfügbarkeit aller Langprofile und deren schnelle und rationelle Kommissionierung beziehungsweise Anarbeitung - häufig mit vollautomatischen Abläufen - gefragt.

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Im klassischen Profilstahlhandel ist die Stapeljochlagerung gängige Praxis. Dabei ließen die bisherigen Systeme nur eine Einfachumstapelung mit entsprechendem Zeitaufwand zu. Zur Vermeidung dieses Nachteils hat Kasto für Stapeljoche ein neues Konzept entwickelt (Unibloc Stapeljoch, Lagerung von Langprofilen bis 24 m). Es bietet die Möglichkeit des Mehrfachumstapelns und überzeugt zudem durch sein einfaches Handling, bei dem das Ein- beziehungsweise Ausrasten der Greifer nur durch die Hubbewegung des Krans erfolgt. Für den rationellen Umschlag stehen verschiedene Lasttraversen zum Einfach- oder Mehrfachumstapeln - zum Teil auch mit Magneten - zur Verfügung. Von Anfang an wurde auf Automatisierbarkeit geachtet.

Stapeljochsystem für 12 m-Material

Ein vollautomatisches Stapeljochsystem wurde unlängst bei der Friedrich Kicherer KG in Ellwangen in Betrieb genommen, um auch bei 12 m-Materialien die gleichen Rationalisierungspotentiale wie bei den beiden Kasto-Wabenlagersystemen zu nutzen. Hierzu wurden 198 hohe Lagerplätze für Rechteckrohre, 100 niedrige Lagerplätze für Winkel und 30 Restekassetten eingerichtet.

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Zwei getrennt ansteuerbare Hubwinden

Als kompetenter Partner für die Realisierung des Automatikkrans kam die Scheffer Krantechnik GmbH mit ihrem Produktbereich LEG für lastberuhigte Krane in Sassenberg zum Zuge, ebenso wie Kasto Mitglied im Netzwerk Stahl. Für eine exakte Positionierung der Jochtraverse wurde der Kran mit 30 m Spannweite robust auf eine sehr geringe Durchbiegung ausgelegt. Für den Hub wurden zwei getrennt ansteuerbare Hubwinden mit zwei Seilabgängen eingesetzt. Der Kran wurde bei Kicherer installiert, im Hand-Modusbetrieb in Betrieb genommen und von Kasto um die Automatisierungskomponenten (wie zum Beispiel das Laserwegmesssystem) ergänzt. Entsprechend dem Kasto Pflichtenheft kamen intelligente Antriebsregler zum Einsatz, die über eine profibusfähige, speicherprogrammierbare Steuerung angesteuert werden. Der Automatikkran hebt Nutzlasten bis 10 t mit 20 m/min, bei Leerfahrt werden 29 m/min erreicht. Die Fahrgeschwindigkeiten betragen bei Katzfahrt 40 m/min und in Längsrichtung 70 m/min. Für eine stabile Führung der Stapeljochtraverse, die zwei Jochlagen aufnehmen kann, sind zwei 5-fach-Teleskope vorhanden. Aus den zwei Lagerblöcken heraus versorgt das Kasto Stapeljochsystem Unibloc A eine Kommissionierstation, die mit drei Ablageplätzen (ein Platz für Restekassetten und zwei Plätze zum Kommissionieren) realisiert wurde.

Auftragsgesteuertes Kommissionieren und Anarbeiten

Zur Steuerung des Stapeljochlagers Unibloc A wird der bewährte Lagerverwaltungsrechner Kasto lvr eingesetzt, der direkt über Schnittstelle via Ethernet mit dem übergeordneten Warenwirtschaftssystem verbunden ist. Neben der Chargenverwaltung werden auch die Software-Optionen zum Mehrfachbuchen (Entnahmen mehrerer Positionen des gleichen Materials) und zum Anarbeiten bei der Beschickung einer vorhandenen Profilsäge genutzt. Eine weitere wichtige Software-Option stellt die Reste-Kassettenverwaltung dar. Zur Steigerung der Spielzahlleistung verfügt die Software darüber hinaus über ein Umstapelprogramm, mit dem zur Bearbeitung anstehende Joche in die oberste Lage umgeschichtet werden.

Ausgestattet mit dieser vollautomatischen Stapeljochtechnik ist die Firma Kicherer in der Lage, auch in diesem Geschäftsfeld automatisch zu arbeiten. Berücksichtigt man die Steigerung von Produktivität und Wettbewerbskraft, so ist die Investition in ein automatisches Stapeljochlager als wichtiges Element für die Weiterentwicklung eines Stahlhandelsunternehmens anzusehen.