Flache Hierarchie und starkes Rückgrat

MAN Logistics: Gesundes Wachstum im Jubiläumsjahr

Mit gut gefüllten Auftragsbüchern geht MAN Logistics, vormals Mehne, ins neunte Jahrzehnt nach der Firmengründung. Dabei haben Projekte im Ausland immer größeren Anteil am Umsatz. Zunehmend nimmt auch das Geschäft mit der Modernisierung von Anlagen breiteren Raum ein. Eine Neuorganisation unter neuer Führung soll die Kernkompetenzen weiter verstärken.

14. Oktober 2002

Just zum Jubiläum paßte MAN Logistics die Unternehmensstruktur dem Markt an. Operatives Geschäft und strategische Führungspositionen werden stärker miteinander verzahnt. Der bisherige technische Geschäftsführer, Dr. Stephan Timmermann, hat diese neue Organisation mit seinem kaufmännischen Copiloten auf den Weg gebracht. Umsetzen muß die Reform Florian Hofbauer, der seit 1. April neuer Geschäftsführer bei MAN Logistics ist. Timmermann wechselte in die Geschäftsführung des Konzernunternehmens Schwäbische Hüttenwerke (SHW), bleibt dem Heilbronner Unternehmen aber als Mitglied des Beirates erhalten.

Ordentliches Ergebnis

Die Situation für eine Neuorganisation ist günstig, denn im vergangenen Geschäftsjahr erzielte MAN Logistics mit 155 Mitarbeitern einen Umsatz von 36 Millionen Euro. Dieser Umsatz, so Timmermann, stamme aus „reinrassigem Projektgeschäft.“ Das Ergebnis sei „sehr ordentlich.“ Die vom Konzern erwartete Umsatzrendite von fünf Prozent habe man erreicht. Damit stehe das Unternehmen überaus vernünftig da. Das Thema „Wachstum durch Übernahmen“ ist für Timmermann schnell abgehakt: „Wir haben kein Interesse daran, so zu expandieren.“ Wachsen soll das Unternehmen aus eigener Kraft: „Leute einstellen, ausbilden und qualifizieren“ sei für die mittelständische Konzerntochter das geeignete Rezept.

Der derzeitige Auftragsbestand ist eine gesunde Mischung verschieden großer Projekte. Herausragend ist sicher der Bau eines Logistikzentrums für Adidas, Auftragswert 10,5 Millionen Euro. Ein weiteres Großprojekt, an dem MAN Logistics beteiligt ist: das Logistikzentrum des Cerealien-Herstellers Brüggen. Das Heilbronner Unternehmen liefert dafür eine Palettenförderanlage als Produktionsausgangspuffer, 36 Meter hohe Regalbediengeräte für das sechsgassige Hochregallager, die gesamte Anlagensteuerung und -visualisierung sowie Lagerverwaltungsrechner.

Firmenjubiläum

Grund zum Feiern sind jedoch nicht nur das gute Ergebnis und die solide Marktposition, denn MAN Logistics feiert in diesem Jahr die Unternehmensgründung vor 80 Jahren. Zu 100 Prozent gehört das 1922 von Erich Mehne gegründete Unternehmen allerdings erst seit 1989 zu MAN. Die mittelständische Struktur haben die Heilbronner beibehalten. Aus gutem Grund, wie Stephan Timmermann argumentiert: „Wir haben die flache Hierarchie und Beweglichkeit eines mittelständischen Unternehmens mit dem Rückgrat eines der bedeutendsten deutschen Maschinen- und Anlagenbauers.“ Und noch eine „Spezialität“ reklamiert MAN Logistics für sich, nämlich „letzter Anlagenbauer der Branche mit eigener Konstruktion und Fertigung zu sein“. Wohl greifen die Konstrukteure auf bestimmte Standardprogramme zurück, beispielsweise in der Palettenfördertechnik. Dennoch gebe es keine Anlage, die der anderen gleicht.

Die enorme Fertigungstiefe gilt als Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb und hat für MAN Logistics den Vorteil einer eigenständigen Qualitätssicherung. Dieser müssen sich auch Lieferanten beugen, beispielsweise Hersteller von Feinkornstählen für Tiefkühlanlagen. Gerade mit fördertechnischen Anlagen für Tiefkühl-Logistikzentren haben sich die Engineering-Fachleute in Heilbronn zuletzt hervorgetan. Eines der jüngsten Großprojekte ist das TK-Lager für Schottke (s. FJ 3/01), der „größte Kühlschrank Europas“.

„Operation am offenen Herzen“

Was die Modernisierung von älteren Förderanlagen angeht - zukünftig betreut von Harald Bauer - kennt MAN Logistics keine Pietät: Modernisiert wird unabhängig vom ursprünglichen Fabrikat. Gerade bei laufenden Anlagen zeige sich die Präzision des Projektgeschäftes. Bauer: „Eine Modernisierung ist wie eine Operation am offenen Herzen.“ Allerdings erscheint aus konjunktureller Sicht gerade dieser Bereich derzeit am schwierigsten, wie Timmermann erfahren hat: „Viele Modernisierungen werden von Anlagenbetreibern systematisch verschoben.“

Erschienen in Ausgabe: 04/2002