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Dienstleister - Der Fachbereich Supply Chain & Logistics von Bayer bietet Dienstleistungen für die Realisierung von Logistik- und SCM-Netzwerken - gestützt auf 40jähriges Logistik-Know-how bei Bayer.

18. April 2005

Die Anfänge der Technischen Logistik bei Bayer liegen in einer Zeit mit deutlichen Anzeichen einer um sich greifenden Aufbruchstimmung. Daraus erwachsene Bestrebungen, industrielle Produktionsabläufe stärker auf die zukünftigen Entwicklungen - vor allem Wachstum - auszurichten, führten 1964 bei Bayer in Leverkusen zur Gründung einer ingenieurtechnischen Abteilung für Rationalisierung, Automatisierung und Transport. Die Gestaltung und Nutzung eines multifunktionalen Leistungsprofils stand dabei ebenso im Mittelpunkt wie die anschließende Ausrichtung nach klassischen Kriterien der Logistik. Anfangs ging es vorwiegend um die Planung und Implementierung von Maßnahmen zur Verbesserung der Materialflüsse, zur transportgerechten Gestaltung innerbetrieblicher Verkehrswege und zum bedarfsgerechten Einsatz verschiedener Lagertypen. Im Verlauf vieler Planungen und Ausführungen bildeten sich spezifische Bewertungsmaßstäbe aus, die nicht selten zu konstruktiven Änderungen üblicher Detailausführungen, etwa in der Antriebs- oder Steuerungstechnik, führten. Damit wuchs ein kreatives Potential, das Möglichkeiten eröffnete, modifizierte Systemvarianten für die Bereiche Verpackung, Materialfluß und Lagertechnik zu entwickeln. In den nachfolgenden Jahren wurden auch völlig neue Systeme initiiert und realisiert, so zum Beispiel automatisierte Hochlager für Leerfässer, sogenannte Faß-Silos. In der Zwischenzeit standen automatisierte Hochregallager für Paletten im Blickpunkt. Die eigenen Leistungen konzentrierten sich neben der Planung vor allem auf Sicherheitsbelange, Toleranzvorgaben für mechanische Funktionen, um jegliche Betriebsstörung zu vermeiden, sowie auf die Montage und Wartung. Die ersten Hochregallager mit manueller Steuerung im Werk Dormagen eingerechnet, zählt Bayer nach Einsätzen dieser neuen

Technologie zu den Pionieren auf dem deutschen Markt. Mit der akribischen Auswahl von Funktionseinheiten für das Handling, den Materialfluß und die Lagertechnik hatte Bayer eine durch Erfahrung unterstützte Plattform geschaffen, die eine Garantie für die erfolgreiche Installation innerbetrieblicher Logistiksysteme bot. Nicht nur wenn ein System-Transfer zwischen den deutschen Stammwerken von Bayer anstand, sondern auch im Hinblick auf die Auslandswerke des international aufgestellten Konzerns und außerdem für Auftraggeber auf dem freien Markt. Die Entwicklung von komplexen Systemen nach den Anforderungen der Logistik verlief in schneller Abfolge. Highlights sind Strukturentwicklung und Systeme für das Bayer-Produktionswerk im belgischen Antwerpen, die Bewältigung von 70.000 Artikeln bei Agfa-Gevaert und die Planung der seinerzeit zukunftsweisenden Lagerstadt »Zentrallager Dormagen West« für die idealtypische Konzentration vieler Lager mit der günstigen Anbindung an Straße und Schiene. Zunehmend gefragt war in den folgenden Jahren die Unterstützung der ausländischen Standorte von Bayer, um dort die Logistik neu zu gestalten. Dazu gehörte die Erarbeitung von Studien für Lagerung, Transport und die gesamte Distributionskette. So in Australien oder für die Bayer-Standorte in Tarragona/Spanien, Sarnia/Kanada und Pilar/Argentinien. Derzeit aktuell: Caojing in China, wo auf dem Gelände des Shanghai Chemical Industry Park mit Investitionen in Höhe von 3,1 Milliarden Euro auf 1,5 Quadratkilometern ein Großstandort errichtet wird. Die Nutzung internationaler Datennetze begann bei Bayer Anfang der 80er Jahre. Schnell erreichte der Austausch logistischer Daten auf elektronischem Weg innerhalb und zwischen den Unternehmen erhebliche Bedeutung. Während dieser Periode erfolgte bei Bayer auch die Einführung der Barcode-Technik.

Integrierte Informationslogistik

Mitte der 90er Jahre forcierte Bayer den Ausbau der integrierten Informationslogistik. Obenan stand die Forderung, von den Lieferanten bis zu den Kunden einen optimalen Materialfluß zu realisieren. In der Prozeßbetrachtung gewann die Kapitalbindung an Bedeutung. Das hatte unter anderem Auswirkungen auf die Bedingungen und Methoden für konsequente Bestandsoptimierungen. Veränderungspotential resultiert auch aus der stärkeren Verflechtung von Betriebsführungs- und traditionellen Logistikaufgaben. Ihr trägt die Modellierung nach verdichteter integrierter Betrachtung Rechnung. Dadurch erweiterte sich das Feld für Logistikplanungen, wobei alle Belange der Supply Chain ganz eindeutig dominierten. Nach einer Test-Nutzungsphase in verschiedenen Unternehmensbereichen führte Bayer zur Jahrtausendwende konzernweit die betriebswirtschaftliche Standardsoftware SAP R/3 ein. Das damit verbundene Re-Engineering der Geschäftsprozesse war auch Anlaß, konzernweit eine standardisierte Plattform für barcodegestützte Geschäftsprozesse auf Basis der Funkscannertechnologie für Standardbarcodes zu installieren. Erstmals genutzt wurde dieses System im Bereich Pflanzenschutz im Bayer-Werk Dormagen für Steuerung und Verfolgung von täglich mehr als 3.000 Palettenbewegungen. Um Logistikprozesse besser zu beherrschen, etwa die Synchronisation von Produktion und Bedarf oder die Erhöhung der Lieferfähigkeit, wurde eine neue Software-Systemgeneration entwickelt: das Supply-Chain-Management-System SAP APO, erweitert gemäß den Anforderungen der Prozeßindustrie. Ermöglicht wird so eine ganzheitliche Betrachtung und Behandlung logistischer Unternehmensabläufe: von der Beschaffung bis zum Versand, von der Produktions- bis zur »Advanced Planning and Scheduling«-Ebene.

Klare Strukturen geschaffen

2001 begann die Umstrukturierung des Bayer-Konzerns. Heute ist die Verantwortung für das jeweilige Kerngeschäft auf die Teilgesellschaften HealthCare, Crop-Science und Material Science sowie auf drei Servicegesellschaften aufgeteilt, darunter eine für technologische Dienstleistungen. Aus der Zentralen Technik (ZT) und Teilen der Zentralen Forschung (ZF) der Bayer AG hervorgegangen, entstand im Oktober des Jahres 2003 die Bayer Technology Services GmbH (BTS) als eigenständiges Unternehmen. Die Technische Logistik fand bei diesem Allround-Anbieter technologischer Dienstleistungen als Supply Chain & Logistics (SCL) im Bereich der Process Management Technology (PMT) ihren Platz und beschäftigt mittlerweile 110 Mitarbeiter. Aufgrund der Erfahrung aus 40 Jahren Logistik bei Bayer und den Erfolgen bei der Implementierung von neuesten Software-Systemen für Beschaffung, Produktion und Distribution hat sich die BTS-PMT Supply Chain & Logistics das Ziel gesetzt, verstärkt ihre Leistungen auf den freien Märkten im In- und Ausland anzubieten. Dabei will man sich keineswegs nur auf die Branchen Chemie, Pharma oder Lebensmittel beschränken. Nicht nur die Investitionen für neue Logistikprojekte stehen im Fokus der SCL-Überlegungen, sondern auch Wirtschaftlichkeitsberechnungen im Hinblick auf die anschließenden Produktionszeiten. Bei der Untersuchung möglicher technischer Varianten einer Logistiklösung, der Wirtschaftlichkeitsprüfung und der Erstellung von Ausschreibungsunterlagen geht es immer um den gesamten Lebenszyklus eines Logistiksystems. Ein Vorteil der SCL besteht in der Einbindung in die Bayer Technology Services GmbH mit ihrer breiten verfahrenstechnischen und mathematischen Kompetenz (schließlich müssen Logistikanlagen als Teil eines gesamten Produktionskomplexes bewertet werden). So bietet die Nähe zur Mathematischen Verfahrenstechnik den Vorteil, neueste Methoden für die Simulation und Optimierung logistischer Systeme einsetzen zu können. Ein Beispiel dafür ist die Targeting Inventory Position Optimization zur Bestandsoptimierung in komplexen Distributionsnetzen. Bei vorgegebenem Kundenservicegrad lassen sich hiermit die Sicherheitsbestände um 25 bis 40 Prozent reduzieren. Eingebunden in die Prozeßtechnik und mit dem Engineering von Bayer Technology Services kann die Supply Chain & Logistics dem Kunden Komplettangebote machen, beispielsweise mit Leistungen aus den Bereichen Handling von Feststoffen und Flüssigkeiten, Civil Engineering, Anlagenbau einschließlich Infrastrukturversorgung, Automatisierung oder Datentechnische Integration mit Hilfe von Betriebsführungssystemen. Darüber hinaus besteht eine enge Verbindung zu Bayer Industry Services (BIS). Inzwischen gibt es eine Reihe von Projektbeispielen, bei denen Supply Chain & Logistics das technische Konzept und die Realisierung bis zur Inbetriebnahme übernommen hat und BIS anschließend die Wartung und die Instandhaltung. Als Teil des Bayer-Konzerns bietet Bayer Technology Services und damit auch SCL dem Kunden jede denkbare Vertragsform an: von der aufwandbezogenen Verrechnung über Festpreisaufträge und Generalunternehmerschaft bis hin zu Fee-on-Risk-Angeboten.

Große Chancen für viele Branchen

Zwar stehen die Branchen Chemie, Pharmazie und Lebensmittel traditionsgemäß im Fokus der Supply Chain & Logistics von Bayer, doch im Bereich der konzeptionellen Logistik, der Logistik-DV-Systeme oder der quantitativen Planungsmethoden liegen große Chancen, mit der eigenen Vorgehensweise und innovativen Systemen auch über diese Branchen hinaus Erfolge zu erzielen. Die Optimierung von Distributionsnetzwerken, die Einführung von Barcode- oder Etikettiersystemen oder die strategische Gestaltung von Logistik- und Supply-Chain-Netzwerken ist oft nur wenig branchenspezifisch. Behandelt wird letztendlich Stückgut, egal ob es sich nun um Chemiefässer, Gebinde mit Wirkstoffen oder Paletten mit Lebensmitteln handelt. Eine erfolgreiche Übertragung der Methodiken und Werkzeuge ist hier ohne Zweifel möglich.

Gute DiensteDas Angebot der SCL

Gestützt auf das Know-how aus 40 Jahren Logistik bei Bayer, die sämtliche Entwicklungsstufen dieser Disziplin mitgeprägt hat, gehören Standortplanungen für neue Produktions- und Distributionssysteme, die konzeptionelle Unterstützung beim Outsourcing ganzer Funktionsbereiche und die Simulation komplexer Prozeßketten zum aktuellen Kompetenzbereich der Supply Chain & Logistics (SCL) bei Bayer. Hinzu kommen Leistungen der Bayer Technology Services GmbH, die sich als Logistikspezialistin auf den internationalen Märkten versteht. Die SCL bietet umfassende Dienste an: von der Expertise über die Planung bis hin zu Ausführung und Inbetriebnahme.

Pure ErfahrungDer Autor und sein Fachbereich

Der Autor dieses Beitrags, Prof. Dr. Ludger Brüll, ist Vice President und Leiter des Fachbereichs Supply Chain & Logistics der Bayer Technology Services GmbH. Die BTS, hervorgegangen aus der Zentralen Technik (ZT) und Teilen der Zentralen Forschung (ZF) der Bayer AG, ging nach einer Phase der konzerninternen Umstrukturierung im Oktober 2003 als eigenständiges Unternehmen an den Start. Innerhalb der BTS fand die Technische Logistik als Supply Chain & Logistics (SCL) im Bereich Process Management Technology (PMT) ihren Platz.

Erschienen in Ausgabe: 01/2005