Die Parallelität der Prozesse

Lösungsanbieter Die Anforderungen an das Supply Chain Management sind drastisch gestiegen. War vor zehn Jahren die Synchronisierung von Einkauf und Vertrieb das Ziel, ist es heute die Einbeziehung von Lieferanten und Produzenten, von Logistikern und anderen Dienstleistern.

29. November 2007

Durch die Globalisierung entstehen komplexe Mehrwerksstrukturen. Deren Resultat sind höhere Ansprüche an die Synchronisierung der Supply Chain innerhalb eines Unternehmens. Dem haben sich sowohl Konzerne als auch der Mittelstand zu stellen. Schon heute stehen hoch flexible Systeme zur Verfügung. Sie können sich in die vorhandene ERP-Landschaft einfügen, sodass unternehmenskritische Abläufe von SCM-Spezialisten übernommen werden. Die meisten SCM-Anbieter haben sich überwiegend auf Branchen und bestimmte Bereiche des Supply Chain Managements spezialisiert, denn die unterschiedlichen Branchen haben verschiedene Anforderungen. In der Bekleidungsindustrie erfolgt die Fertigung oft an unterschiedlichen Orten der Welt. Zudem müssen die Produkte termingerecht ausgeliefert werden. Daher sollten nicht nur die Materialanforderungen betrachtet, sondern auch logistische Bereiche wie Transport, Qualitätssicherung und Aufbereitung berücksichtigt werden.

Unterschiedliche Anforderungen

In der diskreten Fertigung (Beispiel: Halbleiterindustrie) liegt der Schwerpunkt auf der Rückverfolgbarkeit aller Teile in der gesamten Wertschöpfungskette, während in der Lebensmittelindustrie die Haltbarkeit das Hauptkriterium ist. Leistungsfähige SCM-Systeme müssen daher durch Konfiguration die entsprechenden Anforderungen abbilden können. »Durch die Konzentration auf die Branchen Mode und Bekleidung, Konsumgüter, Retail und industrielle Fertigung beziehungsweise Automobilindustrie sind in unserem Hause spezielle Lösungen entstanden, die auf einer gemeinsamen Technologie basieren«, sagt Holger Klappstein, Managing Director von TXT e-solutions, einem internationalen Anbieter von Lösungen für Demand & Supply Chain Management. Der geschilderte Hintergrund, so Klappstein, ermögliche TXT, bei speziellen Anforderungen auf Lösungen und Erfahrungen aus anderen Branchen zurückzugreifen. Derzeit setzt eine Reihe namhafter global tätiger Unternehmen verschiedener Branchen auf SCM-Lösungen von TXT. Im Bereich Mode und Bekleidung vertrauen etwa Tommy Hilfiger, Gucci oder s.Oliver auf TXT-Software.

Auf die Kombination kommt es an

»Letztlich werden sich SCM-Lösungsanbieter am Markt durchsetzen, die sich auf bestimmte Branchen spezialisieren und dort über umfassende Expertise verfügen«, meint Holger Klappstein. Voraussetzung dafür ist ein breites Lösungsangebot in Form einer Kombination aus Software und Beratung, das von Absatzplanung und Bestandsoptimierung über Mehrwerks- und Feinplanung bis hin zur Integration von Geschäftspartnern und der Supply-Chain-Analyse reicht.

Branchenunabhängige Systematik

Die Auswahl einer geeigneten SCM-Software sollte, unabhängig von der Branche, auf einem systematischen Prozess basieren. Wesentlich ist zunächst die Erkenntnis, dass spezifische Lösungen im Unternehmen erforderlich sind und nicht über die vorhandenen ERP-Lösungen abgedeckt werden können. Ist die Entscheidung für eine spezifische SCM-Lösung gefallen, richtet sich die Software-Auswahl hauptsächlich nach den Kriterien Einführungsaufwand, potenzielle Kosteneinsparung und Funktionsabdeckung. Typischerweise wird nach der ersten Phase des Auswahlprozesses, die einen allgemeinen Funktionsabgleich und die Überprüfung von Branchenerfahrungen umfasst, ein Prototyp erstellt, mit dem die wesentlichen Anforderungen im Anwenderunternehmen überprüft werden. Darauf folgt im nächsten Schritt die weitere Detaillierung der angestrebten SCM-Lösung.

»Die Auswahl und Implementierung von SCM-Software ist in den meisten Fällen mit einer Reihe von Herausforderungen verbunden, die viele Unternehmen leider unterschätzen«, betont Holger Klappstein von TXT e-solutions. Größter Hemmschuh ist die fehlende Definition der Ziele, die mit der Software erreicht werden sollen. Häufig fehlt es an einer stimmigen und umfassenden Konzeption. Auch die zu optimierenden Workflows werden oft nicht durchgängig betrachtet. Ein klassischer Fallstrick bei der Software-Implementierung ist der Organisationswiderstand: Die Blockierung durch Mitarbeiter, die keine Veränderungen möchten oder mehr Transparenz kritisch gegenüberstehen.

Ingesamt ist die Inbetriebnahme der Lösung mit den Geschäftspartnern der kritischste Schritt. Dieser muss organisatorisch gut vorbereitet sein, denn viele der genannten Fehler können vorab durch eine innerbetriebliche Lösung vermieden werden. »Leider gibt es bis heute nur in Ausnahmefällen die Position des Supply-Chain-Verantwortlichen«, weiß Holger Klappstein. Mit ihm können Unternehmen fast alle angesprochenen Implementierungs-Herausforderungen umgehen. Supply-Chain-Projekte sind allerdings von Natur aus funktionsübergreifend und brauchen daher Unterstützung auf Managementebene.

Synchronisierung im Mittelpunkt

Und wohin geht die Entwicklung in den nächsten Jahren? Künftig, sagen Experten, wird die Synchronisierung der gesamten Supply Chain im Mittelpunkt stehen: von der Rohware über den Produzenten bis hin zum Kunden. Von Bedeutung ist hierbei in erster Linie die Produktentwicklung der Vorlieferanten, die von den Markterfolgen der Endprodukte beeinflusst wird. Zudem müssen die Liefernetzwerke stärker als bisher an die Kundenbedürfnisse angepasst werden. In diesem Zusammenhang werden die bedarfsgesteuerten Liefernetzwerke zunehmend in den Fokus rücken. Eine weitere Herausforderung, die den Markt in den nächsten Jahren begleiten wird, ist die Beschleunigung des Material- und Informationsflusses. »Außerdem wird die fortlaufende Situationsbewertung eine zentrale Rolle spielen«, prognostiziert Holger Klappstein, »mit ihr können kritische Szenarien schnell identifiziert und beeinflusst werden.«

Erschienen in Ausgabe: 06/2007