Goldbraun fritierte Fischstäbchen bewegen sich in Reih und Glied entlang der modernen Produktionsstraße: Über eine Million während einer achtstündigen Schicht. Der Tiefkühlklassiker hat einen interessanten Weg hinter sich, bevor er in appetitlichen Schachteln verpackt, in die Verkaufstruhen des Handels gelangt.

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Feinster Alaska-Seelachs, bereits an Bord der Fischerboote filetiert und in rechteckigen Blöcken zu je 7,5 Kilogramm schockgefrostet, wird am Anfang der Produktionskette in das für Fischstäbchen typische Format zersägt. Die gefrorenen Fischstücke durchlaufen auf einem Fördergitterband nacheinander Stationen, wo sie mit feinem Teig, wohldosierten Gewürzen und entsprechender Panade versehen werden, um dann in der Friteuse ihr knuspriges Aussehen zu erlangen. Hiernach werden die frischgebackenen Fischstäbchen wieder auf minus 18 bis 21 Grad runtergekühlt und so kommen sie blitzschnell in ihre Verkaufsverpackung. Diese werden in entsprechenden Gebinden von fünf oder zehn Päckchen auf Paletten ins nahe Tiefkühllager transportiert. Hier erholen sich die vorgebackenen Fischstäbchen bei minus 28 Grad Celsius wieder von der „heißen“ Produktionsphase. Bei anderen Produkten erfolgt gegebenenfalls erst eine Woche später, wenn die Kerntemperatur der befüllten Paletten bei minus 18 Grad liegt, Kommissionierung und Versand in speziellen Kühlfahrzeugen an den Handel.

Gleichzeitig werden in weiteren Produktionslinien der Frosta-Werke die unterschiedlichsten Tiefkühlprodukte aus Fisch, Fleisch, Gemüse, Reis und Nudeln hergestellt und abgepackt. Aber nur ein Teil der Produkte trägt das Frosta-Logo auf der Verpackung. Viele der produzierten Tiefkühlköstlichkeiten werden unter bekannten Markennamen für große Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels, wie beispielsweise Rewe und Aldi, sowie für namhafte Tiefkühlkost-Heimdienste und Großkunden produziert. Dabei verfügt jedes der Produkte über genau definierte Bestandteile, Rezepturen und strenge Qualitätsmerkmale.

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Bis zu 200.000 Tonnen Tiefkühlkost werden in den Produktionsstätten des Frosta-Konzerns jährlich hergestellt. Eine gigantische Menge, die zunächst als Rohware behandelt, in der Produktion verfeinert und verpackt sowie über das Distributionssystem in den Handel gebracht wird. Rund 1.200 Mitarbeiter bewältigen die vielfältigen Aufgaben an insgesamt vier Produktionsstandorten. Der in Bremerhaven ansässige Konzern erzielt einen Gesamtumsatz von rund 300 Millionen Euro pro Jahr.

Der Aufwand hat sich erhöht

Als erster TK-Hersteller hat Frosta für seine Marke ein umfassendes Reinheitsgebot entwickelt und setzt damit seit Anfang 2003 neue Maßstäbe in Qualität, Geschmack und Sicherheit. „Wir nehmen die Wünsche der Verbraucher ernst“, erklärt Dr. Thomas Braumann, Vorstandsvorsitzender der Frosta AG. „Unser Reinheitsgebot garantiert herausragenden Geschmack durch die ausschließliche Verwendung hochwertiger und streng kontrollierter Rohwaren und Zutaten für alle Produkte der Marke Frosta.“ Da sich alle Frosta-Lieferanten zur Einhaltung des Reinheitsgebots verpflichten, werden auch die eingesetzten Zutaten ohne Verwendung von Zusätzen produziert. Als erstes mittelständisches Unternehmen geht Frosta damit weit über die derzeit in Deutschland gültigen Bestimmungen hinaus.

Gutes hat jedoch seinen Preis. Für guten Geschmack und Qualität wird dies vom Verbraucher durchaus akzeptiert, wie Umfragen ergeben haben. Braumann: „Wir bieten den Konsumenten einen echten Produktvorteil, eine bisher nicht erreichte Qualität, die sie bei jedem Bissen schmecken können. Für einen Mehrpreis von 30 bis 60 Cent pro Packung ist das eine Alternative, die am Markt akzeptiert wird.“

Doch nicht nur die Kosten für Rohwaren und Zutaten sind analog zur Produktqualität gestiegen, auch der Produktions- und Logistikaufwand hat sich erhöht. Dazu gehört das Anschwitzen von Zwiebeln in Butter ebenso, wie auch die Tatsache, daß Blattspinatbällchen aus einem Blatt geformt und handgerollt werden. Selbst die Rüstkosten der Produktionslinien sind gestiegen, weil laut Braumann: „nicht ein Reiskörnchen in einem Nudelprodukt zu finden sein darf“.

Kosten weitgehend kompensiert

Während die höheren Materialkosten zum größten Teil auf den Verkaufspreis der Frosta-Markenprodukte umgelegt werden konnten, ließen sich die mit der Produkteinführung in Zusammenhang stehenden erhöhten Herstellungs- und Logistikkosten durch entsprechende Einsparungen weitgehend kompensieren. Lothar Vollbrecht, Leiter der Lagerwirtschaft bei Frosta in Bremerhaven, erklärt den Zusammenhang: „Zunächst hatten wir durch den Einsatz eines neuen Bestandsmanagementsystems unsere gewöhnlichen Lagerbestände reduzieren und damit eine Senkung der Logistikkosten erreichen können. Die Einführung der neuen Produktreihe nach Reinheitsgebot führte jedoch zu einer Erhöhung der Durchlaufzeiten und erforderte zusätzlichen Lagerplatz für besondere Rohwaren, Zutaten und natürlich auch für die neuen Fertigprodukte. Bei herkömmlicher Bestandsführung hätten wir zur Erweiterung unserer Lagerkapazitäten externe Flächen anmieten müssen, was zu erheblich höheren Logistikkosten geführt hätte. Da aber die Supply-Chain-Optimierung mit verbesserter Bedarfsplanung schon Wirkung zeigte und die unrentablen Sicherheitsbestände weitgehend abgebaut waren, konnten wir den zusätzlichen Kapazitätsbedarf ohne nennenswerte Mehrkosten abdecken.“

Bernd Heise, Leiter des Produktionswerks in Bremerhaven, ergänzt: „Das neue Qualitätsmanagement verlangt zeitaufwendige Kontrollen der Rohwaren- und der Produktqualität, was zu einer Erhöhung der Durchlaufzeiten um bis zu drei Wochen geführt hat. Heute kommt die Rohware erst nach mehrtägigen Tests in die Produktion und das fertige Produkt erst nach ein bis zwei Wochen in den Vertrieb, weil neben weiteren Qualitätskontrollen eine sehr niedrige Kerntemperatur der Tiefkühlkost sichergestellt werden muß. Während dieser zusätzlichen Verweilzeit beansprucht die Ware teure Kühllagerkapazität.“

Kosten statt Zinsen

Bestandsmanagement ist mit Kapitalmanagement gleichzusetzen, weil in Lagerbeständen ein Vermögen steckt, welches statt Zinsen zu erwirtschaften Lagerhaltungskosten von rund 20 Prozent des Lagerwertes verursacht. So gesehen zehren die Kosten der Bestandshaltung das Vorratsvermögen in fünf Jahren auf. Diese eigentlich nicht neue Erkenntnis führte zusammen mit der Zielsetzung, den Kundenservice durch höchste Verfügbarkeit zu verbes-sern, bei der Frosta AG zur Optimierung des Supply-Chain-Managements.

Bestandsoptimierung war immer ein viel diskutiertes Thema. Dennoch wurde nach möglicher Fertigungskapazität produziert und nicht nach tatsächlichem Bedarf. Der Wunsch nach großen Fertigungslosen und der Servicegedanke „Wir haben alles an Lager“ ließ die Lagerbestände wachsen.

Die Kunden hingegen reduzierten ihre Warenbestände bestellten in immer kleineren Losen bei gleichzeitig verkürzten Lieferzeiten. Überbetontes Sicherheitsdenken, mangelnde Dispositionsqualität, unrealistische Absatzplanung und ein unzureichender Informationsfluß wurden als interne Faktoren der Bestandsbeeinflussung identifiziert.

Das bereits 1994 eingeführte und im Laufe der Jahre sehr stark an die Bedürfnisse von Frosta angepaßte ERP-System verfügt zwar über alle relevanten Daten, ist jedoch nicht in der Lage die speziell benötigten Planungsinformationen in geeigneter Weise miteinander zu verknüpfen und mit der gewünschten Transparenz für ein optimales Supply-Chain-Management (SCM) zu liefern. Als Voraussetzung für eine Bestandsoptimierung bei gleichzeitiger Verfügbarkeitssteigerung wurde aber eine verbesserte Koordination der Beschaffungs-, Fertigungs- und Vertriebslogistik sowie eine Erweiterung der Controlling-Aufgaben definiert. Da ein Ersatz des bewährten ERP-Systems durch ein umfassendes SCM-System aus Kostengründen nicht in Betracht kam, wurden verschiedene Add-On-Lösungen zur Ergänzung der vorhandenen EDV in Augenschein genommen.

Funktionalität und Flexibilität

Drei Kernforderungen wurden bei der Auswahl des Optimierungs-Tools gestellt. Es mußte die geforderte Funktionalität bei größtmöglicher Flexibilität bieten, sollte nur geringe Anschaffungs- und Einführungskosten verursachen und sich problemlos in die Datenstrukturen des ERP-Systems einbinden lassen. Die Entscheidung fiel auf das Softwaresystem „add*one“ des Aachener Optimierungsspezialisten Inform GmbH.

In Gesprächen zwischen Frosta und dem Softwarehaus sowie einer ausführlichen Präsentation der Programmfunktionen zeigte sich, daß die vorgeführten Optimierungseffekte leicht auf die Beschaffungsprozesse eines Tiefkühlkostherstellers übertragbar sind und die möglichen Planungs- und Controllingfunktionen den Disponenten die geforderte Transparenz und Arbeitserleichterung bieten würde.

„Überzeugt haben mich zum Beispiel die ausgereiften und praxiserprobten Prognoseverfahren, auf deren Basis wir eine echte kostenorientierte Optimierung unserer Bestellmengen an Rohwaren und Produktionslosgrößen vornehmen können,“ erläutert Produktionsplanerin Susanne Teschner. „Der automatische Abgleich der prognostizierten Bedarfszahlen mit den Daten aus dem Vertrieb liefert zuverlässige und sichere Vorhersagen für die Absatzplanung. Diese wiederum stellen eine präzise Grundlage für die optimale Disposition der benötigten Fertigprodukte dar und es ist gewährleistet, daß die richtigen Rohwaren zum richtigen Zeitpunkt, in ausreichender Menge unter Berücksichtigung des Kostenoptimums vorhanden sind.“

Das Softwaresystem „add*one“ wurde von Inform auf einen Windows-NT-Server installiert und nutzt zur Kommunikation mit dem übergeordneten ERP-System eine standardisierte Datenschnittstelle. Das Softwarehaus zeigte sich bei der Anpassung des Programms an die Frosta-spezifischen Besonderheiten sehr kooperationsbereit und kompetent. Es waren etliche branchenspezifische Forderungen im Pflichtenheft, die das Bestandsmanagementsystem zu diesem Zeitpunkt noch nicht erfüllte. Inform sah darin allerdings die Möglichkeit „add*one“ auch auf die Besonderheiten der Lebensmittelindustrie auszurichten und damit dann über eine weitere Branchenlösung zu verfügen.

Mittlerweile ist das Softwaresystem „add*one“ auf 19 PCs im Netzwerk des Unternehmens installiert. Weitere Lizenzen werden folgen, denn neben den Experten der zentralen Absatz- und Produktionsplanung möchten weitere Mitarbeiter in verschiedenen Bereichen von Produktion, Logistik und Vertrieb mit dem intelligenten Management-Tool arbeiten und sich die Zusammenhänge innerhalb der Supply Chain transparent darstellen lassen.

Durchblick für Disponenten und Planer

Über Nacht werden die relevanten Prognose- und Bestandsdaten des ERP-Systems an „add*one“ übertragen und entsprechend verarbeitet. Am nächsten Morgen finden die Disponenten unter anderem fertige Bestellvorschläge, die sie bestätigen oder auch manuell weiter bearbeiten können. Das Bestandsmanagementsystem optimiert automatisch die Bestellmengen sowie Bestell- und Lagerhaltungsstrategie für alle Artikel. Treffende Bedarfsprognosen bieten optimale Entscheidungsgrundlagen und entlasten die Disponenten erheblich. Heute bewältigen sechs Disponenten und Planer mit Hilfe des Software-Tools ein höheres Tagespensum als früher neun Mitarbeiter mit herkömmlichen Methoden.

Produktionsplaner Achim Gerken ist sehr zufrieden: „Das Prognose- und Absatzplanungsmodul von „add*ONE“ schätzt die Bedarfssituation sehr genau und sicher ein. Durch intelligente Selbstanalysen und Lernfähigkeit paßt sich das Programm permanent und vollautomatisch an die Marktsituation an und erreicht eine sehr hohe Prognosegüte. Wir werden durch unsere „Kristallkugel“ in unserem Tagesgeschäft erheblich entlastet.“

Die Bestelloptimierung in „add*one“ steuert die Höhe der Bestände aller Lagerartikel so, daß unter Einhaltung der optimalen Lieferfähigkeit jederzeit die kostenminimale Bestandshöhe eingehalten wird. Lothar Vollbrecht, Leiter der Lagerwirtschaft, bestätigt: „Gegenüber früher konnten die Mindestbestände vieler Artikel um bis zu 30 Prozent gesenkt werden, um dennoch eine Verfügbarkeit von fast 99 Prozent zu erreichen.

Optimale Planungsqualität

Der Markt für Tiefkühlprodukte wird von vielfältigen Faktoren beeinflußt und ist gekennzeichnet durch stark schwankenden Bedarf. Um den heutigen Marktanforderungen gerecht zu werden sind eine mehrdimensionale Absatzplanung und flexible Reaktionen gefragt. Fehlkalkulationen in der Prognose wirken sich relativ schnell auf die Ertragssituation aus.

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, hat Inform das prognosegestützte Planungssystem „add*one-Absatzplanung“ zur rollierenden Absatzplanung entwickelt. Es ermöglicht die gleichzeitige Planung in mehrdimensionalen Vertriebsstrukturen und Planungsobjekten über beliebig viele Ebenen hinweg. Es bietet statistische Prognosetechniken und Absatzplanungskennzeichen, die zu präzisen Prognosen führen. Je nach Planungszweck stehen unterschiedliche Ansichten der Prognosedaten zur Verfügung.

Wolfgang Schley, Leiter des Frosta-Vertriebs, schätzt die leistungsfähigen Analysefunktionen von add*one: „Das neue Tool könnte uns helfen Planungsfehler zu vermeiden, indem es die Plausibilität der Bedarfsplanung automatisch prüft und Prognosedaten transparent darstellt. Bei der Einschätzung der Absatzzahlen beispielsweise lassen sich diese für ein bestimmtes Land, zum Beispiel Belgien, anschauen und von dort aus auf die Zahlen einzelner Regionen verzweigen. Indem man die Sicht wechselt, ist es möglich, auf dieser Detailebene zu bleiben und sich gleichzeitig Absatzzahlen nach bestimmten Tiefkühlproduktgruppen anzeigen zu lassen.“

Durch die Integration der Vertriebsaktivitäten in die Prognose können die Einschätzungen des Außendienstes bei der Prognoseerstellung einbezogen und kundenspezifische Verkaufszahlen bei der Absatzplanung berücksichtigt werden. „Wir konnten mit dem Supply-Chain-Optimierungs-Tool die Verfügbarkeit unserer gesamten Produktpalette auf nahezu 99 Prozent steigern“, ergänzt Wolfgang Schley, „und dabei sogar noch unsere Lagerbestände reduzieren. Das praktische Software-Tool ermöglicht unseren Planern sehr effizient auf schwankende Marktbedingungen und Kundenbedarfe zu reagieren.“

Dauerhafte Einsparungen von Logistik- und Kapitalkosten um 15 sowie von Dispositionsressourcen um 30 Prozent führten zu einer Amortisationszeit des Optimierungs-Tools add*one von weniger als einem Jahr und versprechen für die Zukunft eine deutliche Ertragsverbesserung.