Die volle Drohnung

Zwischendurch
13. Juni 2017

In den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts – doch doch, da gab’s mich schon – hat es nur so von ihnen gewimmelt: Unidentified Flying Objects, kurz UFOs genannt. Überwiegend allerdings zogen sie am Firmament der Boulevard-Blätter ihre Bahn. Logisch, denn viele ihrer Leser wollten sie gesehen haben: in der Wüste, über New York und selbst in der tiefsten Provinz. Wer die »fliegenden Untertassen« – so nannte man die Dinger auf Deutsch – steuerte? Darüber gingen die Meinungen auseinander. Kleine, grüne, neugierige, freundliche Männchen von einem anderen Stern behaupteten die einen; fiese, bösartige, hässliche Feinde der Erdlinge die anderen. Wirklich gesehen hat bis heute aber keiner einen Außenirdischen. Na ja, außer den E.T. vielleicht. Aber der (oder das?) wollte ja ohnehin nur nach Hause. Merkwürdige Flugobjekte aber sind geblieben. Im Gegensatz zu den sagenumwobenen UFOs von damals sind die jetzt den Luftraum beherrschenden Fluggeräte aber nicht unidentifiziert, sondern durchweg bekannter Herkunft. Richtig, die Rede ist von den fast schon allgegenwärtigen Drohnen.

Kaum ein Lebensbereich, in den die ursprünglich für militärische Zwecke entwickelten Flugkörper nicht vorgedrungen sind: UPS testet die Privatzustellung per Drohne vom Dach eines Zustellfahrzeugs aus. Wissenschaftler aus Hannover lassen sich bei der Planung von Fabriken von einer Drohne unterstützen (eine neue Technologie erzeugt in kürzester Zeit dreidimensionale Fabrikmodelle). Die Schweizerische Post, der Tessiner Spitalverbund EOC und der Drohnenhersteller Metternet führen seit Mitte März Drohnenflüge in Lugano durch. Hintergrund: Moderne Lieferdrohnen sollen künftig Laborproben zwischen zwei EOC-Spitälern transportieren. Die britische Regierung (typisch, immer dagegen) hat ein Expertenteam zur Drohenabwehr eingesetzt. Die Maßnahme gilt Gefängnissen. Dorthin – unschön unschön – hatte es mehrere Lieferungen gegeben. Dubai, weiß die »Hörzu«, teste eine Ein-Mann-Drohne, mit der Geschäftsleute den Stau in der Innenstadt überfliegen können. Klasse! Ich sehe unsere Geschäftsführer schon über den ständig vollgestauten Mittleren Ring in München düsen (’tschuldigung die Herren, meine Fantasie). Oder Donald T. bei einem G-dingsbums-Treffen: Politikerstaus könnte der goldige Präsident dann einfach überfliegen und müsste ehrfurchtslose Kollegen nicht erst wegschubsten, um seinem Amt entsprechend ganz vorn zu stehen.

Durchaus real ist eine Neuheit des Intralogistikers Linde Material Handling. Die findigen Köpfe aus Aschaffenburg haben zusammen mit den Robotikern von Balyo eine Lösung entwickelt, bei der im Zuge der Inventur eine Drohne die Lagerbestände checkt (zu sehen ist die »Flybox« auf Seite 10 dieser Ausgabe). Statt der vollen Dröhnung, so scheints, gibts nun die volle Drohnung.

Erschienen in Ausgabe: 03/2017