Diese Last ist eine Lust

Technik / Transportlogistik

Güterverkehr - Wein, besonders ein edler Tropfen, ist keine Ware wie jede andere. Vom Logistikpartner wird ein »besonderes Händchen« gefordert mit Blick auf die zu erfüllenden Kriterien. Hermes Transport Logistics vereint dabei seine weinlogistische Expertise in einem speziell auf die Branche zugeschnittenen Logistikpaket.

27. Januar 2015

Dieses Komplettpaket kommt den Weinproduzenten entgegen: Damit sich diese ganz auf den Anbau, die Vinifizierung und die Vermarktung konzentrieren können, bietet Hermes Transport Logistics (HTL) ihnen aus einer Hand individuelle und umfassende Wein-Logistik-Konzepte an. Wesentliche Dienstleistungen sind unter anderem: Die Verschiffung in Flaschen, Flexitanks und Tankcontainern, die gesamte zolltechnische Abwicklung einschließlich des Frachtpapiers Vinum Importum 1 (VI1) und die sichere und direkte Auslieferung in PTZ-zertifizierten Weinkartonagen bis zum Endverbraucher. Besonders Weinerzeuger in Übersee-Anbaugebieten profitieren davon, dass HTL ihren Wein unter Einhaltung höchster Qualitätsstandards individuell transportierten kann. »Für die gesamte Lieferkette ist Transportqualität ein entscheidender Faktor«, bestätigt Michael Landrock. Er betreibt das Internet-Portal cru.de sowie ein Wein-Outlet in Viernheim, ist ausgewiesener Weinkenner sowie studierter Logistik-Experte mit langjähriger Erfahrung in der Wein- und Getränkelogistik. »Wein ist ein sensibles Gut, dem Wärme, Frost, hohe Temperaturunterschiede, häufige Erschütterungen oder direktes Sonnenlicht Stress verursachen und so die Qualität mindern können. Die sensorische Beeinträchtigung eines Weins, verbunden mit dem Vergleich der Analysewerte beim Erzeuger und bei der Ankunft im Zielland, erlaubt grundsätzliche Rückschlüsse auf einen unsachgemäßen Transport.«

Qualität beginnt bei der Produktion

»In vino veritas« – im Wein liegt die Wahrheit – wussten schon die alten Römer. Geändert hat sich daran bis heute nichts, außer vielleicht, dass es in vielen Ländern viele »Wein-Wahrheiten« gibt. »Lokales Partner-Know-how in den Produktions- und Beschaffungsmärkten ist beim Produkt Wein unabdingbar«, sagt Stephan Schiller, Geschäftsführer HTL. »Wir arbeiten daher in den Erzeugerländern nur mit Partnern zusammen, die sich komplett mit der Produktions- und Handelsware Wein auskennen.« Wie wichtig der richtige Wein-Experte vor Ort ist, bestätigt Michael Landrock: »Fast jedes Land hat ein eigenes Weingesetz, das für Außenstehende beliebig diffizil und mit mannigfaltigen Stolpersteinen versehen sein kann. In Südafrika beispielsweise sind Dritt- und Viertweine auf dem Markt, die wegen eines zu hohen Schwefelgehalts in Deutschland gar nicht verkehrsfähig sind.« Auch muss man wissen, dass beispielsweise bei der Verladung von Tanktainern besondere Hygiene-Vorschriften zu beachten sind. »All dies ist unseren lokalen Partnern bekannt, und sie achten frühzeitig darauf«, erklärt Schiller. »Dadurch lässt sich ausschließen, dass komplette Ladungen vom Empfänger aufgrund eines unsachgemäßen Handlings abgelehnt werden.«

Der Prozess der Wein-Logistik beginnt noch vor dem ersten Transport mit einer sensorischen Probe auf dem Weingut und der biologisch-chemischen Analyse. »Hierbei werden unter anderem der Schwefelgehalt, die Säure und der Restzucker ermittelt, die den Wein bestimmen und identifizieren. Es soll ja der Wein geliefert werden, der auch ausgesucht wurde, und der Vergleich mit den Analysewerten im Zielland sorgt dann für Gewissheit«, erläutert Michael Landrock. »Diese Informationen werden auch in das VI1 übernommen, das als EU-Begleitdokument der Warensendung mitgegeben wird.«

Am besten unterhalb der Wasserlinie

»Das Logistikpaket, das wir unseren Kunden anbieten, kann so zusammengestellt werden, dass es die spezifischen Transportbedingungen für Flaschen- und für Containerweine auch wirtschaftlich effizient berücksichtigt«, sagt Stephan Schiller. Bei Wein als loser Ware handelt es oft um Qualitäten geringer Preiseingangsstufen zwischen einem bis drei Euro. Diese Versandart spart dem Erzeuger die Kosten der Abfüllung und Etikettierung. Die Tanktainer, in denen der Wein verschifft wird, sind gekühlt und können auf dem Schiff gestapelt werden. »Hier sind die Frachtraten am geringsten, sodass der Transport die Marge des Importeurs oder Händlers zum späteren Verkaufspreis nicht über Gebühr strapaziert«, so Landrock. »Die Container, in denen der in Kartons verpackte, in der Regel deutlich hochwertigere Flaschenwein verschifft wird, sind nicht gekühlt. Dies muss ein Logistikdienstleister natürlich berücksichtigen und mit dem Reeder die Verladung der Container in den Schiffsbauch unterhalb der Wasserlinie vereinbaren.«

Während bei der Überquerung des Äquators schnell Temperaturen von 50 °C und mehr – bzw. entsprechend hohe Temperaturschwankungen im Weincontainer – erreicht werden können, verändert sich die Umgebungstemperatur unterhalb der Wasserlinie nur um etwa 4 °C. »Erfahrungsgemäß sind die Frachtraten hier etwa 10 bis 15 Prozent höher als an Deck, aber der spätere Verkaufspreis des qualitativ hochwertigen Weines deckt diese Zusatzkosten ab«, erläutert Michael Landrock. »Besonders bei teureren Weinen im Bereich von 15 bis 20 Euro pro Flasche sollte ein Importeur tunlichst sicherstellen, transportbedingte Qualitätsverluste auszuschließen und mit dem Logistikdienstleister entsprechende Modalitäten vereinbaren.« Ein weiterer Faktor, der bei der Übersee-Verschiffung ebenfalls für die Verladung unter Deck spricht, ist die Einhaltung einer möglichst konstanten relativen Luftfeuchtigkeit um etwa 60 Prozent sowie einer ausreichenden Belüftung. Bei längerem Unterschreiten der 20-Prozent-Marke besteht bei korkverschlossenen Weinen die Gefahr des Austrocknens des Korkens, wodurch der Wein oxidieren und umkippen kann. Zudem können muffige Gerüche in den Wein gelangen. All dies beeinträchtigt in erheblichem Maße die Qualitätsanmutung des Weines. Ein anderer Qualitätsaspekt, auf welchen der Logistikpartner vor Ort besonders zu achten hat, ist die Auswahl der Container, in denen der flaschenverpackte Wein versandt wird. Zu neue, aber auch zu alte oder verschmutzte Container können Gerüche abgeben, die von der Weinkartonage aufgenommen werden.

Komplette Weinlogistik

Nachdem der Wein aus Übersee im Zolllager eingetroffen ist, den Transport in geeignetem »Ambiente« hinter sich gebracht hat und die Analyse im Institut den Wein als die Ware und Qualität identifiziert hat, die beim Erzeuger bestellt wurde, kann das Wein-Logistik-Konzept verschiedene Nachlauflösungen vorsehen. So auch Zwischenlagermöglichkeiten bis hin zu Kommissionierungstätigkeiten. Auch wollen immer mehr Kunden wissen, wann sich ihr Wein wo befindet – Trackinglösungen über operative Systeme des Logistikdienstleisters vom Zoll- oder Zentrallager in das Zuhause des Kunden sind daher längst mehr als nur »nice to have«. Als ausgewiesener Handelspartner im Multichannelbereich ist HTL auch bewusst, welch wichtige Rolle kurze Laufzeiten der Ware spielen. »Wer online bestellt, will die Ware am liebsten auch gleich haben. Und da man Wein nicht downloaden kann, muss die Transportdienstleistung versuchen, entsprechend schnell zu sein«, sagt Stephan Schiller.

Daten & Fakten

Hermes Transport Logistics ist ein Transportlogistiker mit über 10.500 Mitarbeitern in 11 Gesellschaften, welche einen Umsatz von 1,8 Milliarden Euro erwirtschaften.

Das Unternehmen bietet weltweit einen Full-Service: von der Warenbeschaffung bis hin zur Distribution an den Endkunden an.

Nachhaltigkeit Unter dem Motto »We do!« hat Hermes ein eigenes Klima- und Umweltschutzprogramm ins Leben gerufen.

Erschienen in Ausgabe: 01/2015