Intralogistik

Die richtige Balance

Die Viastore Group setzt ihren Wachstumskurs fort. Firmenchef Philipp Hahn-Woernle berichtete in Stuttgart über volle Auftragsbücher, abgelehnte Aufträge und Planungsgespräche, in denen die Software zu kurz kommt.

13. Februar 2019
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Firmenchef Philipp Hahn-Woernle konnte in Stuttgart gute Zahlen präsentieren. (© Tobias Rauser)

Der Spruch ist einprägsam: »Software is eating the world«. Er stammt von Marc Andreessen, dem Mitgründer von Netscape. Doch was bedeutet diese Aussage in der Intralogistik? Ist der Satz überhaupt richtig? Diesen spannenden Fragen ging Viastore-CEO Philipp Hahn-Woernle auf dem Pressetag Ende des Jahres in Stuttgart nach.

Egal ob Marktkapitalisierung oder Beliebtheit bei Jobsuchenden: Softwarekonzerne sind sexy und hängen den klassischen Maschinenbau in vielen Bereichen ab. Die Intralogistik steht hier oft dazwischen: »Auf der einen Seite ist die Intralogistik sehr innovativ, wenn wir die Themen Vernetzung, Virtual Reality oder Robotik betrachten«, sagte Hahn-Woernle. »Auf der anderen Seite denkt die Branche oft sehr konservativ.«

So sei es gang und gäbe, dass bei vielen Kundengesprächen das Thema Software erst am Ende des Prozesses Gegenstand der Debatte sei. »Viel zu oft wird das Thema nicht in der gebotenen Tiefe diskutiert«, berichtete der Firmenchef aus der Praxis. Für ihn ist der gesamtheitliche Blick wichtig. Ein leistungsfähiges Intralogistiksystem entstehe genau dann, wenn drei Komponenten sauber und gleichberechtigt integriert werden: Software, Steuerung und Hardware. »Wer Software spannend findet, muss sich um die Hardware kümmern – und umgekehrt«, so das Fazit des Viastore-CEOs. Es gelte, die richtige Balance zu finden.

Gute Laune, gute Geschäfte

Das Viastore-Konzept aus Soft- und Hardware kommt bei Kunden laut Hahn-Woernle gut an. Die Zahlen, die der Firmenchef präsentierte, belegen das. Das Wachstum des Unternehmens liegt seit Jahren über acht Prozent – im Vergleich zu 2003 bedeutet das eine Verdopplung der Gesamtleistung. »Wir konnten in diesem Jahr einen Auftragseingang in Rekordhöhe verzeichnen«, berichtete ein entspannter und gut gelaunter CEO der Fachpresse. Vor allem das Softwaregeschäft übertreffe alle Erwartungen.

Dabei hätte Viastore noch stärker wachsen können. »Das ist aber mit unseren Qualitätsansprüchen nicht darstellbar«, sagte Hahn-Woernle und konkretisierte: «Deswegen müssen wir seit Februar Aufträge steuern.« Detlef Ganz, COO Viastore Systems, berichtete in Stuttgart, dass es vor allem Schwierigkeiten mit Zulieferern gibt: »Aus diesem Grund müssen wir manche Aufträge ablehnen.« Am Markt sieht Viastore vor dem Hintergrund der politischen und konjunkturellen Entwicklungen durchaus Unsicherheiten. Doch der »Rückenwind durch die Auftragseingänge« sei sehr beruhigend, sagte Firmenchef Hahn-Woernle.

Spannendes konnte auch Harald Göbel, der als COO die Geschäfte von Viastore Software verantwortet, berichten. Für ihn ist die Oberfläche einer Software immer stärker für den Erfolg verantwortlich. »Diese muss jeder bedienen können – unabhängig von Ausbildungsgrad, Herkunft, Erfahrung oder Nutzungsverhalten«, gab Göbel die Leitlinie vor. Auch in seinem Haus sieht er noch Handlungsbedarf. »Wir wollen uns als Softwarehaus emanzipieren und die Marke stärken«, sagte Göbel.

Erschienen in Ausgabe: 01/2019