Tobias Rauser: Corona macht den Ifoy-Planungen 2020 einen Strich durch die Rechnung. Und nun?

Anita Würmser: Die große Abschlussparty fällt diesmal aus, aber es gibt Wichtigeres in diesen Zeiten. Als Auftaktveranstaltung für die Hannover Messe Logistik musste nach der Absage des Messe natürlich auch die Ifoy-Preisverleihung abgesagt werden. Wir nehmen das als Herausforderung, und inszenieren eine virtuelle Preisverleihung, mit der wir die Gewinner mindestens so hochleben lassen wie beim letzten Mal in der Wiener Hofburg. Was, zugegeben, schwer wird, denn damals hatten wir über 500 Gäste und die Onlinereichweite nur der Preisverleihung lag bei etwa 40 Millionen weltweit, insgesamt waren es online über 90 Millionen.

Wie soll die „virtuelle Preisverleihung“ konkret stattfinden und wann werden die Gewinner bekannt gegeben?

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Es wird die kürzeste, aber auch coolste, die wir jemals hatten. Wir transformieren den Ifoy und eine Ifoy-Verleihung ist und bleibt eine Show. Mehr sage ich nicht. Termin ist am 13. Juli 2020 um Punkt 18 Uhr auf www.ifoy.org, am Vorabend der Hannover-Messe-Digitaltage. Die ganze Welt ist eingeladen und es lohnt sich definitiv, dabei zu sein.

Keine jubelnden Sieger und Jubelfotos auf der Bühne?

(lacht) Ein Ifoy Award ohne Jubel? Das geht doch gar nicht!

Warum gibt es keine Verschiebung in den Herbst oder Winter?

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Eine Preisverleihung mit mehr als 500 internationalen Gästen halte ich allein schon aufgrund der Reisebeschränkungen bis in den Winter hinein für nicht durchführbar und man kann Eventtermine in solchen Krisen auch nicht ständig vor sich herschieben. Ein klarer und frühzeitiger Schnitt ist die beste Lösung. Eine Ifoy-Party wäre zwar ein schöner Abschluss, aber man darf eines nicht vergessen: Beim Ifoy geht es vor allem um Innovationen, um Testen, Prüfen, Beurteilen und – ganz wichtig – um internationale Reichweite. Die Welt soll von den Innovationen der Finalisten erfahren. Das erreichen wir auch ohne eine Live-Preisverleihung. Und was spricht dagegen, es einmal anders zu machen. Wir haben ein großes internationales Netzwerk und das Internet bietet zahlreiche Möglichkeiten. Es ist alles da, man muss es nur richtig nutzen.

Konnten die Tests eigentlich noch wie geplant durchgeführt werden?

Ja, die Ifoy Test Days mit dem Audit der Finalisten und die Premiere des Test Camp waren im Februar wahrscheinlich der letzte Live-Event in der Intralogistik vor dem Lockdown. Vor allem das neue Test Camp war ein großer Erfolg. Wir haben zum ersten Mal 50 ausgewählte Entscheider aus dem potenziellen Kundenkreis der Intralogistiker eingeladen, um hands-on live zu erleben. Darunter waren CEOs mittelständischer und großer Logistikdienstleister, der Lebensmittelhandel war vertreten, die Industrie. Die erste Buchung für das Camp 2021 haben wir übrigens schon. Ein Gast, der für die Ausrüstung von über 50 Lagerstandorten zuständig ist, wird 2021 mit mehreren Kollegen wiederkommen.

Gibt es schon einen Termin für die Test Days 2021?

Die Test Days finden von 2. bis 4. Februar 2021 auf dem Messegelände in Hannover statt. Am 2. und 3. Februar öffnet das Test Camp für die B2B-Besucher, am 4. Februar reist die Jury an.

Was, wenn es dann auch noch Reisebeschränkungen gibt?

Wir haben verschiedene Szenarios durchgespielt. Ein Testprocedere nach Standard können wir sicherstellen. Getestet wird im sehr kleinen Kreis von vier Personen. Das geht auch mobil. Die Jury können wir per Video dazuschalten. Alle Juroren sind immer auf dem neusten Stand und haben die Geräte meist schon live gesehen oder sich redaktionell mit den Innovationen beschäftigt. Grundsätzlich sind die Ifoy Test Days und das Test Camp für die B2B-Besucher heute schon ein Corona-konformes Format. Im Test Camp bewegen sich rund 200 Personen, die sich auf eine riesige Messehalle verteilen. Die Weitläufigkeit des Messegeländes in Hannover und die Größe der Hallen wurde oft als Nachteil empfunden, jetzt macht es die Hannover Messe zum perfekten Eventstandort.

Die Juroren sind ja über die ganze Welt verteilt (auch „logistik journal“ ist ja beim Ifoy dabei), was hören Sie etwa von den Kollegen aus besonders betroffenen Ländern?

Die Jury besteht aus Chefredakteuren bedeutender Logistikmedien weltweit und wir sind enger im Austausch als jemals zuvor. Alle arbeiten im Homeoffice und alle berichten von dramatischen Umsatzeinbrüchen. Die meisten sind sehr entspannt, weil mobiles Arbeiten für Journalisten längst zum Alltag gehört, aber auch die Medienlandschaft in der Logistik wird nach Corona nicht mehr dieselbe sein.