Ein Update wie im Fluge

Technik

Nachrüstung - Bei Expressdienstleistern, der Name sagt es, muss es schnell gehen. Damit aber alle Prozesse optimal ablaufen, muss manchmal nachgerüstet werden – wie unlängst bei TNT Express im belgischen Lüttich.

30. November 2010

Das Luftfracht-Verteilzentrum (Euro-Hub) von TNT Express im belgischen Lüttich ist eine wichtige internationale Luftverkehrsdrehscheibe. Hier werden alle innereuropäischen Paketsendungen von TNT sortiert. Die Sendungen werden von durchschnittlich 40 Flugzeugen und 120 Lkw pro Nacht angeliefert. Nachdem die Sendungen sortiert sind, werden sie in 36 europäische Länder, die Vereinigten Staaten und nach Asien versandt.

Ausgefeiltes System

Der innerbetriebliche Transport all der nach Lüttich gebrachten Sendungen erfolgt mit Hilfe eines ausgefeilten Materialflusssystems von Vanderlande Industries. Das umfangreiche System hat eine Gesamtlänge von acht Kilometern und besteht aus sechs Vanderlande-Posisortern und 44 Vertisortern. Die Sorter sind dafür zuständig, die Pakete an 134 Schwerkraftrutschen zu verteilen.

Die Hauptaktivitäten auf dem TNT Euro-Hub finden nachts statt. Aber auch tagsüber ist die Anlage in Betrieb. Dann zum Beispiel, wenn Sendungen ins nichteuropäische Ausland anstehen, etwa mittels Direktflug nach China. 70 Prozent aller internationalen Express-Sendungen, die von TNT Express transportiert werden, durchlaufen das Verteilzentrum in Lüttich. Zusammen mit dem Wartungsteam von TNT arbeitet Vanderlande an der ständigen Optimierung von Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit der Lütticher Großanlage. Ergebnisse dieser Zusammenarbeit sind gemeinsam entwickelte Systemverbesserungen, mit denen man auch künftigen Anforderungen gerecht werden wird.

Gründlicher Check

Nachdem das europäische Drehkreuz von TNT Express seit 1998 in Betrieb ist, war es unlängst an der Zeit, die Anlage einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei zeigte sich, dass es einiger Veränderungen bedurfte, um das System wieder auf den neuesten Stand der Technik zu bringen und dafür zu sorgen, dass es die aktuellen und künftigen Anforderungen erfüllt.

Austausch sämtlicher FSCs

Die SPS beispielsweise und auch die FSCs (Flow System Controller von Vanderlande) standen kurz vor dem Ende ihrer Lebensdauer. Daher waren Maßnahmen erforderlich, um die Funktionstüchtigkeit und Verfügbarkeit des Systems auch weiter zu gewährleisten. Aus diesem Grund entschied sich TNT Express für den Austausch sämtlicher FSCs. Die Hardware wurde ersetzt und die Software auf den neuesten Stand gebracht. Anschließend konnten die neuen FSCs ohne Beeinträchtigung der betrieblichen Abläufe in Betrieb genommen werden – eine beachtliche Leistung, die ohne die perfekte Vorbereitung und ausgiebige Offline-Tests von Vanderlandes FSC-Ingenieuren nicht möglich gewesen wäre.

Umstellung von S5 auf S7

Obwohl das System in Lüttich die Leistungsanforderungen noch erfüllte, wurden die Original-SPS vom Hersteller nicht mehr unterstützt. Im Falle eines Ausfalls wäre also möglicherweise mit Problemen bei der Ersatzteilbeschaffung und mit inakzeptablen Stillstandszeiten zu rechnen gewesen. Daher empfahl Vanderlande Industries seinem Kunden TNT, die SPS von S5 auf S7 umzustellen, um so die Wartung zu vereinfachen und das Risiko zu minimieren.

Vor der Nachrüstung umfasste das System in Lüttich pneumatische Posisorter von Vanderlande, die nicht über die heutzutage übliche Pin-Verlusterkennung verfügten. Versuchsweise stattete Vanderlande also zunächst einen der Sorter mit einer solchen Detektionsfunktion aus. Da der Test erfolgreich verlief, wurden auch die anderen fünf Posisorter umgerüstet.

Auf dem neuesten Stand

Nach dem Abschluss der Modernisierung ist das System in Lüttich wieder auf dem neuesten Stand und das Risiko von Stillstandszeiten wegen möglicher Probleme mit älterer Hard- und Software und nicht vorhandener Detektionsfunktion deutlich geringer. Vanderlande Industries bietet seinen Kunden automatisierte Materialflusssysteme und damit verbundene Serviceleistungen an. Das Unternehmen ist auf das Gepäckhandling an Flughäfen, auf automatisierte Logistikprozesse in Distributionszentren und auf Lösungen für die Paket- und Postsortierung spezialisiert. Vanderlande implementiert Materialflusssysteme aller Größen, von lokalen Sortierdepots bis hin zu den weltweit größten Umschlageinrichtungen. Mit 2.000 Mitarbeitern erwirtschaftet das Unternehmen einen Jahresumsatz von 550 Millionen Euro. 50 Prozent der Vanderlande-Mitarbeiter haben ein Hochschulstudium absolviert. Die Systeme und Dienstleistungen von Vanderlande Industries haben das Ziel, die logistischen Abläufe des jeweiligen Kunden zu verbessern und die logistischen Leistungen aktuell und während des gesamten Lebenszyklus der Anlagen zu steigern.

Breites Leistungsspektrum

Vanderlande Industries legt großen Wert auf eine möglichst enge Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Kunden: von der Analyse der Geschäftsprozesse bis hin zum umfassenden System-Support. Um diesen Anspruch realisieren zu können, kombiniert das Unternehmen eine breite Produktpalette und umfassendes Branchenwissen mit hoher Kompetenz in den maßgeblichen Fachbereichen. Dazu zählen Systemdesign und -technik, Lieferkettenmanagement und Fertigung, Informations- und Kommunikationstechnologie, Systemintegration, Projektmanagement und Kundendienst. Vanderlande ist in allen wichtigen Regionen der Welt präsent. Vor Ort operiert das Unternehmen über Kundenzentren (Customer Centres), die alle wesentlichen Geschäftstätigkeiten ausüben und den direkten Kontakt zum Kunden pflegen.

Daten & Fakten

Vanderlande Industries mit deutschem Sitz in Mönchengladbach ist Spezialist für Materialfluss-Systeme in den Bereichen Distribution, Parcel & Postal und Gepäckförderung.

Die Lösungen des innovativen Unternehmens haben in über 700 Distributionszentren und Anlagenkomplexen und in mehr als 600 Flughäfen in aller Welt ihren Platz.

Jede Systemlösung ist den spezifischen Anforderungen des Kunden exakt angepasst.

Erschienen in Ausgabe: 06/2010