Fashion-Logistik a' la mode

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Intralogistik - Die Modebranche folgt ganz eigenen Gesetzen. Das gilt auch für die Logistik dieses Wirtschaftszweigs. Fakt ist: E-Commerce respektive Online-Shopping macht auch den Modeversand schneller. Dafür braucht es die passenden Systeme. SSI Schäfer hat sie. (Logimat: Hallen 1 und 7)

20. Februar 2017
Frei konfigurierbares Layout: Das CarrierSystem von SSI Schäfer ist ein flexibel gestaltbares Baukastensystem, das aus Carrier, Umlaufförderer, Stauförderer, Weichen und aus Arbeitsplätzen für die Be-, beziehungsweise Entladung der Carrier besteht. Bildquelle: SSI Schäfer
Bild 1: Fashion-Logistik a' la mode (Frei konfigurierbares Layout: Das CarrierSystem von SSI Schäfer ist ein flexibel gestaltbares Baukastensystem, das aus Carrier, Umlaufförderer, Stauförderer, Weichen und aus Arbeitsplätzen für die Be-, beziehungsweise Entladung der Carrier besteht. Bildquelle: SSI Schäfer)

Die Modebranche hat in den letzten Jahren einen strukturellen Wandel durchlaufen. Die klassische, europäisch geprägte Saisoneinteilung in »Frühling/Sommer« und »Herbst/Winter« löst sich immer mehr auf und macht Platz für Zwischen- und Sonderkollektionen. Die Zahl der Käufer, die Geschäfte aufsuchen, ist rückläufig. Dafür wächst die Gruppe derer, die ihre Kleidung online kaufen, seit Jahren beständig. Bereits jedes achte Geschenk unter dem Weihnachtsbaum stammt aus dem Netz. Besonders beliebt sind Kleidung und Technik. Für den Online- und Versandhandel ist das vierte Quartal die umsatzstärkste Zeit im Jahr. Knapp 30 Prozent des Jahresumsatzes werden in diesen drei Monaten erwirtschaftet. Weiter angekurbelt wird der E-Commerce von Aktionstagen wie dem »Black Friday« oder dem »Singles Day« sowie durch andere Rabattaktionen. Big-Data-Auswertungen der Händler unterstützen diese Entwicklung durch persönlich zugeschnittene Angebote und individuelle Kaufanreize. Logische Folge: Die Gesamtumsätze im E-Commerce sind stark steigend, wobei der Artikelumfang pro Bestellung zurückgeht. Der Kunde kauft weniger aber häufiger. Dies führt zu einem exponentiellen Anstieg der Lieferungen im Distanzhandel. 2016 stieg das beförderte Paketvolumen in Deutschland auf fast 2,5 Milliarden Stück.

Enormes Wachstum

Immer kleinere Einheiten mit höherer Dynamik und Komplexität– diese Trends wirken sich stark auf die Logistik aus. Aufgrund des enormen Wachstums im E-Commerce und dessen steigender Relevanz nehmen die Händler die Logistik wieder selbst in die Hand. Bislang bevorzugten sie es, diese an externe Dienstleister auszulagern. Schließlich werden Online- wie Offline-Vertriebskanäle und Bestände nicht mehr parallel, sondern kombiniert betreut. Außerdem werden aus einem Logistikzentrum heraus sowohl Filialen als auch Endkunden beliefert. Hinzu kommt die Notwendigkeit eines effizienten Retourenmanagements.

Zurückgeschickte Waren müssen schnellstmöglich wieder verfügbar sein. Die Rücksendequote liegt im Branchendurchschnitt bei 40 bis 50 Prozent. Ein weiterer Trend sind die Kundenerwartungen hinsichtlich kurzer Lieferzeiten von ein bis zwei Tagen. Einige große Onlineshops bieten bereits Lieferungen am Tag der Bestellung und Lieferungen mit Wunschzeiten an. Entsprechend schnell muss der Auftrag im Logistikzentrum bearbeitet werden, um auch noch späte Bestellungen nach 16 Uhr am selben Tag versenden zu können. Klar also, dass Anbieter von intralogistischen Lösungen auf die veränderten, wesentlich dynamischeren Prozesse in der Fashion-Logistik respektiv im innerbetrieblichen Materialfluss reagieren müssen.

SSI Schäfer etwa bietet Kunden aus der Fashion-Branche nach individueller Anforderung Produkte und maßgeschneiderte Lösungen mit optimiertem Automatisierungsgrad. Hoch skalierbare Systemlösungen sorgen für flexible, schnelle und effiziente Prozesse zur Verbesserung von Produktivität, Transparenz und Ergonomie. Dies gilt sowohl für den innerbetrieblichen Transport als auch für Lagerung und Kommissionierung.

In puncto Kapazität und Leistungsfähigkeit ist das Einebenen-Shuttle-System »Cuby« von SSI Schäfer eine flexibel auslegbare Lösung für die Lagerung von Liegewaren in bis zu 35 kg schweren Behältern oder Kartons (inklusive Ware). SSI Schäfer stellte diese Lösung bereits auf der Cemat 2016 vor. Das »Cuby« kann auf eine Länge bis 100 Meter und eine Höhe bis 15 Meter sowie beliebig viele Gassen dimensioniert werden. Dabei bietet es größtmögliche Lagerdichte durch schmale Fahrwege für die einfachtiefen Shuttles und eine optimale Raumausnutzung der Regalzeilen mit den doppelttiefen Lagerfächern bei äußerst geringer Ebenenteilung.

Patentiertes Konzept

SSI Schäfers aktuellste Lösung kommt aus dem Bereich der Hängefördertechnik. Mit dem kompakten und vielseitigen »SSI Carrier System« lassen sich Güter bis drei Kilogramm mit hohem Durchsatz transportieren, dynamisch puffern und sequenzieren. An dem flurfreien »SSI Carrier« können Taschen oder Hängewaren befestigt werden. Des Weiteren läuft das System auf wartungsfreien Rollen und ermöglicht über einen angetriebenen Umlaufförderer einen Durchsatz von bis zu 10.000 Ladungsträgern pro Stunde. Die Geschwindigkeit des Förderers ist dabei optimal an die Beschaffenheit der Ware adaptierbar.

Das innovative und patentierte Konzept des angetriebenen Stauförderers ohne Gefällestrecken sorgt für einen schonenden Transport der Ware in den Taschen. Das hat zwei wesentliche Vorteile. Zum einen wird das Aufeinanderstoßen der Taschen und Waren, wie bei Gefällestrecken üblich, vermieden. Zum anderen ermöglicht die horizontale Anordnung eine optimale Raumausnutzung mit einem kompakten und angepassten Stahlbau– auch in mehrstöckiger Bauweise.

Der bis zu zwei Kilometer lange Kreisförderer verbindet die logistischen Module einer Anlage. Dabei verwendet das neue System ein redundantes und wartungsfreies Antriebskonzept, das ohne störende Übergänge oder Spannvorrichtungen auskommt. Die Ladungsträger können dabei, je nach Beschaffenheit der Waren, in unterschiedlichen Abständen gefahren werden.

»Der neue ›SSI Carrier‹ ist etwa 10 Prozent kleiner als bestehende Systeme am Markt. Damit können wir auf der gleichen Strecke bis zu 10Prozent mehr Carrier puffern«, betont Produktmanager Klaus Hiesgen, Geschäftsführer der zur SSI-Schäfer-Gruppe gehörenden HSP GmbH. Ein weiterer Vorteil des Hängeförderers liegt darin, dass er flexibel Hängeware, Liegeware oder andere Produkte bis drei Kilogramm aus den Bereichen Pharma, Kosmetik, Elektronik oder Lebensmittel in den Taschen schonend transportieren kann. Die Geschwindigkeit des Förderers ist dabei bequem an die Beschaffenheit der Ware adaptierbar.

Hohe Wirtschaftlichkeit

Besonders wirtschaftlich ist das System zum Beispiel im Einsatz als dynamischer Retourenpuffer. Dazu wird die zurückgesandte und geprüfte Ware erfasst, in eine Tasche gesteckt und über eine Weiche in das System gegeben. Hier wird die Ware dann zusammen mit anderen Rückläufern platzsparend für den unmittelbaren Verkauf gepuffert und kann mit der nächsten Bestellung sofort wieder versendet werden. Diese Funktion des dynamischen Puffers garantiert eine definierte Zugriffszeit auf alle gepufferten Artikel, was für den raschen Zugriff im E-Commerce Voraussetzung ist. Darüber hinaus lassen sich aber auch gleichzeitig B2B- und B2C-Aufträge in einer Anlage abwickeln. So kann Lagerware durch einfache Übergabe der Waren in die Taschen des Taschensorters sequenziert und nach Kundenaufträgen sortiert sowie mit Teilen aus dem Retourenpuffer automatisch zu einem Auftrag zusammengefügt werden. Ebenso lässt sich auch die Filialbelieferung mit verschiedenen Größen eines Artikels über die gleiche Anlage sequenzieren (Shop Friendly Delivery).

Ein weiteres Beispiel für den Transport von Behältern und Kartons (oder mit einem Aufsatz für Hängeware an Kleiderbügeln) ist das Fahrerlose Transportsystem (FTS) »Weasel«. Das innerbetriebliche Fahrzeug ist sowohl flexibel einsetzbar als auch skalierbar und ohne aufwendige Installationen am Boden realisierbar. Geh- oder Fahrt-, beziehungsweise Fluchtwege werden auf diese Weise nicht durchschnitten.

Der Einkauf im Internet mit immer kürzeren Lieferzeiten stellt immer höhere Anforderungen an die Logistik. Das verändert die klassischen Distributionswege und Logistikprozesse zunehmend. Neben dem schnellen Zugriff auf die gewünschte Ware im Lager sollen im Gegenzug Retouren nach einer Prüfung umgehend wieder verfügbar sein. Dazu müssen moderne Lagerlogistikanlagen möglichst kompakt, flexibel und hochdynamisch sein.

»Das E-Commerce-Geschäft entwickelt sich immer dynamischer. Waren, darunter zunehmend auch Lebensmittel, müssen immer schneller beim Kunden sein«, weiß HSP-Geschäftsführer Klaus Hiesgen. »Durchsätze mit bis zu 10.000 Ladungsträgern pro Stunde und die Matrix-Sortierung von B2C-Aufträgen sind in dieser Dimension und Produktvielfalt nur mit dem SSI-Carrier-System möglich. Damit bieten wir unseren E-Commerce-Kunden eine kostengünstige und kompakte Lösung für große dynamische Puffer. Durch die Eigenentwicklung der ›SSI-Carrier‹ sowie des Stahlbaus und der passenden IT erhält der Kunde bei SSI Schäfer alles aus einer Hand.«

Immer komplexere Prozesse

Die anstehenden Herausforderungen der Fashion-Logistik manifestieren sich in den immer komplexer werdenden Prozessen, induziert unter anderem durch Multi-Channel-Distribution, aber auch durch höhere Retourwarenquoten. Um diesem Umstand gerecht zu werden, hat SSI Schäfer Anfang des Jahres 2017 seine IT-Kompetenz in einer eigenen, starken Division gebündelt. In der neu geschaffenen SSI Schäfer IT Solutions GmbH wird das Prozessverständnis von rund 800 IT-Experten gebündelt, welche die Implementierung und Integration von Intralogistik-Projekten sowie die Entwicklung neuer IT-Lösungen realisieren. Für die globale Abwicklung und die, so ein Pressetext, »Servicierung« wird die SSI Schäfer IT Solutions GmbH von weiteren 300 IT-Mitarbeitern, die weltweit an den jeweiligen Standorten ansässig sind, kompetent unterstützt. Eingesetzt wird dafür das von SSI Schäfer entwickelte Warehouse-Management- und Materialfluss-System »WAMAS«, das die vielfältigen Komponenten und Gewerke aus dem Hause SSI Schäfer steuert, verwaltet und die logistischen Geschäftsprozesse der Kunden abbildet.

Gerade in diesen Geschäftsprozessen hebt sich die Fashion-Branche zunehmend von anderen Branchen ab. Während viele Retailer bei der Warenbestückung ihrer Stores in Saisons denken, wechseln die Anbieter in der Modebranche ihr Sortiment mittlerweile mehrmals innerhalb einer Saison. Die klassische »Frühjahrskollektion« greift dabei meist schon zu kurz. Damit sich die Mitarbeiter in den Shops nur mit verkaufsaffinen Tätigkeiten beschäftigt können, werden auch immer mehr Geschäftsprozesse von den Shops in die Verteilzentren verlagert. Waren das bislang Tätigkeiten wie Aufbügeln sowie Versehen der Waren mit Preisschildern und das Anbringen von Warensicherungsetiketten ist die Fashion-Logistik nunmehr gefordert, die Waren in einer Reihenfolge in die Stores zu liefern, die auch dem Shop-Layout entspricht (Shop Friendly Delivery). Nur so kann die Ware schnell und effizient eingeordnet werden.

Der hohe Anteil an Retourware bringt eine weitere Besonderheit der Fashion-Logistik mit sich: die Führung der Mitarbeiter bei Prüfung und Aufbereitung im Rücknahmeprozess. Alle Teilschritte der sogenannten Reverse Logistics müssen in Bezug auf den operativen Logistikaufwand mittels IT-unterstützten Prozessen reduziert werden– jedenfalls, soweit dies möglich ist. Mit diesen und weiteren Intralogistiklösungen, mittels »WAMAS« intelligent zu einem System vereinigt, bietet SSI Schäfer eigenen Angaben zufolge »ein einzigartiges Produktspektrum für den modernen und effizienten E-Commerce wie auch für die Multi-Channel-Distribution der Fashion-Branche« an.

Daten & Fakten

Die SSI Schäfer Gruppe ist der weltweit führende Lösungsanbieter von modularen Lager- und Logistiksystemen. Das Unternehmen beschäftigt an seinem Hauptsitz in Neunkirchen (Siegerland), in 60Auslandsgesellschaften sowie an Produktionsstätten im In- und Ausland über 8.500 Mitarbeiter.

Das Unternehmen plant, konzeptioniert und produziert Systeme zur Einrichtung von Lagern, Betrieben, Werkstätten und Büros, manuelle und automatische Lager-, Förder-, Kommissionier- und Sortiersystemen sowie Lösungen für Abfalltechnik und Recycling.

Über 900 IT-Experten entwickeln hochperformante Anwendungen und stehen den Kunden für Lösungen zur intelligenten Verknüpfung von Software- und Hardwarekomponenten zur Seite.

Erschienen in Ausgabe: 01/2017

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