Der richtige Dreh

Innovationen - Staplerfahrer müssen auch längere Wege mit dem Blick nach hinten bewältigen. Für Abhilfe sorgt Jungheinrich. Auf dem EFG D30 schaut man auch dann nach vorn, wenn man rückwärts fährt.

14. April 2005

Der elektromotorisch angetriebene Gabelstapler mit drehbarem Arbeitsplatz, eine Weiterentwicklung der von Jungheinrich im Jahr 2000 vorgestellten Future-Truck-Studie, basiert auf einem Elektrostapler der 4er-Baureihe mit einer Tragkraft von 3.000 Kilogramm. Der EFG D30 unterscheidet sich hauptsächlich durch die Drehkabine, die mit dem Multipiloten um 30 Grad nach links und um 180 Grad nach rechts gedreht werden kann, von seinem Vater, dem EFG 430. Die ersten von Jungheinrich produzierten Fahrzeuge befinden sich derzeit im Feldtest. Der Serienstart ist für April geplant. Da der Trend in Richtung Mehrfachpalettentransport sowie seitlicher Lkw-Entladung mit einer Lastaufnahme von bis zu vier Paletten bzw. Gitterboxen geht, ist dem Fahrer von Frontstaplern trotz Panorama-Hubgerüst immer häufiger die Sicht nach vorn versperrt. Rückwärtsfahren mit einer auf Dauer starken Belastung der Wirbelsäule war bisher unvermeidlich. Auf diese gesundheitliche Belastung weist auch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hin. Die Produktionsausfallkosten, hervorgerufen durch Arbeitsunfähigkeit aufgrund von Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes, belaufen sich in Deutschland auf etwa 10,6 Milliarden Euro - pro Jahr. Nahezu jeder vierte Ausfalltag ist, über alle Branchen gerechnet, auf diese Erkrankungen zurückzuführen. Das Drehkabinenfahrzeug von Jungheinrich kann dazu beitragen, daß in Zukunft ein Teil dieser Probleme vermieden werden kann.

Innovation wird beim EFG D30 groß geschrieben

Wird durch eine Last, etwa ein Großgebinde oder mehrere Gitterboxen übereinander, die Sicht nach vorn versperrt, kann der Fahrer die komplette Kabine bis zu 180 Grad drehen und mit der Last im Rücken den Stapler an seinen Bestimmungsort bringen. Nach der Aufnahme der Last kann der Fahrer sofort losfahren und gleichzeitig die Kabine bis zu 90 Grad drehen. Diese Stellung bietet für kürzere und mittlere Fahrstrecken eine ausreichende und bequeme Sicht nach hinten - vergleichbar mit einem Schubmaststapler. Für die Fahrt über längere Strecken kann der Fahrer die Kabine bis zu 180 Grad drehen (wobei dies aufgrund der automatischen Umschaltung von Lenksinn und Fahrtrichtung nur bei stehendem Fahrzeug möglich ist). Ein Memory-System ermöglicht dem Bediener zudem, die Winkel seiner Wahl automatisch einstellen zu lassen. In der bisherigen Praxis haben sich die Winkel von 90 Grad (seitlicher Sitz wie im Schubmaststapler) sowie von 45 Grad (für den Ein- und Ausstieg) empfohlen.

In der Kabine des EFG D30 findet der Fahrer allen Komfort eines modernen Gabelstaplers: Der Sitz ist luftgefedert (bei links angeordnetem Lenkrad), der Multipilot (bündelt sämtliche Funktionen in einer Hand) wurde rechts in die Armlehne integriert, und die herunterklappbare linke Armlehne begünstigt ebenso wie die große, von oben einsehbare Trittstufe den bequemen Ein- und Ausstieg. Das neue Fahrzeug von Jungheinrich kann offen oder beispielsweise für den Außeneinsatz mit einer rundum verglasten Kabine samt Heizung geliefert werden.

Beeindruckende Leistungsdaten

Das Drehkabinenfahrzeug EFG D30 bietet die gleichen Vorteile wie seine Verwandten in der Reihe der Elektrostapler von Jungheinrich. Durch den Einsatz der Drehstromtechnik erreicht das Gerät Leistungen wie verbrennungsmotorisch angetriebene Gabelstapler.

Mit dem Fahrzeug, das weniger als 5.100 Kilogramm auf die Waage bringt, können Geschwindigkeiten bis zu 20 Kilometer pro Stunde realisiert werden. Hinzu kommen höchste Umschlagleistungen durch Spitzenwerte beim Beschleunigen, Fahren und Heben. Die Hubgeschwindigkeit mit und ohne Last liegt bei 0,50 bzw. 0,67 Meter in der Sekunde. Zwischen diesen Werten liegen die Senkgeschwindigkeiten: 0,56 bzw. 0,57 Meter in der Sekunde (mit und ohne Last). Durch einen optimalen Wirkungsgrad sowie eine effektive Energierückgewinnung werden zudem längere Einsatzzeiten garantiert. Auch beim Batteriewechsel hat Jungheinrich eine Neuerung zu bieten. Beim EFG D30 ist der Wechsel nun seitlich möglich, ein Kran wird also nicht mehr benötigt. Die Batterie ruht auf Rollen. Der Austausch kann mit einer Wechselvorrichtung geschehen und durch herkömmliche Deichselgeräte realisiert werden. Optional ist auch eine Wechselstation erhältlich.

Elektrohydraulisches System nach dem Fly-by-Wire-Prinzip

Weitere Unterschiede zur herkömmlichen Elektrostapler-Baureihe liegen im Lenk- und Bremssystem des EFG D30. Das Lenksystem arbeitet elektrohydraulisch nach dem Fly-by-Wire-System. Gebremst wird, wie bei den anderen Elektrostaplern auch, regenerativ mit Rückspeisung der Energie in die Batterie. Jedoch ist die Bremse beim EFG rein elektrisch und besitzt drei Stufen: regenerative Motorbremse mit Energierückgewinnung; elektrische Gegenstrombremse; Nothalt durch einfallende Federspeicher-Lamellenbremse. Das Drehkabinenfahrzeug besitzt ein Höchstmaß an aktiver Sicherheit. Durch die innovative Curve Control von Jungheinrich wird die Geschwindigkeit bei Kurvenfahrten automatisch reduziert. Dieses aktive Sicherheitssystem schließt, gemeinsam mit dem extrem niedrigen Fahrzeugschwerpunkt, Kippunfälle durch zu schnelle Kurvenfahrt nahezu aus. Ein weiteres Sicherheits-Feature bietet die automatische Feststellbremse. Durch sie wird ein unkontrolliertes Zurückrollen auf Rampen oder Steigungen vermieden.

Modifizierbare Programme passen den EFG D30 an jeden Einsatz an

Wie bei den herkömmlichen Elektrostaplern aus dem Hause Jungheinrich steuert und überwacht die Board Control permanent alle Funktionen des EFG D30. Durch die Impulssteuerung wird ruckfreies Fahren, dynamisches Reversieren sowie millimetergenaues Positionieren bei niedrigstem Energieverbrauch realisiert. Durch fünf individuell modifizierbare Arbeitsprogramme ist die optimale Anpassung des EFG D30 an jeden Einsatzfall gewährleistet. Auf die Weise wird das Fahrzeug buchstäblich zum Stapler für alle Fälle. So sehr man beim ersten Drehkabinenstapler der Welt auch an eine Spezialanfertigung denken mag: Der EFG D30 wird als Serienfahrzeug im Moosburger Werk von Jungheinrich hergestellt. Seine Sonderbauten dagegen fertigt der Hamburger Hersteller seit 15 Jahren am Standort Lüneburg. Hier werden seit 1990 intelligente Sonderlösungen für individuelle Kundenwünsche entworfen, konstruiert, getestet und dokumentiert.

Vom Sonderbau zur Kleinserie

In Kooperation mit dem Norderstedter Stammwerk von Jungheinrich entstehen in Lüneburg Sonderbauten in der Regel als Kombination eines Sonder-Lastteils mit einem Serien-Antriebsteil. Abhängig vom Grad der Kundenanpassung und der Stückzahl der gefertigten Geräte wird in Lüneburg zwischen Kleinserien, Custom-Produkten und Einzelanfertigungen (den eigentlichen Sonderbauten) unterschieden. Während der ebenfalls in Lüneburg hergestellte Vertikalkommissionierer EKS 110 zur Kleinserienfertigung gehört, zählen Geräte wie ein Papierrollentransporter oder ein Mobilkran zur Kategorie der Sonderbauten. Ein Sonderbau bleibt jedoch nicht immer ein Einzelstück. Gelegentlich werden Sonderbauten im Laufe der Zeit auch zu Lösungen für Nischenmärkte oder gar zu Serienfahrzeugen. Insgesamt verließen im vergangenen Jahr 3.950 Fahrzeuge das Werk in Lüneburg. Jedes der Geräte wird in umfangreichen Testläufen, darunter Brems- und Kipptests, auf Herz und Nieren geprüft. Erst danach erhält es die vollständige CE-Zertifizierung als Bestätigung der 100-prozentigen Normenkonformität. Gewährleistung und Service orientieren sich an den Serienfahrzeugen. So hat der Kunde stets Zugriff auf das Jungheinrich-eigene Servicenetz mit rund 1.000 mobilen Technikern allein in Deutschland.

Seine Kompetenz in Sachen Sonderbau und Kundenorientierung konnte Jungheinrich bereits in unterschiedlichsten Branchen unter Beweis stellen. So produzierte das Unternehmen beispielsweise für den Möbelhersteller Hülsta eine Rollenbahnlasteinheit für schmale Arbeitsgänge, und für den Einsatz in Gießereien baute man einen Spezialtransporter für Schmelztiegel. Auch die Automobilindustrie zählt zum Kundenkreis von Jungheinrich. Für Opel fertigten die Fachleute des Hamburger Unternehmens einen flexibel einsetzbaren Mobilkran.

Jungheinrich im WandelNeuer Erfolg im Projektgeschäft

Die Jungheinrich AG, die sich vom Staplerhersteller zum produzierenden Logistikdienstleister und Anbieter von logistischen Allroundlösungen gewandelt hat, meldet erneut einen Erfolg im Projektgeschäft: Das Hamburger Unternehmen hat den Zuschlag für den Bau eines Fertigwarenlagers im belgischen Izegem erhalten und ist für Planung beziehungsweise Projektierung und als Generalunternehmer für die Realisierung und Inbetriebnahme des vier Millionen Euro teuren Vorhabens verantwortlich. Die Gewerke des Projekts, das unter anderem ein 20 Meter hohes Lager mit 15.000 Palettenplätzen umfaßt, werden durch Sublieferanten realisiert.

Erschienen in Ausgabe: 01/2005