Gar nicht mal so gut, die Lage

Zwischendurch

Diese Meinung kennt jeder: Wer zehn Fachleute zu einem bestimmten Thema befragt, bekommt zwanzig Antworten. Mag sein. Ziemlich eindeutig allerdings ist das Ergebnis einer Umfrage unter 200 Unternehmen mit Tätigkeitsschwerpunkten im Bereich Supply Chain Management und Logistik, die von der Bundesvereinigung Logistik (BVL) durchgeführt wurde.

24. Mai 2012

Eines der zentralen Ergebnisse der Umfrage lautet: Vor dem Hintergrund der anhaltend positiven konjunkturellen Entwicklung planen 50 Prozent der Unternehmen im Wirtschaftsbereich Logistik Neueinstellungen.

»90 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass sich die Logistik im Wachstum befindet«, heißt es in der zur Umfrage veröffentlichten Pressemitteilung der BVL. Und weiter: »Dies bedeutet gute Aussichten, nicht nur für die Unternehmen, sondern auch für Bewerber – sei es mit praktischer Berufsausbildung, Studium oder mit Berufserfahrung.« Weniger gut sind die Aussichten allerdings für die Personalverantwortlichen der Logistikunternehmen.

2,8 Millionen Menschen arbeiten hier zu Lande in der Logistik. 2012 soll diese Zahl um weitere 50.000 Stellen anwachsen. Und genau hier liegt das Problem. Laut BVL hat »mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen Probleme bei der Besetzung offener Stellen«. Gar nicht mal so gut also, die Situation. Bloß, wo liegt das Problem? Eine Delphi-Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) und des Instituts für Zukunftsforschung und Wissensmanagement an der EBS Business School in Wiesbaden glaubt, die Antwort zu kennen.

Bei der Suche nach qualifiziertem Personal mache der Transport- und Logistikwirtschaft ihr Ruf zu schaffen, heißt es bei PwC. Unterbezahlt und unattraktiv – mit diesen Attributen brächten mögliche Kandidaten viele Jobs in der Logistik in Verbindung. Für die Delphi-Studie waren 94 Logistiker und Branchenexperten aus 24 Ländern in aller Welt befragt worden. Nicht überall auf der Welt allerdings sind Unternehmen wie Dachser zu Hause.

»Nur wer selbst konsequent aus- und weiterbildet, kann dem Fachkräftemangel begegnen«, sagt Dachser-Chef Bernhard Simon. Über 1.200 junge Leute absolvieren derzeit eine Berufsausbildung bei dem international tätigen Logistikdienstleister aus Kempten. Und viele von ihnen finden die Logistik attraktiv genug, um ihr über die Ausbildung hinaus die Treue zu halten. Wenn Deutschland also im Logistiksektor dem Arbeitskräftemangel entgegenwirken will, braucht es möglichst viele Unternehmen wie Dachser. Denn wer ausbildet, hat das Nachwuchsproblem schon halb gelöst.

Erschienen in Ausgabe: 03/2012