»Das schafft Vertrauen«

Krane und Hebezeuge Werner Wagner ist Geschäftsführer von Stahl CraneSystems, einem Hersteller von Hebetechnik und Krankomponenten mit Sitz in Künzelsau. Im Gespräch mit »lj« spricht er über die Marktlage, China und den Mutterkonzern Columbus-McKinnon.

10. September 2019
»Das schafft Vertrauen«
(© Stahl CraneSystems)

Interview: Tobias Rauser

Herr Wagner, die deutsche Wirtschaft ist in Sorge vor einem konjunkturellen Einbruch. Rechnen Sie auch damit?

Natürlich wird ein Einbruch kommen. Das ist doch ganz logisch. Jetzt sind wir das elfte Jahr in Folge im Wachstum, das geht sicher so nicht weiter. Dennoch muss man Stand heute sagen: Allen Unkenrufen zum Trotz geht es immer noch nach oben. Nicht steil, aber der Markt läuft noch.

Bereitet Ihnen ein Abschwung Sorgen?

Nein. Für uns ist das Thema zum Glück nicht besonders relevant: Unser Werk wird durch die globale Auslastung ausgelastet bleiben.

Warum?

Durch unseren neuen Inhaber, Columbus McKinnon, übernehmen wir hier am Standort in Künzelsau immer weitere Aufgaben, sowohl in R&D als auch in der Produktion. Durch die Produktionstiefe in unserem Werk können wir innerhalb des Konzerns sehr effizient und kostengünstig produzieren, dies sichert uns Aufträge für die nächsten Jahre.

Sie produzieren Teile für die USA?

Exakt, und das trägt zusätzlich zur Auslastung unseres Werkes bei. Ein positiver Nebeneffekt ergibt sich daraus natürlich auch für die Standortsicherung hier in Künzelsau.

Die Produktion in China ist nicht billiger?

So war es früher. Durch Faktoren wie steigende Arbeitskosten und teure Logistik bei kleinen Stückzahlen wird der überwältigende Kostenvorteil kontinuierlich reduziert und China ist plötzlich nicht mehr so günstig wie früher. Somit können wir deutlich wirtschaftlicher und mit hoher Qualität produzieren.

Wie läuft es denn überhaupt seit dem Einstieg der Amerikaner bei Ihnen?

Ich bin zufrieden. Natürlich gibt es viel Diskussions- und Klärungsbedarf, um die Zusammenarbeit zu vereinfachen und zu verbessern. Wir müssen mit guten Zahlen überzeugen.

Und wie sehen die aus?

Bei uns läuft es sehr gut. Wir sind im vergangenen Geschäftsjahr, das bis Ende März läuft, um einen hohen einstelligen Bereich gewachsen. Wir wollen natürlich weiterwachsen und dafür auch zusätzliche Vertriebsmitarbeiter weltweit einstellen.

Sie wollen auch ein neues Werk bauen.

In der Tat. Unser Werk ist fast 60 Jahre alt. Wir sind in der Planung einer neuen Produktionshalle in Autobahnnähe. Die Umsetzung des Neubaus ist in 3 bis 5 Jahren geplant. Vorher müssen sicher noch viele Gespräche mit Columbus McKinnon und den Planern geführt werden.

Kommen wir noch einmal zum neuen Inhaber zurück. Was ist mit Columbus McKinnon anders als zuvor mit Konecranes?

Es ist in der Tat anders und nicht ganz leicht, das zu beschreiben.

»Wir werden noch mehr als heute Sensoren in die Steuerungen der Hebezeuge integrieren.«

— Werner Wagner, Stahl CraneSystems

Konecranes war tough und europäisch. Die Amerikaner sind auch tough, aber deutlich fordernder, was Zahlen und Daten betrifft. Positiv für uns ist, dass unser Verantwortlicher in den USA Europa kennt und versteht, wie wir ticken. Somit gilt unser Wort.

Hat sich Ihre strategische Ausrichtung durch den Einstieg verändert?

Nein, nicht wirklich. Der Strategiewechsel vom Komplettanbieter zum Komponentenanbieter wurde schon vor circa zehn Jahren vollzogen.

Wie hat sich das Unternehmen denn durch diese Neuausrichtung gewandelt? Ist dieser Prozess abgeschlossen?

Nichts ist so stetig wie der Wandel. Durch die führende Rolle innerhalb des Konzerns als Lieferant für die weltweiten Plattformen ergeben sich zwangsläufig Veränderungen im Unternehmen. Aber diesen Prozess haben wir bei der Übernahme durch Konecranes durchlaufen und sind bestens gerüstet.

Und, war es die richtige Entscheidung?

Absolut! Der Strategieschwenk hat dazu geführt, dass wir bei den Kranbauern vor Ort sehr beliebt sind. Sie sehen uns als Partner, denn wir reden ihnen in wichtigen Bereichen nicht ins Handwerk und nehmen ihnen nicht ihr Geschäft. So haben wir zum Beispiel kein Interesse an der Auswertung und Monetarisierung der Daten der Kunden, da das einfach nicht zum Geschäftsmodell gehört. Das schafft Vertrauen.

Wie läuft denn die Konjunktur in den USA? Alle Welt diskutiert ja über Trump und die Folgen von »America first«.

Der Gesamtmarkt in den USA ist richtig heiß gelaufen, das ist der Trump-Effekt. Ich gehe davon aus, dass das noch bis Oktober oder November geht, dann kommt der große Crash.

Dieser Boom wird irgendwann umschlagen.

Da bin ich sicher. Noch rettet sie der große Binnenmarkt.

Trotzdem stellen die Zölle auch Sie vor ein Problem.

Ich bin da entspannt. Zurzeit läuft die Geschichte sogar positiv für den Konzern: Vor dem Zusammenschluss hat unser Mutterkonzern alles aus China bezogen, dort wären jetzt hohe Sonderzölle fällig. Nun beziehen sie die Teile aus Deutschland, das ist ein echter Vorteil. Und selbst wenn diese Zölle irgendwann auch die EU betreffen: Dann haben wir immer noch einen Vorsprung – im Preis und bei der Qualität.

Wir haben eben schon über die Daten gesprochen. Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung außerdem auf Ihr Geschäft?

Wir werden noch mehr als heute Sensoren in die Steuerungen der Hebezeuge integrieren. Wir haben schon seit längerer Zeit ein Diagnose- oder Restlebensdauer-System. Das könnte für uns langfristig gesehen ein gutes Geschäft werden. Das Thema gibt es zwar schon lange, aber durch den Fortschritt der Technik ist heute vieles leichter und preiswerter. Das wird das Thema weiter pushen.

Zum Abschluss würde ich gerne wissen: Was für ein Wachstum haben Sie 2019 eingeplant?

Sechs Prozent.

Ist das realistisch?

Ja, das kriegen wir hin.

Erschienen in Ausgabe: 04/2019

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