Effizienz im Lager

Als führender Hersteller von pneumohydraulischen Antrieben und Blechverbindungssystemen mit über 30 Niederlassungen weltweit, ist Tox Partner von Elektroindustrie, Automobilbau und Haushaltsgeräteherstellern. Da Tox in den letzten Jahren stark gewachsen ist, sollen durch ein zentrales Lager die langen Wege zwischen den Produktionsorten verkürzt werden.

20. Dezember 2002

Bei Tox Pressotechnik wird die Materialverwaltung zukünftig über ein zentrales Tablarlager gehandelt. Josef Gröber, Produktionsleiter bei Tox, will vor allem die Zugriffszeiten auf Einzelteile verkürzen und den Warenbestand verringern. Des weiteren soll das Zentrallager die Vorlaufzeit der Waren von einer Woche auf einen Tag verkürzen, Lagerkapazität und Lieferqualität erhöhen.

Das eingassige Lager wurde für 1.276 Tablarplätze eingerichtet. Die Fördertechnik ist allerdings so konzipiert, daß in einer später möglichen Ausbaustufe weitere Gassen samt Verfahrwagen problemlos integriert werden können. Das Kernstück der Anlage besteht aus einem Einmastregalbediengerät mit einer Förderleistung von 94 Einzelspielen pro Stunde.

An der Stirnseite des Gebäudes wird auf zwei Ebenen eingelagert, kommissioniert und Inventur gefahren. Die Kommissionier- und Einlagerungsplätze sind mit Waagen zur Gewichtsüberwachung und Konturenkontrolle ausgerüstet.

Die Identifizierung der Ware für den Wareneingang erfolgt mittels Barcodescanner. Eingescannte Artikel werden vom Lagerverwaltungssystem mit einem ihrer Höhe und Klassifikation entsprechenden Tablar versehen und zum Kommissionierplatz befördert. Der Bediener hat am Kommissionierplatz sein Tablar auf dem Bildschirm abgebildet und lagert den Artikel der Anweisung entsprechend ein. Gewichts- und Konturenfehler werden sofort erkannt und können vom Bediener korrigiert werden. Umlagerung und Kommissionierung lassen sich über eine einfache Menüführung durchführen.

Die Steuerung der Anlage erfolgt über SPS-S7 mit Profibus DP und Standardschnittstelle zum Lagerverwaltungs- und Steuerungssystem. Das LVS-Control verwaltet und kontrolliert das gesamte Lager vom Lagerplatz über RBG, Übergabeplätze, Pufferplätze bis hin zu den Kommissionierplätzen. Da bereits seit 1998 SAP/R3 als zentrales ERP-System bei Tox im Einsatz ist, mußte die LVS-Software in das Supply-Chain- Management integriert werden. Die Anbindung an SAP/R3 erfolgt über IDoc. Sowohl aus dem SAP/R3 wie auch aus dem LVS kann im Modus „Testsystem“ auf Online-Betrieb umgeschaltet und der gesamte Logistikprozeß simuliert werden: Virtuelle Probeläufe in der Testphase, das Einfahren der Anlage oder die Einarbeitung von Mitarbeitern lassen sich problemlos durchführen.

Alle wesentlichen Daten werden zwischen SAP und LVS ausgetauscht. Materialstamm und Klassifizierungen, aber auch Transportaufträge, Stornoanfragen und Inventurdaten lassen sich aus beiden Systemen uneingeschränkt abfragen. Der Datenaustausch samt Infos und Fehlermeldungen wird in der MS-SQL Serverdatenbank lückenlos protokolliert. Jeder Kommissionierplatz ist mit einem Lagerverwaltungsrechner ausgestattet, der dem Bediener alle im SAP/R3 angeforderten Transportaufträge zum Bearbeiten anzeigt, die Tablare mit deren Artikeln visualisiert und das Einscannen der Artikel-Barcodes ermöglicht. Als Verantwortlicher für die Arbeitsvorbereitung zeigt sich Projektleiter Michael Laub mit dem Ergebnis zufrieden: „Die Softwareoberfläche ist ergonomisch aufgebaut und einfach zu bedienen. Daher haben sich die Lageristen sehr schnell eingearbeitet. Nicht zuletzt aus diesem Grund stieß das Lager bei den Mitarbeitern in Kürze auf eine hohe Akzeptanz.“

Die Buchung der Daten erfolgt via Funkbarcodescanner. In Zeiten geringer Auslastung läßt sich die Lageraufteilung optimieren. Logisch zusammengehörende Artikel werden in sogenannten Teilefamilien auf einem Tablar zusammengefaßt. Damit lassen sich schnellere Auslagerungen und bis zu 76 Prozent weniger Tablarfahrten erreichen. Gebhard Villinger, Leiter im Einkauf: „Tox-Kunden schätzen unsere „Just-in-time“-Fertigung, die das Tablarlager optimal unterstützt. Dadurch erreicht Tox noch schnellere Zugriffszeiten bei hoher Verfügbarkeit.“ Schon in der Hauptmaske wird die Anzahl der freien Plätze im Lager für die unterschiedlichen Kistengrößen aufgelistet und der Anlagenstatus bezüglich anstehender Stör- und anderen Meldungen von SPS und LVS angezeigt.

Das LVS bietet eine Fülle sinnvoller Funktionen und Anzeigemöglichkeiten. So läßt sich der aktuelle Artikelbestand entweder nach Lagerplätzen auflisten oder kumuliert anzeigen. Sämtliche Bewegungen und Bestandskorrekturen werden protokolliert, wobei sich die Liste sowohl nach Bewegungstyp als auch nach Zeitbereich filtern läßt. Eine Aufnahme des Lagerbestands, von SAP/R3 angestoßen, kann als Stichprobe oder permanente Inventur durchgeführt werden. Die zu zählenden Artikel sind während der Inventur gesperrt. Schließlich wird durch die Einlagerung der Teile ins Zentrallager automatisch eine Inventur, beziehungsweise eine Sauberaktion, durchgeführt.

Erschienen in Ausgabe: 09/2002