Gabelweise Leistung und Sicherheit

Anbaugeräte: Kaup profiliert sich als Komplettanbieter Bernhard Foitzik

Mit 30.000 Anbaugeräten pro Jahr zählt Kaup, Aschaffenburg, zu den ganz Großen in diesem Marktsegment. Sowohl bei Seriengeräten als auch bei Spezialprodukten hat sich das Unternehmen einen innovativen Ruf geschaffen. Neuester „Hoffnungsträger“: die Mehrfachklammer T429.

23. Dezember 2003

Nicht erst der „Jahrhundert-Sommer“ mit neuen Rekorden beim Getränkeumsatz hat es gezeigt: Mehrfach-Palettenklammern liegen im Trend. Auch Kaup, Aschaffenburg, hat hier nennenswerte Wachstumsraten. Dabei ist der Trend zu Mehrfachklammern, die streng genommen keine Klammern sind, sondern verschiebbare Mehrfachaufnahmen, keineswegs neu. Doppelklammern gibt es seit rund 20 Jahren. Franz B. Staudt: „Kein anderes Zusatzgerät hat den innerbetrieblichen Transport stärker rationalisiert als Doppel- und Mehrfachklammern.“ Mittlerweile sind Achtfach-Palettenklammern im Einsatz, die gerade in diesem „Jahrhundert-Sommer“ im Getränkehandel, bei Brunnenbetrieben und Brauereien gefragt waren. Acht Paletten Weizenbier auf einmal: da dürfen es allerdings schon 15 Tonnen Traglast beim Gabelstapler sein.

Trotzdem soll der Stapler keine Tragfähigkeit durch überdimensionierte Anbaugeräte verlieren. Schon in der Konstruktion müssen die „Angstpunkte“ betrachtet und gezielt abgespeckt werden. Holger Kaup, dessen Unternehmen viel Zeit und Geld in moderne Konstruktionstools gesteckt hat: „Für ein optimales Ergebnis setzen wir 3D CAD-Tools ein, die für uns und unsere Kunden ein echter Gewinn sind.“

Der „Gewinn“ liegt für Kaup nicht nur in der schnellen Reaktionsfähigkeit, sondern auch in der Baukasten-Konstruktion. Staudt: „Über mehrere Entwicklungsschritte wurde die Anzahl der Bauteile und Baugruppen deutlich reduziert.“ Mit weniger Teilen steigt auch deren Verfügbarkeit. Wenn es sein muß, ist ein Serienersatzteil binnen 24 Stunden beim Kunden.

All diese Aspekte sind in die Entwicklung der neuen Mehrfach-Palettenklammer T 429 eingeflossen. Mit der neuen Klammer will Kaup die Erfolgsgeschichte dieser Anbaugerätereihe fortsetzen. Weit über 10.000 Geräte verkauften die Aschaffenburger von den Vorgängerbaureihen.

Bei der Präsentation der T 429-Geräte hob Staudt in erster Linie „die deutlich verbesserten Sichtverhältnisse“ hervor. Wie gut die Sicht nach vorne ist, läßt sich anhand objektiver Kriterien bestimmen. Bei Kaup bezieht man zusätzlich auch Staplerfahrer und deren subjektives Urteil in die Entwicklungsphasen mit ein.

Erkenntnisse aus der Praxis haben die Konstruktion der Gabel beeinflußt. Denn gerade Gabeln und Unterteile von Ballenklammern unterliegen bei aller Vorsicht des Fahrers einem Verschleiß. Im Gegensatz zu früheren Ausführungen werden die Gabeln nun mit durchgehenden Tragplatten verschraubt. Gabelrücken und Tragplatten sind überfräst, damit die Gabeln absolut parallel stehen und satt aufliegen. Innere und äußere Gabel, wie beispielsweise bei Zweifach-Klammern, haben ein identisches Bohrbild. So können die Gabeln gegenseitig getauscht werden.

Ein Novum ist auch die Anordnung: Die inneren Gabeln sitzen fünf Millimeter tiefer. Das ist jedoch gewollt, denn beim Transport zweier Paletten nebeneinander neigen sich die Paletten leicht nach innen und stabilisieren sich gegenseitig. Dadurch verschleißen die inneren, niedriger liegenden Gabeln schneller. Durch das identische Bohrbild können die Gabeln jedoch mühelos getauscht werden. Nimmt man diesen Tausch rechtzeitig vor, kann die Einsatzzeit des Gabelsatzes nahezu verdoppelt werden.

Die Führungsschlitten aus Doppel-C-Profilen der äußeren Gabeln wurden im Prinzip aus der bisherigen Konstruktion übernommen. Allerdings wurde bei den neuen Doppelklammern die Profilüberdeckung vergrößert. Durch neu entwickelte Verschleißprofile konnten die Schmierintervalle verlängert werden.

Anstelle der Standardgabeln können die T 429-Doppelklammern mit Teleskopgabeln für unterschiedlich lange Paletten ausgerüstet werden. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn wechselweise Europaletten längs oder quer aufgenommen werden. Dafür gibt es dann Gabeln, die sich von 800 auf 1.150 Millimeter teleskopieren lassen. Für die wechselweise Aufnahme von Europaletten längs und zwei Düsseldorfer Paletten (Halbpaletten) können 1.200 Millimeter lange Gabeln auf 1.550 Millimeter ausgefahren werden.

Service neu strukturiert

Nach eigenen Angaben hält das Unternehmen damit in diesem Segment einen Marktanteil von annähernd 50 Prozent. Rund 30.000 Anbaugeräte liefert Kaup pro Jahr aus. Gut die Hälfte davon geht in den Export.

Diese Geräte wollen betreut sein. Seit Jahresbeginn hat Kaup den Service unter dem Slogan „Cover + Care“ neu strukturiert und das Angebot erweitert. „Kaup Guard“ ist eine Art Schutzbrief, der Laufzeiten von bis zu 60 Monaten haben kann und Wartung zum Festpreis bietet. Interessant dürfte diese Variante vor allem im Rahmen von Full Service- oder Mietverträgen sein. „Kaup Garant“ verlängert bei Standard-Anbaugeräten die gesetzliche Gewährleistungsfrist um bis zu 24 Monate.

Eine zwölfmonatige Testphase im deutschsprachigen Raum soll die Leistungsfähigkeit und den Nutzen für Gerätebetreiber unter Beweis stellen. Parallel dazu haben die Aschaffenburger Kundendienst, Ersatzteilversorgung und Versand in einem neuen Servicecenter konzentriert. Eine neue Werkhalle mit 3.200 Quadratmetern Nutzfläche bietet dafür die räumlichen Voraussetzungen. Rund 450 Serviceeinsätze mit eigenen Technikern und etwa 700 Instandsetzungsaufträge kommen pro Jahr zusammen. Muß ein Anbaugerät zur Überholung oder Reparatur ins Werk, kann der Kunde zur Überbrückung ein entsprechendes Gerät aus dem Gebrauchtgeräte-Center bekommen.

Wachsen aus eigener Kraft

Ohne Gabel ist ein Stapler ein Papiertiger. Erst mit dem richtigen Anbaugerät wird das Arbeiten effizient. Das Aschaffenburger Traditionsunternehmen Kaup ist als führender Hersteller von Anbaugeräten allen Konjunkturprognosen zum Trotz gut im Geschäft, wie der geschäftsführende Gesellschafter Holger Kaup bestätigt.

FJ: Die Staplerbranche boomt nicht gerade. Leidet darunter das Geschäft von Kaup als einem der führenden Hersteller von Anbaugeräten?

Kaup: Wir hatten für dieses Jahr konservativ einen Umsatz von 45 Millionen Euro wie im Vorjahr geplant. Aufgrund einigerer größerer Aufträge aus dem Ausland lagen wir zur Jahresmitte um drei bis vier Prozent über unserem Plansoll. Da der Auftragseingang sogar zweistellig im Plus liegt, sind wir für dieses Jahr verhalten optimistisch.

FJ:Zwei Drittel der Kaup-Produktion gehen in den Export. Sie haben sogar in China eine eigene Fertigung. Wie erfolgreich ist das Geschäft dort?

Kaup: Wir bauen dort etwa 2.000 Anbaugeräte pro Jahr. Dabei spielen die so genannten Komfortgeräte wie Seitenschieber oder Zinkenverstellgeräte, die in Europa am meisten nachgefragt werden, kaum eine Rolle. Da Kaup China mit Gewinn arbeitet und die Investitionen in einem überschaubaren Rahmen liegen, haben wir diesen Schritt in einen Zukunftsmarkt bisher nicht bereut.

FJ:Gerade im internationalen Geschäft ist eine gewisse Unternehmensgröße wichtig. Kann und will Kaup durch Übernahmen wachsen?

Kaup: Ich sehe dafür derzeit keine Notwendigkeit. Wir kennen unsere Märkte und unsere Kunden. Um deren Bedarf optimal zu decken, haben wir in den vergangenen Jahren einige Millionen Euro investiert. Wir sind der Meinung, daß internes Wachstum deutlich einfacher zu bewerkstelligen ist als das Zusammenführen unterschiedlicher Organisationen. Um in bestimmten Märkten zusätzlich Fuß zu fassen, könnte eine Übernahme sinnvoll sein. Das allerdings ist derzeit nicht geplant.

Erschienen in Ausgabe: 10/2003